2024-07-17T10:40:36.325Z

Allgemeines
Bisher hatte ich keinen Vertrag. Jetzt habe ich das erste Mal seit Jahren so einen weißen Zettel unterschrieben. „Der FCU ist einfach eine Herzensangelegenheit für mich“, sagt Trainer Adreas Faber. Wir schauen nicht, wie viele Bayernligaspiele einer hat. Das ist wahrscheinlich auch nicht unsere Preisklasse. Also müssen wir kreativ sein. Die Erwartungen steigen vielleicht von außen oder von den Jungs selber an sich, wir machen weiter mit unseren gesetzten Zielen.
Bisher hatte ich keinen Vertrag. Jetzt habe ich das erste Mal seit Jahren so einen weißen Zettel unterschrieben. „Der FCU ist einfach eine Herzensangelegenheit für mich“, sagt Trainer Adreas Faber. Wir schauen nicht, wie viele Bayernligaspiele einer hat. Das ist wahrscheinlich auch nicht unsere Preisklasse. Also müssen wir kreativ sein. Die Erwartungen steigen vielleicht von außen oder von den Jungs selber an sich, wir machen weiter mit unseren gesetzten Zielen. – Foto: Dieter Michalek/Archiv

Trainer Andreas Faber verlängert in Unterföhring: „Ich traue den Jungs mittlerweile alles zu“

Die Familie Faber hat ein Baugrundstück in Unterföhring gefunden und bleibt langfristig im Ort. Deshalb war die Verlängerung von Andreas Faber als Trainer des Fußball-Landesligisten FC Unterföhring auch nur noch eine Formsache. Im Interview spricht der 35-Jährige über seinen Verein und seine Visionen mit einer den Fans viel Spaß machenden Mannschaft.

Herr Faber, was für ein freudiges Ereignis war für Sie die erste Vertragsverlängerung?

Natürlich habe ich mich gefreut, dass der Verein auf mich zukam. Wer ist nicht gerne bei seinem Heimatverein Trainer, wenn man selbst nicht mehr spielen kann?

„Bisher hatte ich keinen Vertrag. Jetzt habe ich das erste Mal seit Jahren so einen weißen Zettel unterschrieben.“

Andreas Faber

Wie lange haben Sie verlängert?

Bis Sommer 2025. Bisher hatte ich keinen Vertrag. Jetzt habe ich das erste Mal seit Jahren so einen weißen Zettel unterschrieben. Beim FC Unterföhring und mir sind Verträge nicht wichtig, da wir ein großes Vertrauensverhältnis haben und es hier auch nicht um meinen Hauptberuf geht.

Wie wäre es, sich als Bayernliga-Aufsteiger zu verabschieden?

Das wäre natürlich brutal geil, aber irgendwie auch sehr weit weg. Aber ich denke, dann würde ich mich womöglich nicht als Trainer verabschieden.

Ihr Trainerstart war sehr schwierig im Abstiegskampf und die Entwicklung traumhaft.

Wir hatten bei meiner Übernahme zur Rückrunde 2022/23 eine gestandene Mannschaft, die vorne hätte mitspielen müssen und kurz vor den Abstiegsplätzen stand. Das hätte natürlich auch in die Hose gehen können. Dann wäre ich als Trainer wohl verbrannt gewesen, bevor es überhaupt richtig losging. Das Risiko war mir bewusst. Aber am Ende ist der FCU einfach eine Herzensangelegenheit und mehr als einfach nur ein Verein für mich. In dieser Saison war es einfacher, weil keiner etwas von uns erwartet hat, im Gegenteil. Wir konnten also druckfrei arbeiten und haben mit einer jungen, hungrigen Mannschaft eine super Runde gespielt.

Von den Gegnern wurden Sie als potenzieller Absteiger betrachtet. Wie ist das Gefühl?

Das kann schon sein. Die Gegner haben dann ja gesehen, was wir können. Ich habe mal in einem Bericht gelesen, dass wir die schlechteste Mannschaft der Liga sind. Sowas ist natürlich super, dann spar ich mir die Motivationsrede im Rückspiel und hänge einfach den Bericht an die Kabinentür.

„Wir schauen nicht, wie viele Bayernligaspiele einer hat. Das ist wahrscheinlich auch nicht unsere Preisklasse. Also müssen wir kreativ sein.“

Andreas Faber

Sie haben nahezu ohne Finanzmittel eine Mannschaft formen müssen. Wie findet man die Spieler und wie bringt man die auf Landesliga-Niveau?

Natürlich war viel Arbeit und ein Quäntchen Glück dabei die Spieler zu finden. Aber wir schauen auch sehr genau hin. Wir schauen nicht, wie viele Bayernligaspiele einer hat. Das ist wahrscheinlich auch nicht unsere Preisklasse. Also müssen wir kreativ sein. Die Entwicklung der Spieler ist dann unsere Aufgabe, vor allem aber aus einem Haufen Einzelspielern eine homogene Truppe zu formen. Dazu gehört auch viel Körperlichkeit in dieser Liga. Das, was noch nicht so gut ist, wollen wir verbessern und die Dinge, die gut sind, sollen sich die Jungs behalten und für uns bestmöglich nutzen.

„Die Erwartungen steigen vielleicht von außen oder von den Jungs selber an sich, wir machen weiter mit unseren gesetzten Zielen.“

Andreas Faber

Ist es nun mit steigenden Erwartungen schwieriger?

Die Erwartungen steigen vielleicht von außen oder von den Jungs selber an sich, wir machen weiter mit unseren gesetzten Zielen und der Entwicklung dieser Mannschaft.

Welche Erwartung haben Sie für den nächsten Schritt der Mannschaft?

Wir müssen noch abgezockter werden und mehr Killerinstinkt haben. Im letzten Heimspiel gegen Hallbergmoos haben wir 2:0 geführt und 2:3 verloren. So ein Spiel muss man durch die Tür bringen. Man muss also lernen, in den entscheidenden Momenten die richtigen Dinge zu tun, da hast du von außen aus meiner Sicht nur noch wenig Einfluss.

Trauen Sie dem Team die Entwicklung von der Überraschungs- zur Spitzenmannschaft zu?

Wir wollen uns in der zweiten Saisonhälfte taktisch weiterentwickeln, noch flexibler in unserer Spielweise werden und noch mehr aus den Talenten der Jungs rauszuholen. Ich traue den Jungs mittlerweile alles zu.

Den Bayernligaspieler mit 500 Einsätzen werden Sie sich nicht leisten können. Was passiert im nächsten Sommer?

Den wollen wir nicht und brauchen ihn nicht. Ich freue mich, dass 80 Prozent des Kaders fix für die nächste Saison unterschrieben haben. Ich muss nicht 15 Spieler holen, sondern fünf. Wir werden uns also wenn überhaupt im Rahmen unserer Budgets punktuell verstärken auf nicht optimal besetzten oder gar nicht besetzten Positionen.

Sehen wir den FC Unterföhring irgendwann wieder in der Bayernliga?

Hoffentlich, warum nicht?

(Das Gespräch führte Nico Bauer.)

Aufrufe: 023.1.2024, 15:43 Uhr
Nico BauerAutor