Nach den wichtigen Siegen am 12. Spieltag wussten Hofs Hendrik Geiler (links) und Christian Kuhn vom 1. FC Geesdorf nicht wohin mit der Freude.
Nach den wichtigen Siegen am 12. Spieltag wussten Hofs Hendrik Geiler (links) und Christian Kuhn vom 1. FC Geesdorf nicht wohin mit der Freude. – Foto: Fotos: Mario Wiedel/Hans Will - Montage: Helmut Weigerstorfer

Aufstand der Kellerkinder - oder: Huhu, wir leben noch!

Die Tabellen-Schlusslichter Hof und Geesdorf setzen am vergangenen Wochenende sportliche Ausrufezeichen, die ihnen keiner zugetraut hätte.

Totgesagt leben länger – dieser Ausdruck wird im Fußball immer dann verwendet, wenn eigentlich abgeschriebene Mannschaften plötzlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen. In der Bayernliga Nord war das am vergangenen Wochenende gleich zweimal der Fall: Die SpVgg Bayern Hof und der 1. FC Geesdorf, ihres Zeichen Vorletzter und Letzter der Tabelle, holten Siege, die jeweils für sich eine Erwähnung wert sind...

Was ist nicht alles gesagt und geschrieben worden über die SpVgg Bayern Hof. Der oberfränkische Traditionsverein war in den Augen vieler bereits Landesligist, oder - im übertriebensten Fall - abgemeldet. Das Team um Kapitän Tom Feulner zog den Karren aber mit eigenen Händen aus dem Dreck. Vor einer Woche erlöste man sich mit dem 1. Sieg der Spielzeit gegen den TSV Großbardorf bereits selbst. Diese Woche bestätigten die Hofer Bayern dann, dass dieser Dreier keine Eintagsfliege war.

Am 12. Spieltag bremste die Truppe von Interimstrainer Mikheil Sajaia die DJK Ammerthal aus und ließ sich selbst von einem doppelten Rückstand und dem zwischenzeitlichen Ausgleich nach einer Aufholjagd nicht aus der Bahn werfen. Besonders in Erscheinung trat dabei der Torschütze zum 4:3-Endstand kurz vor Schluss: Yannick Frey, der übrigens bereits gegen die Grabfeld-Gallier getroffen hatte.

"Es ist natürlich schön, wenn einem in der 90. Minute einer zum Sieg über den Schlappen rutscht", freut sich der 21-jährige Matchwinner. Ganz Teamplayer schiebt er aber sogleich hinterher: "Wir haben uns alle für eine richtig gute Leistung belohnt. Und das, obwohl wir denkbar schlecht gestartet sind." Frey merkte allerdings zu jeder Phase, "dass was drin ist". Und genau das stimmt ihn zuversichtlich, was die Zukunft betrifft. Selbst, wenn noch so viel gesagt und geschrieben wird über die SpVgg Bayern Hof...

Zwei Spiele, zwei Tore - Yannick Frey (rechts) zeigte sich zuletzt in hervorragender Form.
Zwei Spiele, zwei Tore - Yannick Frey (rechts) zeigte sich zuletzt in hervorragender Form. – Foto: Mario Wiedel

Der Aufstieg in die Bayernliga an sich war bereits eine Sensation. In der Folge war jedem, wirklich jedem, klar, dass alles andere als eine Saison, in der es einzig und alleine ums Überleben gehen wird, einem Weltwunder gleichkommen würde. Dass also Geesdorf holprig in die Spielzeiten starten wird, ist keine Überraschung. Und dennoch hatte man fast schon Mitleid, als die Unterfranken nach elf Spieltagen immer noch ohne Sieg da standen.

Im Rahmen der 12. Runde war es dann endlich soweit. Fischer, Lorenz & Co. konnten den ersten Dreier einfahren, gleichzeitig der erste dreifache Erfolg in der Vereinsgeschichte in der 5. Liga. "Nach dem Schlusspfiff mussten wir alle erst einmal in uns gehen, es war ziemlich ruhig. Erst mit etwas Abstand konnten wir uns freuen", blickt FC-Spielertrainer Jannik Feidel auf die Mischung aus Erlösung und Erleichterung, die sich nach dem erfolgreichen Spiel gegen den SSV Jahn Regensburg II breit machte, zurück.

Große Party war deshalb aber nicht angesagt beim Verein aus dem Landkreis Kitzingen. "Uns ist allen ein Stein vom Herzen gefallen, klar. Aber wir wissen auch, dass wir praktisch noch nichts erreicht haben." Die Entwicklung in den vergangenen Wochen hätte gestimmt, man hätte sich - Ausnahme: Gebenbach - gut verkauft. Irgendwann wären ihm als Trainer, das weiß der 26-Jährige, aber die Argumente ausgegangen - "immerhin definiert man sich als Sportler über Ergebnisse". Vor allem deshalb sei der Sieg "gerade für die jüngeren Spieler enorm wichtig." Geesdorf ist also bereit für die nächsten Sensationen - oder gleich für das Weltwunder?

Der einzige Spielertrainer in der Bayernliga Nord: Geesdorfs Jannik Feidel.
Der einzige Spielertrainer in der Bayernliga Nord: Geesdorfs Jannik Feidel. – Foto: Hans Will

Aufrufe: 020.9.2022, 09:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor