Bambergs Christopher Kettler steht nach dem Abbruch durch Schiedsrichter Jürgen Steckermeier das Unverständnis ins Gesicht geschrieben.
Bambergs Christopher Kettler steht nach dem Abbruch durch Schiedsrichter Jürgen Steckermeier das Unverständnis ins Gesicht geschrieben. – Foto: FC Eintracht Bamberg

Gebenbacher Nebel-Chaos: »Klare Wettbewerbsverzerrung«

Auch zwei Nächte nach dem Abbruch des Gipfeltreffens zwischen Gebenbach und Bamberg sind die Gemüter noch erhitzt. Die Wut vom FC Eintracht richtet sich nicht gegen die DJK, sondern gegen Schiedsrichter Jürgen Steckermeier

Am Samstagabend wollte Sascha Dorsch, ansonsten Fußballer durch und durch, nichts mehr wissen von seiner großen Leidenschaft. Zu aufwühlend waren für ihn die Geschehnisse rund um das Gipfeltreffen zwischen der DJK Gebenbach und dem FC Eintracht Bamberg (FuPa berichtete). Und auch mit dem Abstand von zwei Nächten ist der Abteilungsleiter der Domreiter noch emotional, wenn er auf den Abbruch der Partie angesprochen wird. "Das war völlig unnötig und somit ein massiver Eingriff in das Meisterrennen. Egal, was jetzt passiert: Das ist eine klare Wettbewerbsverzerrung."

"Frustration und Verärgerung" - das sind die Gefühle, die am Montag in Bamberg nach wie vor dominieren. Denn die Truppe zeigte im Duell mit Gebenbach erneut, dass sie ohne Zweifel das Zeug dazu hat, in die Regionalliga aufzusteigen. Hack, Kollmer & Co. waren das bessere Team, lagen in Führung und agierten in Überzahl. Klar, der Nebel spielte von Beginn an eine, wenn nicht die große Rolle im mit 1.015 gut gefüllten Stadion am Urspringer Weg. Ein Abbruch war praktisch allgegenwärtig. Viele zweifelten daran, ob die Partie überhaupt hätte angepfiffen werden sollen. Doch es ging irgendwie gut. Bis zur 76. Minute.

Gut 15 Minuten vor Spielende entschied der bis dahin souverän und fehlerfrei agierende Schiedsrichter Jürgen Steckermeier (SV Kläham), der sich auf FuPa-Anfrage nicht zu den Geschehnissen äußern wollte, das Spiel für 30 Minuten zu unterbrechen. Zurecht, weil die Beeinträchtigung durch den Nebel inzwischen einfach zu groß war. Da waren sich alle einig. "Nach dieser Pause war aber die Sicht klar besser. Dennoch hatte der Schiedsrichter nicht mehr den Mut, weiterzuspielen", hadert Dorsch, der an dieser Stelle noch einmal betont, dass Gebenbach den Abbruch keinesfalls provoziert habe, wie zunächst die Runde machte.

DJK-Kapitän Julian Ceesay war es, der am Spielfeldrand den/die Unparteiischen davon überzeugen wollte, das Spiel am Samstagnachmittag noch vollends und somit regelkonform zu beenden. Und das obwohl sein Team auf der Verlierer-Straße war und die Aussichten, das Ding in Unterzahl noch zu drehen, sehr gering waren. "Es hat natürlich sehr viel für Bamberg gesprochen. Aber einen verdienten Sieger hätte ich persönlich ganz gerne nach 90 Minuten ausgemacht. Rückstand und Unterzahl, alles richtig. Aber wir haben gerade in den letzten Partien bewiesen, dass man immer mit uns rechnen muss, auch wenn die Chancen nicht optimal stehen", geht der 33-Jährige auf seine Beweggründe ein.

Die Unterbrechung bezeichnet er aufgrund ihrer Einmaligkeit als "kuriose Situation", aber unabdingbar. "Die erste Halbzeit war soweit in Ordnung. In der zweiten Halbzeit muss man aber schon sagen, dass sich die Bedingungen verschlechtert hatten. Man hatte größere Entfernungen nicht mehr wirklich im Blick."

In der Kabine versuchten die Gebenbacher während der ungewöhnlichen zweiten Pause die Spannung irgendwie hochzuhalten. Gleichzeitig war unter den Spielern wegen der ungewohnten Gegebenheit eine gewisse Nervosität und Anspannung auszumachen. "Und mit dem endgültigen Abbruch war die Ernüchterung dann schon groß", berichtet Ceesay, der auch den Unmut der Bamberger verstehen kann: "Gleichzeitig finde ich es sehr gut, dass von den Bamberger Verantwortlichen ehrlich und fair darüber berichtet wurde, dass wir weiterspielen wollten."

So gestaltete sich die überwiegende Szenerie am späten Samstagnachmittag in Gebenbach.
So gestaltete sich die überwiegende Szenerie am späten Samstagnachmittag in Gebenbach. – Foto: Andreas Roith

Die Frage aller Fragen: Wie geht es nun weiter? Das Gipfeltreffen ist nun, wie vermutet und von Spielleiter Patrick Garbe bestätigt, ein Sportgerichtsfall. Wird es komplett neu angesetzt? Gibt es eine Wertung pro FC Eintracht Bamberg, der beim Abbruch in Führung lag? Oder wird ab Minute 77 weitergespielt? Die Antwort darauf werden die Fußball-Richter in absehbarer Zeit geben.

"Ein Spielabbruch ist immer für alle Seiten ärgerlich, da kann ich auch sehr gut den Unmut eines Teams verstehen, das zu diesem Zeitpunkt führt", erklärt Garbe. "Letztendlich war ich aber beim Spiel nicht anwesend und kann die Lage nur aus der Ferne beurteilen. Außerdem ist das die Sache des Schiedsrichters und ich gehe davon aus, dass diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen wurde."

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Nachtrag am Montag, 14. November, 14:30 Uhr: Inzwischen liegt das Urteil wohl bereits vor. Mehr dazu hier (einfach klicken)

Aufrufe: 014.11.2022, 11:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor