Portrait-Serie (11): Andreas Spann nervt die Unzugänglichkeit
Sonntag 21.06.20 09:27 Uhr|Autor: Florian Huth3.941
Andy Spann ist seit der Saison 2019/2020 Trainer bei der SGM Aufheim/Holzschwang in der Bezirksliga Donau/Iller. Foto: Melanie Löffler

Portrait-Serie (11): Andreas Spann nervt die Unzugänglichkeit

Über die Spatzen zu den Fohlen und über den 1. FC Heidenheim wieder zurück in die schwäbische Heimat
Wir widmen uns den Typen, die in den letzten Jahrzehnten herausragende Spielerpersönlichkeiten der regionalen Fußball-Szene waren. Im 11.Teil der Portrait-Serie haben wir uns mit Andreas Spann unterhalten:


Zur Person:

Andy Spann begann mit dem Fußballspielen beim VFL Ulm und wechelte über den TSV Holzheim zum SSV Ulm 1846, bei dem er Juniorennationalspieler wurde. Im Jahr 2000 machten Spann einen großen Schritt in seiner Karriere. Nach einem Probetraining bei Manchester United, das leider nicht zu einem Vertrag führte, wechselte er von den Spatzen in die Jugend von Borussia Mönchengladbach. Mit starken Leistungen bei den Fohlen, schaffte es der Angreifer bis in die U19-Nationalmannschaft. 

In der Saison 2002/2003 feierte Spann am 19.April sein Bundesliga-Debüt im Spiel gegen Energie Cottbus.  in den folgenden Spielzeiten wurde er weiterhin als Perspektivspieler für den Bundesliga-Kader nominiert, kam aber nicht mehr über Einsätze in der Oberliga Nordrhein hinaus. In der Saison 2005/2006 gelang Spann mit seinem Team als Meister der Aufstieg in die Regionalliga Nord.

2007 kehrte Andy Spann in seine schwäbische Heimat zurück und wechselte zum 1.FC Heidenheim in die Oberliga Baden-Württemberg. Beim FCH bekam er viel Spielzeit und gestaltete seine erfolgreichsten Fußballerjahre. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga Süd, stieg der Verein in der Saison 2008/2009 als Meister in die 3. Liga auf. In den folgenden Spielzeiten trug Spann maßgeblich zum Erfolg des Ostalbclubs bei. Mit 15 Toren in 35 Spielen war er im ersten Drittligajahr erfolgreichster Torschütze der Mannschaft und auch in der Saison 2010/11 gelangen ihm starke elf Treffer.

Die Spielzeit 2011/2012 lief nicht so gut für den Angreifer: Erst setzte ihn eine Schambeinentzündung außer Gefecht und im Dezember 2011 folgte ein Kreuzbandriss - das vorzeitige Saisonende und der Beginn einer langen Verletzungsmisere. Die Saison 2012/2013 verpasste Spann aufgrund eines Innenbandrisses und eines weiteren Kreuzbandrisses komplett. Sein Vertrag in Heidenheim wurde nicht verlängert und Spann wechselte zum Ligakonkurrenten VfL Osnabrück. Nach einem ordentlichen ersten Jahr,  kam er in der Folgesaison 2013/2014 kaum mehr zu Einsätzen und wechselte zur Saison 2014/2015 zum FV Illertissen in die Regionalliga Bayern. Nach seinem Engagement in Illertissen ging Spann als spielender Co-Trainer zurück zum SSV Ulm 1846 Fußbal IIl. Es folgte eine Spielertrainerstation für die Spielzeiten 2017/2018 und 2018/2019 beim FC Hüttisheim. Seit der Saison 2019/2020 ist Spann Trainer beim Bezirksligisten SGM Aufheim/Holzschwang.        

Andy, was war das schönste Erlebnis deiner Laufbahn?

Das Probetraining bei Manchester United mit einem ausführlichen Gespräch mit Sir Alex Ferguson im Jahr 1999. Das war das Jahr, in dem ManU durch zwei Tore in der Nachspielzeit Champions-League-Sieger gegen Bayern München wurde.

Der beste Kicker, mit dem du in einer Mannschaft zusammen gespielt hast? Was hat ihn ausgezeichnet?

Piotr Trochowski und Bastian Schweinsteiger. Peter war der wohl technisch begabteste Spieler, den ich je erleben durfte. Eine Technik mit dem linken und rechten Fuß, die nicht zu überbieten war. Basti ist zu der gemeinsamen Zeit in der Nationalmannschaft gerade immer reifer geworden. Er hatte schon ein unfassbares Spielverständnis und eine Selbstverständlichkeit in seinem Spiel auf hohem Niveau. Die Qualität war sehr sehr hoch und stabil von Spiel zu Spiel. 

Bei welchem Verein hattest du als Aktiver deine schönste Zeit?

Das war beim 1. FC Heidenheim 1846. Hier war zweifelsfrei meine sportlich erfolgreichste Zeit. Natürlich bleibt mein Bundesligaspiel vom 19. April 2003 in Cottbus für die Fohlenelf in ewiger Erinnerung. Ein Traum wurde wahr.

Nach den Stationen Borussia Mönchengladbach, 1. FC Heidenheim und VfL Osnabrück, spielte Andy Spann 2014/2015 eine starke Saison beim FV Illertissen.

Nach den Stationen Borussia Mönchengladbach, 1. FC Heidenheim und VfL Osnabrück, spielte Andy Spann 2014/2015 eine starke Saison beim FV Illertissen. Foto: Stephan Müller

Das fußballerische Vorbild deiner Jugendzeit...  

Lothar Matthäus, er war der 10er unserer Nationalmannschaft. Er hat uns zum Weltmeister 1990 in Italien gemacht. Das hat mich beeindruckt. Ich war 6 Jahre alt und somit hat es mich gepackt.

Was nervt dich am heutigen Fußballgeschäft? 

Mich nervt, dass man von „hinter den Kulissen“ nichts mehr mitbekommt. Die Profis sowie die Vereine allgemein sind nahezu unzugänglich. Heute ist es eine Ausnahme, wenn Trainings öffentlich sind. Früher waren sie NIE „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“. Interviews sind gestellt. Emotionen verboten (Ausnahmen bestätigen die Regel). Es ist mehr und mehr das „Geschäft“ geworden. Das Spiel und die Leidenschaft sind zwar da, aber stehen nicht mehr im Vordergrund. Das nervt, aber finde ich viel mehr schade.

Hast du irgendetwas in deiner Laufbahn bereut? Wenn ja, was?

Ich habe bereut, dass ich nach meiner „Degradierung“ von Holger Fach in die zweite Mannschaft von Gladbach nicht gewechselt bin. Er wurde Nachfolger von Ewald Lienen und hat an seinem Amtsantritt mir mitgeteilt, dass ich in die zweite Mannschaft gehen soll. Ich habe unter Tränen beim Zeugwart meine Schuhe geholt. Ich war 19 Jahre alt und war am Boden zerstört. Warum auch immer, bin ich weitere 3 Jahre in Mönchengladbach geblieben und habe mich nicht aus dem guten Umfeld mit vielen Freunden herausgetraut. Heute profitiere ich natürlich von dieser Zeit. Sie war sehr sehr lehrreich und ich möchte all meine Erfahrungen an meine Jungs weitergeben, um zu jeder Zeit die beste Entscheidung treffen zu können.

Deine Lieblings-Rückennummer...  

Mönchengladbach 45 – Erstes und einziges Bundesligaspiel
In Heidenheim die 21 – Sportlich sehr erfolgreiche Zeit.

Gibt es ein Spiel, das du nie vergessen wirst?  Was war daran besonders?

30.04.2010 – 1. FC Heidenheim – Dynamo Dresden 3:0
Wir haben in Heidenheim 3:0 gegen Dresden gewonnen. Ich durfte zwei Tore zum Sieg beisteuern. Die Atmosphäre war eine Besondere. Die gesamte Westkurve wurde an die Fans von Dresden übergeben und es waren schlussendlich gut 8.500 Zuschauer da. Die Stimmung war einzigartig zu diesem Zeitpunkt in Heidenheim. Vor Spielbeginn wurde ich zudem zum Spieler des Monats im SWR gewählt. Es war ein rundum toller Tag für mich, das Team und unsere Fans. Was will man mehr als Fußballer.

Wer war der beste Trainer, den du hattest und warum?

Ewald Lienen und Frank Schmidt

Die sinnloseste Regel im Fußball....  

Torabstoß-Regel. Ich habe das Gefühl, dass sie bis heute kein Schiedsrichter von Oberliga abwärts kapiert hat. Und dadurch die Trainer und Spieler auch nicht!

Die größte Enttäuschung deiner Karriere...   

Das ausbleibende Angebot vom 1. FC Heidenheim zu einer Vertragsverlängerung im Jahr 2013. Ich habe 6 Jahre meine Gesundheit für den Verein investiert und habe leider keinen weiteren Vertrag angeboten bekommen. Das war ein herber Schlag für mich. Auch damit bin ich umgegangen und habe mir meinen Vertrag beim VfL Osnabrück erkämpft. Hier hatte ich ein fantastisches Jahr 2013/14 erleben dürfen.

Dein Lieblings-Fußballschuh...    

Adidas Predator 1. Generation, mega!

Wo hast du auswärts nie gerne gespielt? Warum?  

In der alten Blechbüche (Britta-Arena) bei Wehen Wiesbaden. Bei Werder II auf Platz 11 (der Name sagt alles). 

Zur aktuellen Corona-Situation: Wie schätzt du allgemein die derzeitige Lage für die Vereine ein? Wie schwierig ist die Situation für dich als Trainer?

Die Lage ist für die Vereine sehr schwierig. Den meisten Vereinen fehlen die Einnahmen durch die Sommerfeste und Zelte. Das ist ein erheblicher Betrag des Jahresetats.

Für mich als Trainer ist das Problem aktuell die Planungsunsicherheit. Wir wissen zwar, dass die Saison zu hoher Wahrscheinlichkeit abgebrochen wird. Aber wann sie weitergeht kann keiner sagen. Meine Jungs wollen kicken, sie wollen zusammensitzen mit einem Bier und wir wollen uns mit unseren Gegnern am Sonntag messen. Wir sind eine tolle Gemeinschaft und uns fehlt ein Teil, der unser Leben bereichert. Das ist nicht einfach. Ich freue mich riesig darauf wieder gezielt mit meine Jungs zu arbeiten und ein Ziel zu verfolgen. Wir bleiben positiv und freuen uns drauf, wenn wir wieder zeigen können was wir draufhaben. Und das ist Einiges!




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Portrait-Serie Teil 8: Michael Butrej

Portrait-Serie Teil 9: Michael Bochtler

Portrait-Serie Teil 10: Günter Berti



Tabelle
1. SSG Ulm 99 1619 38
2. FC Blaubeur. 1610 33
3. Blaustein (Ab) 168 27
4. SC Staig 168 25
5. TSV Langenau 167 25
6. SGM Aufheim Hol... (Auf) 16-3 25
7. SV Jungingen 16-7 24
8. Srbija Ulm (Auf) 164 23
9. Burlafingen 16-12 23
10. Tiefenbach 160 20
11. Türkgücü Ulm 16-2 20
12. Thalfingen 16-2 19
13. Söflingen (Auf) 16-9 17
14. Obenhausen 16-6 16
15. Bermaringen (Auf) 16-6 14
16. SV Lonsee 16-9 11
Wertung gemäß Quotientenregel: Erreichte Punkte dividiert durch absolvierte Spiele
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