2024-02-28T09:51:25.667Z

Interview
Trainer Albert Sejdiu verabschiedete sich nach nur wenigen Monaten vom FC Rieden.
Trainer Albert Sejdiu verabschiedete sich nach nur wenigen Monaten vom FC Rieden. – Foto: Richard Weigert

Albert Sejdiu: »Der ganze Körper kribbelt...«

Der Ex-Trainer des FC Rieden spricht über die Zeit beim Bezirksligisten, seinen Abschied und seine Zukunftspläne

Erst im Sommer hatten Albert Sejdiu und „Co“ Benjamin Kruppa (beide 31) den Bezirksligisten 1.FC Rieden übernommen. Der Saisonstart misslang und so fand man sich alsbald im Abstiegskampf der Bezirksliga Nord wieder. Dennoch kam der Abschied der beiden Trainer Anfang Oktober sehr überraschend für alle. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff des Heimspiels gegen Schwarzhofen (4:5) verkündeten Sejdiu und Kruppa ihren sofortigen Rücktritt. Inzwischen hat sich die Mannschaft von Wortführer Patrick Hosch stabilisiert und den Anschluss an die Nichtabstiegszone wiederhergestellt. Im Interview erläutert Sejdiu nun, warum er seine Entscheidung rückblickend nicht bereut. Außerdem skizziert der Amberger seine Pläne für die kommende Zeit.

Hallo Albert, der Rücktritt von Deinem Trainerpartner Benjamin Kruppa und Dir beim 1.FC Rieden wurde mit viel Wehmut begleitet. Mit der Mannschaft sei eine enge Bindung entstanden, hattest Du nach der Trennung verlauten lassen. Bereust Du die Entscheidung rückblickend?
Albert Sejdiu (31): Das Quäntchen Glück ist beim FC Rieden aktuell da, das Momentum ist zurückgekehrt. Dass das so eintritt war unser Wunsch, weil die Spieler und der Verein das in unseren Augen verdient haben. Und das ist der entscheidende Faktor zu sagen, dass es der richtige Schritt gewesen ist. Deswegen bereue ich nichts. Nun schaue ich nach vorne auf den weiteren Weg.


Euer Abschied von den Vilstalern kam plötzlich und unerwartet...
Der Entschluss ging von Benny und mit aus. Der Verein war geschockt; mit den Spielern stehe ich nach wie vor in Kontakt. Es passierte alles im Guten. Aber: Wer mich privat kennt, der weiß, ich kann nur 100 oder 0. Ich bin sehr ambitioniert und akribisch, möchte Arbeit mit hundert Prozent und mehr angehen. Dabei steht aber ganz klar der Erfolg der Mannschaft im Vordergrund. Und weil die Ergebnisse ausblieben, ist es zu der Trennung gekommen. Ich sah mich in der Verantwortung, für den Verein und die Spieler alles zu tun. Da gilt es, das eigene Ego zurückzustellen. Bei meinem Abschied war ich der Ansicht, dass es der Mannschaft gut tun würde. Und die positiven Resultate sind ja auch irgendwo zurückgekehrt – die Nichtabstiegsplätze sind in Reichweite.


Weshalb blieben unter Deiner Regie die Ergebnisse aus?
Ich sehe mehr Potenzial in der Riedener Mannschaft, habe uns zumindest vor sechs, sieben anderen Mannschaften gesehen. Im Fußball kommt es oft auf Kleinigkeiten an. Die Hälfte der Spiele haben wir mit nur einem Tor Unterschied verloren. Da waren Tore in den Knick oder eine direkt verwandelte Ecke im Spiel gegen Schwarzhofen dabei. Das sind Kleinigkeiten, wo ich sage: „Das gibt's doch gar nicht“. Ich habe das Haar in der Suppe gesucht und nicht gefunden. Schlussendlich war eben ich das Puzzleteil, das ausgetauscht werden musste.


Wie behältst Du die Zeit in Rieden in Erinnerung?
Beim FC arbeiten super Leute, die alles für den Verein tun. Der Verein ist unglaublich engagiert und weist tolle Bedingungen vor. Das fand ich wahnsinnig positiv und spannend, weil man ein solches Engagement heutzutage nicht mehr so gewohnt ist. Das war in Rieden anders. Dort haben wir 24/7 Fußball gelebt und gearbeitet. Die Trennung war schade, weil es viel Spaß gemacht hat. Natürlich wünsche ich dem FC Rieden alles Gute für die Zukunft.


Wie hast Du die letzten Wochen in fußballerischer Hinsicht verbracht?
Ich habe mir nach zig Jahren mal wieder eine Auszeit im Oktober und November genommen, die Zeit mit Frau und Kind genossen. Aber natürlich kribbelt es. Zuletzt habe ich mir einige Spiele in der Bayern, Landes- und Bezirksliga angeschaut. Es ist ja normal, dass der ganze Körper kribbelt, weil es einfach Spaß macht und man früher oder später ins Trainerdasein zurückkehren möchte.


Wie sieht Dein Plan aus?
Lose Gespräche mit Vereinen haben bereits stattgefunden, wo ein mögliches Interesse von beiden Seiten abgeklappert wurde. Allerdings möchte ich erst ab Sommer 2024 wieder eine Mannschaft trainieren. Jetzt nach dem Winter noch nicht, weil in dieser Kurzfristigkeit auch Probleme entstehen können. Wenn etwas ganz Verrücktes im Winter passiert, soll man natürlich niemals nie sagen. Stand jetzt kommt aber nichts in Frage. Zusätzlich bin ich weiterhin Stützpunktrainer in Amberg, eine spannende Aufgabe. Und sollte es klappen, möchte ich im kommenden Frühjahr die ein oder andere Hospitation in Nachwuchsleistungszentren angehen.


Das Interview führte Florian Würthele.

Aufrufe: 021.11.2023, 12:00 Uhr
Florian WürtheleAutor