»Der Plan mit dem Neustart ist nicht durchdacht«
Mittwoch 05.08.20 11:00 Uhr|Autor: Ute Groth7.500
Foto: Alexander Fischer

»Der Plan mit dem Neustart ist nicht durchdacht«

Hartplatzhelden-Kolumne #4: Auch die Amateure sollen im September wieder Fußball spielen, sagt der Verband. Doch vor der Frage, wie das genau gehen soll, drückt er sich. Und die ganze Arbeit bleibt an uns Vereinen hängen. Von UTE GROTH
In der neuen Hartplatzhelden-Kolumne kommen kreative und kritische Köpfe aus dem Amateurfußball zu Wort, die sich mit den Sorgen und Nöten unseres geliebten Sports befassen, aber auch Ideen für die Zukunft vorstellen. In der 4. Ausgabe erläutert Ute Groth, 1. Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf, vor welch große Herausforderungen die Umsetzung der angedachten Hygienekonzepte die Vereine stellt.


Wir sollen wieder loslegen, aber ich hab noch keine Ahnung, wie das alles gehen soll. Die Profis haben es vorgemacht, mit dem entsprechenden Hygienekonzept war das am Ende gar kein großes Problem. Nun sollen auch die Amateure wieder auf den Platz. Mit Datum vom 10. Juli 2020 erhielten wir vom Post vom DFB. Er schickte ein Papier samt Hilfestellungen, wie wir wieder den Spielbetrieb aufnehmen können, wollen, sollen. Im September soll es so weit sein.

Es ist wie so oft: Der Verband schmückt sich in der Öffentlichkeit mit seinen Plänen, aber vor der entscheidenden Verantwortung drückt er sich. Denn die Arbeit im Detail obliegt den Vereinen. Und da steckt der Teufel, die Umsetzung bedeutet enormen Aufwand. Alleine die Vorbereitung und Entwicklung eines Hygieneplans nimmt viel Zeit in Anspruch. Dazu kommt die Benennung eines Hygienebeauftragten und die Erstellung und Abstimmung eines Hygienekonzeptes mit dem örtlichen Gesundheitsamt.

Wir haben Gottseidank seit gut einem Jahr Anke, unsere hauptamtliche Geschäftsführerin, eine Vollzeitkraft. Das ist ein großer Vorteil. Ohne sie wäre es so gut wie unmöglich. Die wenigsten Vereine haben eine solche Stelle. Schon in den vergangenen Monaten saßen wir oft zusammen im Geschäftszimmer, Gunter, mein Stellvertreter, Anke und ich. Wir verbrachten hier etliche Stunden gemeinsam, mit erforderlichem Abstand, um Corona-Verordnungen zu lesen, interpretieren, umzusetzen. Manch weitere Stunde ging drauf für Diskussionen mit Trainern und Übungsleitern, die jeweils anderes aus der Presse oder den Empfehlungen der Sportverbände heraus gelesen hatten.

Nach mittlerweile gut zwei Monaten Betrieb all unserer Sportarten auf der Anlage vertraut man uns bei der Auslegung der Verordnungen. Wir konnten und können viel verwirklichen, unsere Mitglieder treiben begeistert Sport. Nun geht es an den Wettkampf, und da will ich einen kurzen Einblick in die organisatorischen Abläufe geben. Das ist der 
Stand der Dinge bei uns in Düsseldorf:

Wir benennen und markieren in unserem Vereinsheim drei Zonen A, B, C und sehen zu, dass für die Berechtigten ein separater Zugang möglich ist. Da fängt es schon an, denn in Zone A dürfen nur die Spieler, die Trainerin und das Funktionsteam. Doch bei den Bambini fängt das Problem schon an, da sind immer Eltern dabei, die ihren Kleinen die Schuhe binden. Unsere Umkleidebereiche organisieren wir so, dass sich dreißig Spielerinnen und Spieler je Ligaspiel bei uns umziehen können. Zudem benötigt der Schiedsrichter eine Umkleide und einen desinfizierten PC. Wir haben insgesamt sechs Kabinen von 10 bis 18 Quadratmetern Größe. Wenn jede Person 1,50 Meter Abstand zur nächsten haben soll, bedeutet das einen Platzbedarf von 4,4 Quadratmeter pro Person. Das heißt, in unseren Kabinen können sich 18 Personen mit erforderlichem Sicherheitsabstand gleichzeitig umkleiden.



Wir rechnen  jeweils mit einer halbe Stunde Umkleiden für die ersten 18 Personen, dann eine Viertelstunde Desinfektion und Lüftung und eine weitere halbe Stunde Umkleiden für den Rest der Mannschaften, jeweils vor dem Spiel und danach. Die Duschen lassen wir geschlossen, sonst wird es zu eng. Wenn wir so kalkulieren, kommt sind wir bei 4,25 Stunden, das ist viel Zeit für ein einziges Spiel. Man muss bedenken: Wir haben 30 Mannschaften im Senioren- und Jugendbereich, davon spielt die Hälfte am Wochenende bei uns auf der Anlage. In der Regel finden alleine an Samstagen zwölf Jugendspiele bei uns statt.

Wir stehen erst am Anfang unserer Überlegungen. Es gibt sicher noch Möglichkeiten, Zeit zu sparen, etwa durch zeitversetztes Umkleiden. Oder man zieht sich weitgehend zuhause um, im Sommer mag das funktionieren. Dennoch, der Plan mit dem Neustart ist nicht zu Ende durchdacht. Wir denken, man müsste mit einem Sparprogramm beginnen, also mit weniger Spielen, und das ganze straffer und flexibler organisieren. Doch da müsste der Verband vorangehen. Das tut er jedoch nicht. Seine Vorgehensweise ist abgehoben und basisfern.

Und was passiert erst, wenn alle Düsseldorfer Fußballvereine beim Gesundheitsamt vorstellig werden, um ihre individuellen Hygienekonzepte abzustimmen? Nicht nur in unserem Verein stellen wir uns zurzeit die Frage: Ein geordneter Spielbetrieb für alle Fußballmannschaften, von Bambini bis Senior, wie soll das gehen?




Zur Autorin:
Ute Groth, Jahrgang 1959, ist seit 2007 die Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf, einem Verein, der sich dem Breitensport verschrieben hat. 2019 wollte sie sich zur ersten DFB-Präsidentin wählen lassen, wurde aber zur Kandidatur nicht zugelassen. Ihr Verein, einer der mitgliederstärksten im Rheinland, ist Teil der DJK, dem katholischen Sportverband Deutschlands.

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Zur Hartplatzhelden-Kolumne:
Immer mittwochs um 11 Uhr lassen wir kreative und kritische Köpfe aus dem Amateurfußball zu Wort kommen, die sich mit den Sorgen und Nöten unseres geliebten Sports befassen, aber auch Ideen für die Zukunft vorstellen. Mehr dazu.
 
#3 DFB: Gegen das System Pattex von Gerd Thomas

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