
Nach fünf Jahren Pause kehrte Jan, letzte Saison, erneut an die Seitenlinie des ASV Altenlingen zurück und machte genau dort weiter, wo er einst aufgehört hatte: mit Leidenschaft, System und einer unverkennbaren Handschrift. Gemeinsam mit seinem Trainerteam und einem hochmotivierten Kader schloss er die Saison 2024/25 auf dem historischen 4. Platz ab, die beste Bezirksliga-Platzierung der Vereinsgeschichte. Im FuPa-Interview spricht der Heimkehrer über Prinzipien, Menschen, Bewegungskultur und warum der ASV vielleicht gar nicht von der Landesliga träumen muss, um erfolgreich zu sein.
FuPa: Du bist seit der Saison 2024/2025 wieder Trainer beim ASV Altenlingen und hast die Mannschaft direkt auf Platz 4 geführt. Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Entwicklung?
Jan: Ich widerspreche Dir ungerne, aber nicht ICH habe das Team auf Platz 4 geführt, sondern ich sehe das in der Nachbetrachtung als sehr bemerkenswerte Gemeinschaftsleistung an. Ich darf mich wirklich glücklich schätzen, Teil eines sehr harmonierenden, vierköpfigen Trainer Teams zu sein, das von einem wunderbaren und sehr herzlichen und engagierten Staff um unsere drei Betreuer Norbert Thole, Marion und Günter Walter, unsere Physiotherapeutin Natascha Schnieders sowie unsere Sportliche Leitung in Person von Rainer Wichmann und Max Nie Hoegen unterstützt wird.
Am Ende gebührt die größte Anerkennung aber den Jungs! Sie haben es einfach geschafft, bis zur letzten Minute des 30. Spiels der Saison bei den wirklich tapfer kämpfenden Männern aus Bawinkel den Fuß auf dem Gas gehabt zu haben und schließlich de facto die beste Saison der Vereinsgeschichte zu erzielen. Wir schauen noch immer mit Stolz und großer Zufriedenheit zurück und freuen uns sehr darüber, uns zum ersten Mal in der Altenlingener Fußballgeschichte Stadtmeister nennen zu dürfen, zudem beide Derby`s in einer Saison gegen unseren Lokalrivalen Olympia Laxten gewonnen zu haben und am Ende des Tages mit fantastischen 61 Punkten und Tabellenplatz 4 die beste Platzierung des ASV in der zwölfjährigen Bezirksliga-Zugehörigkeit erreicht zu haben.
FuPa: Du warst bereits von 2014 bis 2019 Trainer beim ASV. Wie hat sich der Verein in deiner Abwesenheit verändert?
Jan: Wenn ich versuche es kurz zu machen, knüpfe ich an die Antwort der ersten Frage an …
Denn die von mir soeben genannten handelnden Personen können nur so „funktionieren“ und performen, weil sie in einem fantastischen Verein ein Höchstmaß an Vertrauen und Wertschätzung entgegengebracht bekommen und auf einer Basis „gesunder“ Visionen und Ziele in Ruhe agieren dürfen.
Wenn Du mich aber jetzt konkret fragst, was der Unterschied zu meiner ersten Zeit von 2014 bis 2019 ist, dann kann das einfach nur sehr vielschichtig beantwortet werden und würde im Anspruch der Vollständigkeit hier den Rahmen sprengen.
In aller Kürze darf man aber sicherlich festhalten, dass die unteren Ligen immer stärker werden, insbesondere durch Spieler, die höherklassige Erfahrungen gemacht haben und mittlerweile in der Bezirksliga unterwegs sind und diese sicherlich qualitativ bereichern. Aber andererseits ist leider auch festzuhalten, dass die zurückliegende Pandemie sicherlich auch dem Amateurfußball geschadet hat, wenn man beispielsweise die Entwicklungen im Jugendfußball sieht. Das Interesse am Fußball, grundsätzlich das Interesse an Bewegung und/oder Vereinssport geht deutlich zurück. Kaum ein Verein kommt mittlerweile noch ohne Jugendspielgemeinschaft aus.

FuPa: Wie kam es dazu, dass du erneut das Traineramt beim ASV übernommen hast?
Jan: Das ist recht schnell und sehr plausibel zu erklären!
Mein Co-Trainer Dennis Kalmer ist daran „Schuld“!
Denn nach dem Abschied von Trainer Sven Niemeyer vergangenen Sommer war eigentlich klar, dass „Kalle“ als Nachfolger den Stab am Wallkamp übernimmt. Die Sportliche Leitung des ASV sah das ebenso und trat auf ihn zu. Kalle hätte sich das auch durchaus zugetraut, hatte aber dennoch primär den Wunsch, dass er in einem Trainer Team – gemeinsam mit mir und Kai Neitzke – derzeit noch besser zur Geltung kommt und die Mannschaft und auch sich noch besser entwickeln kann.
Nach einer Saison kann und darf ich – wie zu Beginn des Interviews bereits erwähnt – nur unterstreichen, dass das Trainer Team mit Dennis Kalmer, Kai Neitzke und Philipp Trautmann einen riesigen Mehrwert für die Mannschaft darstellt. Dennoch muss und möchte ich festhalten, dass Dennis Kalmer ein unfassbar guter und kompletter Trainer ist und sich der ASV sehr glücklich schätzen kann, ein solches Know How in den eigenen Reihen zu wissen.
FuPa: Ihr habt eine starke Hinrunde mit 29 Punkten auf Platz 4 abgeschlossen und in der Rückrunde sogar 32 Punkte geholt, was Platz 2 bedeutet hätte. Was hat euch besonders stark gemacht?
Jan: So wie ich gerade schon angedeutet habe, sind wir ja in dieser Konstellation zwischen Team, Trainer und Staff erst sehr spät zusammengekommen. Wir hatten nicht viel Zeit der Vorbereitung und Kaderplanung. Ein großer Fußball Philosoph 😉 monierte einst, Fußball sei keine Mathematik, aber das trifft es in unserem Fall tatsächlich. Auf die Jungs prasselte innerhalb weniger Tage ein völlig neuer Ansatz von Fußball ein, wir Trainer haben unsere Ideen vorgestellt und versucht, dem Team zu verdeutlichen, was es stark macht und wo wir Trainer die Schwachpunkte sehen. Wir haben der Mannschaft zusätzlich schon auch eine neue Spielidee mit auf den Weg gegeben, haben unsere Vorstellungen im Spiel mit dem Ball und im Spiel gegen den Ball vorgestellt. Damit waren sie fein, das aber dann mit einem Fingerschnipsen von jetzt auf gleich in der Umsetzung auf dem Platz erwarten zu können, wäre unfair den Jungs gegenüber gewesen. Wir haben gemeinsam Leitsätze, Prinzipien und Handlungsweisen entwickelt, diese aber permanent umzusetzen, braucht Zeit und eine hohe Kritikkompetenz. All das – und das zeigt nicht nur das Endergebnis der Saison – hat die Mannschaft bemerkenswert auf den Platz bekommen und sich ein riesiges Lob verdient – und auch bekommen ... 😉
FuPa: Ihr habt euch zur neuen Saison anscheinend mit Fabian Alferink verstärkt. Wenn der Kader so zusammenbleibt, wo siehst du den ASV Altenlingen in der kommenden Spielzeit?
Jan: Fast richtig! Auch da knüpfe ich an die vorangestellte Frage an.
Wir sind sehr zufrieden mit unserem Kader und haben diesen ganz bewusst verkleinert, um in der wöchentlichen Trainingsarbeit noch genauer sein zu können. Wir haben mitunter in der vergangenen Saison im Abschlusstraining ein Abschlussspiel mit elf gegen elf gespielt und mussten zeitgleich einen Torhüter und drei Feldspieler zum Laufen schicken. In diesem Rahmen, mit dieser großen Trainingsgruppe, war es schwer im Detail zu arbeiten und die Jungs insbesondere individuell in einem angemessenen Umfang zu begleiten.
Punktuell war es uns darüber hinaus aber ein Anliegen, im vorderen Bereich noch für ein wenig mehr Breite und Handlungsalternativen zu sorgen. Deswegen sind wir sehr froh darüber, dass Fabian Alferink sich für einen Wechsel zum ASV entschieden hat. Er ist vom Spielerprofil ein total interessanter Typ, der aufgrund seiner Statur unfassbare Wucht mitbringt, dazu aber auf der Erde auch sehr gut in unser Spiel mit dem Ball passen wird.
Zudem haben wir vergangene Woche ganz aktuell noch eine tolle Verstärkung an den Wallkamp locken können. Ich gehe fest davon aus, dass der Social Media Kanal des ASV in Kürze darüber berichten wird …
FuPa: Der ASV geht nun in seine 13. Bezirksliga-Saison. Ist der Verein und auch das Umfeld, aus deiner Sicht bereit für die Landesliga?
Jan: Oh! Cool! Danke für die „Fangfrage“! 😉
Im Ernst: Wir alle sind uns dessen bewusst, dass die vergangene Saison natürlich einerseits Erwartungen und auf der anderen Seite auch Begehrlichkeiten geweckt hat.
Und auch ich werde niemals müde zu betonen, dass der ASV ein unfassbar gut und breit sowie glücklicherweise im Ehrenamt sicher aufgestellter Verein ist und – rein hypothetisch geantwortet – vor keiner Herausforderung davonlaufen würde. Der ASV hat es beispielsweise in jüngster Vergangenheit geschafft, ein Event wie das Sky „Spiel des Lebens“ mit alle dem was dazu gehört, auf die Beine zu stellen und darüber hinaus ein überaus intaktes und vielschichtiges Vereinsleben.
Runtergebrochen und rein sportlich sind wir aber keinesfalls so naiv und geben für die kommende Saison die Landesliga als Ziel aus. Wir tun gut daran, in all unserer Herangehensweise nach wie vor sehr demütig zu sein und wertzuschätzen, dass die Bezirksliga für den ASV eine tolle Liga, mit interessanten Duellen bereithält und es einige Vereine gibt, die letztendlich andere Möglichkeiten haben als wir und noch deutlich eher für einen Aufstieg in die Landesliga in Frage kommen.

FuPa: Du hast bislang nur den ASV Altenlingen und den FC Schapen trainiert. Warum hast du dich auf diese beiden Vereine beschränkt?
Jan: Ich würde die Frage sehr gerne ein wenig anders angehen:
Ich DURFTE bislang „nur“ den ASV und den FC 27 Schapen trainieren!
Zu beiden Vereinen habe ich eine besondere Verbindung. In Schapen war ich selber zunächst lange, nämlich sechseinhalb Jahre Spieler, habe in der Zeit meine Frau dort kennengelernt und dort eine Art „zweite Heimat“ geschenkt bekommen. Als dann im Jahr 2020 die Traineranfrage aus Schapen kam – so ehrlich muss ich sein – habe ich schon intensiv abgewogen, mich am Ende aber überzeugen und nicht überreden lassen.
Auf der anderen Seite ist der ASV mein Heimatverein und für mich einfach etwas ganz Besonderes! Ich durfte hier bereits viele wertvolle Erfahrungen sammeln, Fehler machen, aber auch Erfolge feiern …
Mein „Sandkasten-Kumpel“ Hanjo Vocks und ich haben beim ASV schon gemeinsam in den Minikickern gespielt – Hanjo mehr gegrätscht und ich mehr gespielt 😉 – und kicken hier jetzt gemeinsam in den Alten Herren. Ich durfte anfangs in meiner ersten Saison 2014/15 dort Trainer von meinem Bruder Tim sein, wohne einen Steinwurf vom Stadion am Wallkamp entfernt, meine drei Töchter sind allesamt Mitglied im ASV und dort mit viel Freude aktiv und dass mir die Möglichkeit geboten wird, als „Einheimischer“ das Aushängeschild dieses tollen Vereins leiten zu dürfen, weiß ich sehr zu schätzen und ist Antrieb und Ansporn zugleich.
FuPa: Reizt es dich überhaupt, irgendwann nochmal einen anderen Verein zu übernehmen?
Jan: Kurz und „einfach“ gesagt: Ich habe oder verfolge wirklich keine „Bucket List“!
Es gab in den vergangenen Jahren immer mal wieder unterschiedliche Anfragen und wenn ich ehrlich sein soll, habe ich hier und da schon auch mal gezuckt und mich sehr intensiv mit einigen Anfragen beschäftigt, am Ende aber keine meiner Entscheidungen bereut!

FuPa: Am 17. November 2025 trittst du als Referent beim Netzwerktreffen in Wilsum auf. Wie kam es dazu?
Jan: Das kann ich gar nicht genau beantworten?
Augenscheinlich scheinen sich einige Leute für die Art und Weise, wie wir sie beim ASV angehen, zu interessieren.
Ich selber war Gast beim damalig ersten Netzwerktreffen, weil ich die Veranstaltung mitsamt den angekündigten Beiträgen und Rednern interessant fand. Es war damals für mich ein total gewinnbringender Abend unter Trainerkollegen, mit einem tollen Austausch und interessanten Vorträgen.
Ich empfinde es als absolute Wertschätzung, im November in diesem Kreis in Wilsum über unsere Herangehensweise einen Vortrag halten zu dürfen.
FuPa: Dein Vortrag trägt den Titel „Prinzipien im Fußball - Das Playbook des ASV Altenlingen“. Was genau dürfen wir uns darunter vorstellen?
Jan: Vermutlich wird all das heißer gekocht als gegessen …
Ich hatte vorhin ja mal von unserer Spielidee in Einklang mit der kurzen Vorbereitungszeit gesprochen.
Für uns Trainer bestand die große Challenge darin, einerseits den Jungs innerhalb kürzester Zeit unsere fußballerischen Vorstellungen näher zu bringen und all das sowohl auf dem Platz, aber auch in der Theorie in die Birne zu hämmern. Da haben Kai, Kalle, Philipp und ich im Trainer Team uns gedacht, dass wir die Jungs vielleicht nicht komplett überladen, indem wir ihnen unsere Spielidee visualisieren und – angelehnt an den American Football – in einer Art „ASV Play Book“ individuell für’s „unter’s Kopfkissen“ mit nach Hause geben. Somit verfügt jeder unserer Spieler über eine kleine Lektüre, in der er immer wieder mal blättern kann – vor oder nach dem Training bzw. Spiel.
Für uns Trainer ist dieses Play Book die Grundlage bei der Planung unserer Trainingseinheiten oder – wie jetzt in der Vorbereitung – der Herangehensweise an ein Testspiel. Wir nehmen uns tagesaktuell – je nach „Bedarf“ – immer die Themen heraus, von denen wir meinen, dass sie einen Schwerpunkt verdienen und einen Schwerpunkt im Training oder Vorbereitungsspiel erhalten sollten.
Der Vorteil ist, dass grundsätzlich sowohl die Jungs als auch wir Trainer immer eine roten Faden verfolgen und sehr situativ auf aktuelle Schwächen und Stärken eingehen können.
FuPa: Mit dir treten auch Sascha Geritzen, Michael Kuper, Luca Tankulic, Marius Kleinsorge und Christoph Hemlein auf. Gibt es da auch Austausch untereinander?
Jan: Zum Teil …
Mit Sascha Gerritzen beispielsweise verbindet mich das Team der TuS Lingen Allstars, in dem wir alljährlich beim Lingener Hallenturnier um den Hegger & Krüssel Cup auflaufen dürfen. Zuletzt haben wir da ganz gut abgeliefert und sind mit unsrer „Alt Herren Truppe“ zweimal in Folge im Halbfinale gewesen. Darüber hinaus dürfen wir Anfang Oktober im Team der „Lingen Legends“ gemeinsam gegen die Traditionsmannschaft von Werder Bremen auflaufen. Wir alle sind schon sehr gespannt, ob Ailton, Frings und Klasnic auch dabei sind …
Mit Marius Kleinsorge und Christoph Hemlein durfte ich mich in der abgelaufenen Saison ja noch in der Bezirksliga messen. Sie haben mit ihrer Mannschaft und dieser unfassbaren Qualität in unserer Liga nichts zu suchen und sind sportlich völlig zurecht aufgestiegen. Zumal sich das Team mit Blick auf die neue Saison ja nochmals personell deutlich verstärkt hat. Ich wünsche ihnen viel Erfolg in der Landesliga.
Zu Luka Tankulic und Michael Kuper habe ich keinen Kontakt.
FuPa: Falls du noch irgendwas loswerden möchtest, hier ist deine Gelegenheit.
Jan: Vielen Dank für das nette Gespräch!
Und ein riesiges Dankschön an Euch, dass der Amateurfußball auf dieser Plattform einen so großen Rahmen erhält!
Allen Leserinnen und Lesern eine interessante, spannende und unterhaltsame Saison 2025/26!
Vielen Dank, Jan, für das ausführliche und inspirierende Gespräch. Deine Leidenschaft, dein Blick für das große Ganze und deine bodenständige Art haben deutlich gemacht, warum der ASV Altenlingen in der letzten Saison nicht nur sportlich überzeugt hat.
Wir wünschen dir, deinem Trainerteam und dem gesamten Verein eine erfolgreiche, verletzungsfreie und weiterhin so geschlossene Saison 2025/26, vielleicht ja mit dem nächsten Kapitel Vereinsgeschichte!

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