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Häufung von schweren Knieverletzungen: Wird der Fußball gefährlicher?

FuPa im Gespräch mit Prof. Dr. Werner Krutsch

von Mathias Willmerdinger · 31.07.2025, 14:45 Uhr · 0 Leser
Fototermin im Max-Morlock-Stadion: Prof. Dr. Werner Krutsch in seiner Funktion als Mannschaftsarzt des 1. FC Nürnberg.
Fototermin im Max-Morlock-Stadion: Prof. Dr. Werner Krutsch in seiner Funktion als Mannschaftsarzt des 1. FC Nürnberg. – Foto: Imago Images

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Was ist da los in der Regionalliga Bayern? Beinahe täglich müssen die Klubs die Öffentlichkeit über schwere Knieverletzungen ihrer Akteure in Kenntnis setzen. Vor allem die Kreuzbänder sind derzeit im Fokus. Eine kleines Sammelsurium an Schreckensmeldungen der vergangenen zwei Wochen:

1. Für Markus Ziereis dürfte die Saison schon beendet sein (FuPa, 16.07.2025)

2. Bittere Gewissheit: Kreuzbandriss bei Hankofens Neuzugang Löffler (FuPa, 21.07.2025)

3. Nach Ziereis: Auch für Tiefenbrunner ist die Saison wohl schon vorbei (FuPa, 22.07.2025)

4. Schock vorm Auftakt: Memmingens Kapitän Rietzler fällt wohl lange aus (FuPa, 24.07.2025)

5. Knie-OP! Schwaben Augsburg muss lange auf Kapitän Greisel verzichten (FuPa, 30.07.2025)

6. Bittere Pille für Wacker Burghausen: Saison-Aus für Marin Pudic (FuPa, 30.07.2025)


Zudem hat der VfB Eichstätt mit Jonas Perconti (Kreuzbandriss) und Daniel Hofrichter zwei Langzeitausfälle zu beklagen, die sich ebenfalls schwer am Knie verletzt haben. Ist diese Häufung schwerer Knieblessuren Zufall, oder steckt ein Muster dahinter? Pauschal eine Aussage darüber zu treffen ist freilich schwierig, hinter jeder Verletzung steckt eine individuelle Geschichte. Wir haben trotzdem versucht, dem Ganzen auf die Spur zu gehen und haben uns mit einer Koryphäe auf dem Gebiet der Kniechirurgie unterhalten: Prof. Dr. Werner Krutsch. Der 45-Jährige war einst für den SC 04 Schwabach, den FSV Erlangen-Bruck und den Freier TuS Regensburg in der Landesliga und Bayernliga am Ball, heute ist er Mannschaftsarzt des 1. FC Nürnberg und Mitglied der Fußballmedizin-Kommissionen von DFB und DFL.

Prominenter Patient: Vilzings Neuzugang Markus Ziereis (re.) hat sich das Kreuzband gerissen.
Prominenter Patient: Vilzings Neuzugang Markus Ziereis (re.) hat sich das Kreuzband gerissen. – Foto: Redaktion Schwandorf


Wie ist seine Meinung dazu, ist der Fußball gefährlicher geworden? "Nein, der Fußball ist nicht gefährlicher geworden. Das zeigen uns wissenschaftliche Studien sowohl aus der Bundesliga als auch aus dem Amateurbereich. Die Zahl der Kreuzbandrupturen ist im Schnitt in den vergangenen Jahren nicht angestiegen", sagt Prof.Dr. Krutsch.

Der Eindruck allerdings, dass gerade im Moment überdurchschnittlich viele Knieverletzungen zu beklagen sind, ist so verkehrt nicht. "Wir befinden uns gerade in der für Knieverletzungen typischen Phase. Das betrifft die intensive Vorbereitung, in der die Belastung sehr hoch ist, und in der Regel die ersten vier Spieltage der neuen Saison. In dieser Zeit können wir einen absoluten Peak an Kreuzbandverletzungen messen. Wir können dabei beobachten, dass bestimmte Spielergruppen ein erhöhtes Risikoprofil aufweisen. Das sind Spieler, die einen Vereinswechsel vollzogen haben, die beispielsweise aus einer niedrigeren Klasse den Sprung zu einem höherklassigen Verein wagen oder auch Spieler, die aus dem Jugendbereich in den Seniorenfußball vorstoßen. Die Belastungssteigerung bzw. eine geänderte Belastung führen zu einem erhöhten Risiko, weil die Adaptionsphase im physischen Bereich einfach länger dauert", erklärt der Sportmediziner.

Was er rät, um das Risiko einer schweren Knieverletzung zu senken? "Zum einen ist hier die Belastungssteuerung ein ganz wichtiger Faktor. Zielführend wäre ein stufenweiser Einstieg, ein sanfter Übergang sozusagen. Zusätzlich sehr hilfreich sind Programme aus der Neuromotorik. Dabei werden gezielt Sprung- und Kniegelenke trainiert, um beispielsweise das Risiko zu minimieren, dass die Gelenke wegknicken. Ein paar Minuten täglich reichen dabei aus."

Aber auch wer präventiv viel macht, ist nicht vor Verletzungen gefeit, das betont auch Prof. Dr. Krutsch abschließend: "Man kann im Fußball nicht alles vorbeugen. Es ist und bleibt eine Risikosportart fürs Kniegelenk."