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Energiekosten: »Ist Fußball das neue Golfen?«

Hartplatzhelden-Kolumne #56: Auch Amateurvereine sind beim Energiesparen gefragt. Besser jetzt dran denken, bevor man uns wieder die Sportanlagen schließt. Von UTE GROTH

In der Hartplatzhelden-Kolumne kommen kreative und kritische Köpfe aus dem Amateurfußball zu Wort, die sich mit den Sorgen und Nöten unseres geliebten Sports befassen, aber auch Ideen für die Zukunft vorstellen. In der 56. Ausgabe diskutiert Ute Groth, 1. Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf, wie die aktuelle Energiekrise auch die Sportvereine betrifft und stellt fünf Ideen für's Energiesparen vor.

Die Sommer werden heißer, Wasser wird knapper, Energiekosten steigen. Fußball wird auf Sandpisten gespielt oder von zahlungskräftigen Sportlerinnen teuer bezahlt auf bewässerten Greens. Ist Fußball das neue Golfen? Energieversorgung ist jedenfalls ein Thema, das auch
Sportvereine betrachten müssen, bevor wir, wie in der Pandemie, von den Ereignissen, etwa durch monatelange Schließungen aller Sportanlagen, überrollt werden.

Die Fragen liegen auf der Hand:

  • Können Vereine künftig bei zunehmender Wasserknappheit und steigenden
    Energiekosten den Sportbetrieb aufrechterhalten?
  • Werden wir sogar von Kommunen, Gemeinden oder Städten aufgefordert,
    die Tore zu schließen, um keine weitere Energie zu verbrauchen, um
    systemrelevante Einheiten damit zu unterstützen?
  • Sind die Vereine nicht vielleicht auch systemrelevant? Worauf müssen
    wir uns vorbereiten?
  • Wie können Sportvereine dazu beitragen, Energie und Kosten zu sparen?

Die meisten Vereinsanlagen stammen aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Schlecht oder gar nicht gedämmte Fassaden und Dächer, Fenster ohne nennenswerte U-Werte, veraltete Heizungsanlagen, zusammengefasst eine alte Bausubstanz. Da helfen Sonderprogramme zur energetischen Sanierung nicht, da wäre Neubau angesagt. Ich will mal einen Einblick geben, wie wie bei der TUSA 06 das Problem angehen. Unsere Sportanlage gibt es seit 1906, das Vereinsheim ist 1959 entstanden. Eine zusätzliche Umkleide mit zwei Kabinen und Duschen von 2004, eine weitere mit zwei Kabinen und Duschen von 2022. Zwei Kunstrasenplätze, ein Rasenplatz. Zweimal Flutlicht konventionell, einmal ganz neu 2022 mit LED-Beleuchtungskörpern. In der Fußballabteilung haben wir dreißig Mannschaften im Trainings- und Spielbetrieb. Was können wir tun, wenn in den nächsten Wochen die Notwendigkeit größer wird, Energie- und Kosten einzusparen?

Hier sind fünf Ideen:

1. Idee : Auf der Umkleide von 2004 stehen 150 Quadratmeter Fläche für Photovoltaik zur Verfügung, die 15 Kilowatt Leistung bringen würden. Diese Annahme hat unser Sanitärexperte bestätigt. Ungefähr in Zahlen ausgedrückt bedeutet das, wir können damit die komplette Anlage, inklusive Küche, tagsüber im Sommer mit Strom versorgen. In der
Dämmerung (Flutlicht) hilft die Anlage natürlich nicht. Durch Einspeisung könnten wir im Jahr knapp 2.000 Euro erzielen. Aktuell zahlen wir etwa. 22.000 Euro Energiekosten, das wären also knapp 10 Prozent. Nur bei 100 Prozent Förderung wäre das etwas, was sofort Kosten
einspart, die prognostiziert um mindestens 30 Prozent steigen werden. Als erste Schritte müssten die Statik des Daches und die Tauglichkeit des Stromzählers geprüft werden. Um Beitragserhöhungen werden wir trotzdem nicht herumkommen.

2. Idee: Austausch der Außenlampen am Stabgitterzaun. Lampen aufgeschraubt und reingeguckt. Da stecken 13 Watt Energiesparlampen drin. Tauscht man nur die sechs vom Ballraum bis zum Ende der Anlage am KR-Übergang gegen LED aus, ergibt sich eine Einsparung von 3,80 Euro im Jahr! Lohnt nicht.


3.Idee : Reduzierung der Wassertemperatur für die Duschen. Schon umgesetzt.

4. Idee : Reduzierung der Trainingseinheiten je Mannschaft ab Herbst. Statt bisher zwei oder drei mal die Woche unter Flutlicht auf dem Platz, das nur einmal und dazu Lauftraining oder Athletiktraining mit Stirnleuchte. Die Kreativität der Übungsleiterinnen und Übungsleiter ist gefragt.

5. Idee : Neuorganisation des Spielbetriebs Fußball mit überwiegendem Anteil in den hellen Monaten des Jahres. Die Sommermonate müssen umfangreicher für den Spielbetrieb genutzt werden. Liegt nicht bei uns.

Fazit:
Es gibt nicht die große ganze Idee, aber viele kleine. Wir Sportvereine müssen uns jetzt vorbereiten und jetzt unsere Vertreterorganisationen auffordern, unsere Interessen, unserer Sportlerinnen und Sportler zu vertreten. Für die Kinder-und Jugendarbeit in Deutschland sind
Sportvereine systemrelevant. Wir müssen uns Gehör verschaffen und Lösungen vorschlagen.

Zur Autorin:
Ute Groth, Jahrgang 1959, ist seit 2007 die Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf, einem Verein, der sich dem Breitensport verschrieben hat. 2019 wollte sie sich zur ersten DFB-Präsidentin wählen lassen, wurde aber zur Kandidatur nicht zugelassen. Ihr Verein, einer der mitgliederstärksten im Rheinland, ist Teil der DJK, dem katholischen Sportverband Deutschlands.

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Über die Hartplatzhelden-Kolumne:
In regelmäßigen Abständen lassen wir kreative und kritische Köpfe aus dem Amateurfußball zu Wort kommen, die sich mit den Sorgen und Nöten unseres geliebten Sports befassen, aber auch Ideen für die Zukunft vorstellen.

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Aufrufe: 018.8.2022, 18:30 Uhr
UTE GROTHAutor