Christoph Hasselmeier über Michael Griebel (stehen, Mitte): "Er übt seine Rolle als Co-Trainer mit großer Loyalität mir selbst und auch den anderen Trainern gegenüber aus - das ist einfach herausragend."
Christoph Hasselmeier über Michael Griebel (stehen, Mitte): "Er übt seine Rolle als Co-Trainer mit großer Loyalität mir selbst und auch den anderen Trainern gegenüber aus - das ist einfach herausragend." – Foto: Ernst Blank

Michael Griebel - vom C-Klassen-Torwart zum Regionalliga-Trainer

FuPa-Serie über die Co-Trainer der Regionalliga Bayern +++ Teil 5: Michael Griebel, SpVgg Ansbach

Von der Kreisliga (TSV Geslau und TSG Geslau Buch am Wald) über die Landesliga (Feuchtwangen) in die Bayernliga und Regionalliga (SpVgg Ansbach 09): Betrachtet man die bisherigen Trainerstationen von Michael Griebel, fällt dem geneigten Fußballkenner schnell auf, dass es für den heute 51-jährigen Übungsleiter bis dato nur eine Richtung gab - nämlich die nach oben.

"Michael ist jetzt seit zweieinhalb Jahren bei uns und hat sich von Anfang an super integriert", schwärmt Chefcoach und Spielertrainer Christoph "Hasso" Hasselmeier von seinem Co bei den Nullneunern. "Für mich ist er total wichtig als Partner im Trainerteam. Er arbeitet sehr akribisch, ist immer bestens vorbereitet, stets zuverlässig und ausgeglichen. Er nimmt mir sehr viel ab und ich könnte mir fast nicht mehr vorstellen, ohne ihn zu arbeiten."

Dabei fühlt sich Michael Griebel in seiner Rolle als zweiter Mann an der Seitenlinie sichtlich wohl. Zu den Jungs auf dem Platz hat er einen guten Draht und wird vollends akzeptiert, wie Hasselmeier berichtet. "Er war damals meine absolute Wunschlösung und ich bin froh, dass sich das realisieren ließ, weil er ja zuvor nur als Cheftrainer gearbeitet hatte und nun erstmals in der Rolle des Co-Trainers geschlüpft ist."

"Micha", wie er bei den Nullneunern genannt wird, hatte schon sehr bald gefallen am Trainerdasein im Jugendbereich seines Heimatvereins in Geslau gefunden. "Ein Jahr hab ich auch die erste Mannschaft in der C-Klasse damals trainiert", erinnert sich Griebel. "Wir wurden Letzter. Es ging ums Überleben des Vereins und wir haben überlebt und aufgrund der guten Jugendarbeit ist der Verein heute als TSG Geslau seit fast fünf Jahren in der Kreisliga."

Mit knapp 30 Jahren kam er dann zur SpVgg Ansbach in den Jugendbereich und konnte innerhalb von fünf Jahren die U15 von der Bezirksliga in die Bayernliga führen - die letzten beiden Jahre davon mit Christoph Hasselmeier als Teamkapitän. Nach seiner Landesligazeit in Feuchtwangen wollte Michael Griebel eigentlich eine Weile pausieren. "Doch dann rief Hasso an - und seitdem darf ich das, was ich mit Geslau im Kleinen erlebt habe, mit der SpVgg noch mal auf höherer Ebene erleben."

Von welchen Trainer-Kollegen er sich gerne etwas abschaut, welche weiteren Trainer-Ambitionen er hat und wie es für ihn in den nächsten Jahren weitergehen soll, hat er uns im FuPa-Interview verraten:

Michael: Was unterscheidet deiner Meinung nach den Co-Trainer in eurem Verein vom Cheftrainer, außer dass Letztgenannter die spielerische Grundausrichtung vorgibt?

Hasso macht als Headcoach einen Top-Job und gibt nicht nur die spielerische Grundausrichtung vor, sondern hält die Fäden komplett zusammen und engagiert sich in vielen Bereichen gewinnbringend für das Team und den Verein.

Wir - da gehören neben mir Jürgen Paul als weiterer Co-Trainer sowie Steed Ray als Torwarttrainer dazu - unterstützen und supporten Hasso in vielerlei Hinsicht. Was uns Co-Trainer vom Chef-Trainer unterscheidet: Hasso trägt oftmals Fußballschuhe und setzt diese als Spielertrainer auch aktiv im Training ein.

Welche Aufgaben als Co übernimmst Du innerhalb des Trainerteams konkret?

Wir Trainer agieren mit Hasso an der Spitze als Team. Er gibt das Grundgerüst vor, wir stimmen uns regelmäßig zu aktuellen Bereichen ab und sind somit in alle Prozesse eingebunden. Jeder von uns hat dazu noch Themen, die einen größeren Raum einnehmen. Das sind bei mir die Bereiche Gegneranalyse, Matchplanerstellung, der Schnelligkeitsbereich und die Standards.

Siehst Du Deine Aufgabe als Co-Trainer nur als Zwischenstation hin zum Cheftrainer-Posten?

Nein, weil ich bisher „nur“ als Cheftrainer gearbeitet habe und die Position des Co-Trainers für mich aufgrund meines fortgeschrittenen Alters ggf. die Endstation bedeutet (schmunzelt). Im Ernst: Das Anforderungsprofil entsprach aufgrund der Spielertrainertätigkeit von Hasso nicht unbedingt der „typischen“ Rolle eines Co-Trainers und passt gut zu meiner gesamten Situation. Wir verändern und optimieren unsere Zusammenarbeit aber auch immer nach den aktuellen Gegebenheiten.

Ich habe als Cheftrainer und auch als Stützpunkttrainer bereits sehr viel Erfahrungen sammeln können. Ich habe mich ganz bewusst für diese Position entschieden. Mir macht bei den Nullneunern die Zusammenarbeit im Trainerteam, dem Team ums Team und nicht zuletzt mit den Spielern echt Freude.

Als ehemaliger C-Klassen-Torwart bei meinem Heimatverein TSV Geslau, wo sich auch heute noch mein Spielerpass befindet, bin ich durch harte Arbeit als Trainer in einem Bereich angekommen, den ich früher nur als Zuschauer kannte. Dafür, dass ich jetzt im ambitioniert-gehobenen Amateurfußball mitarbeiten kann, bin ich dankbar und sehe dies nicht als selbstverständlich an.

"Wir sind unglaublich froh, dass er bei uns ist", sagt Cheftrainer Christoph Hasselmeier (stehend) über seinen Co Michael Griebel (sitzend, links)
"Wir sind unglaublich froh, dass er bei uns ist", sagt Cheftrainer Christoph Hasselmeier (stehend) über seinen Co Michael Griebel (sitzend, links) – Foto: Mike Megapix

Wie groß sind Deine Einflussmöglichkeiten während eines Spiels? Oder liegt Dein Schwerpunkt ohnehin eher auf der täglichen Arbeit zwischen den Partien?

Auch hier arbeiten wir eng zusammen. Hasso übernimmt den Part des aktiven Coachings - wir geben aus der zweiten Reihe Impulse und besprechen gemeinsam zu Beginn der Halbzeit die weiteren Schritte. Die Vor- und Nachbetrachtung findet dann wieder im Team statt.

Wie empfindest Du die Wahrnehmung der Co-Trainer in der Öffentlichkeit? Als stets im Schatten des Cheftrainers? Wird die Arbeit der Co-Trainer öffentlich so honoriert, wie sie's verdient hätten?

Bei uns ist es bewusst so, dass Hasso in der Regel die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt und somit im Mittelpunkt steht. Er macht das sehr gut und trägt auch die Gesamtverantwortung. Ich denke, wir werden schon auch in der Öffentlichkeit als gutes Trainerteam wahrgenommen.

Was würdest Du sagen: Bist Du bei Deinem aktuellen Verein aufgrund Deines Cheftrainers gelandet bzw. derzeit aktiv? Oder wärst du auch unabhängig von ihm dort?

Ja, Hasso hat einen sehr großen Anteil daran, dass ich hier bin. Wir waren vor gut 15 Jahren bei der SpVgg-Jugend: Ich als sein Trainer und er als Kapitän mein verlängerter Arm auf dem Platz. Wir waren gemeinsam erfolgreich und haben damals bereits gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge funken. Wir haben danach unterschiedliche Herausforderungen gemeistert und uns nie aus den Augen verloren. Somit schließt sich nun der Kreis - und ich bin sein verlängerter Arm. Feststeht: Wir alle vom Trainerteam haben als ehemalige Spieler oder Jugend-Trainer eine sehr große Affinität zu den Nullneunern.

Welches (Co-)Trainer-Vorbild hast Du?

Mir hat ein guter Freund mal geraten, man kann sich von vielen etwas Positives abschauen. So verfahre auch ich und habe nicht unbedingt eine einzelne Person als Vorbild. Es ist eher eine Reihe von Trainern, von denen ich mir gern etwas abschaue bzw. übernehme. Bei mir sind das unter anderem Christian Streich, Pep Guardiola, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann.

Wie schaut Dein weiterer Weg aus binnen der nächsten fünf Jahre?

Das lässt sich im Fußball - genauso wie im Leben - nicht immer vorhersehen. Ob ich in fünf Jahren noch als Trainer auf dem Platz stehe, kann ich im Moment nicht sagen. Wenn ich es mir wünschen darf, werde ich dem Fußball bei guter Gesundheit in irgendeiner Form solange es geht, erhalten bleiben.

Der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten - und ich bin dankbar, durch diesen Sport so viele tolle Menschen kennengelernt und auch fürs Leben gelernt zu haben. Besondere Freude macht es mir, jetzt Spieler bzw. junge Trainer zu erleben, die ich eine Zeit als Jugend- oder Stützpunkttrainer begleitet habe. Diese Entwicklungen mitzubekommen ist echt toll.

Ich wünsche und hoffe sehr, dass sich gerade im Jugendfußball wieder mehr Ehrenamtliche finden, denn ich konnte so vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen etwas mitgeben - und habe ganz viel zurückbekommen.

Nun freue ich mich erstmal auf die Restsaison und bin überzeugt davon, dass wir mit unseren tollen Fans im Rücken den Klassenerhalt schaffen werden.

Dafür wünschen wir weiterhin alles Gute!

Aufrufe: 026.1.2023, 06:00 Uhr
Stephan HörhammerAutor