Grafenwöhrs Ersatztorwart Luca Wittmann führte die SV zum Sieg im Kreispokal.
Grafenwöhrs Ersatztorwart Luca Wittmann führte die SV zum Sieg im Kreispokal. – Foto: Dagmar Nachtigall

Luca Wittmann: Erst Depp, dann Held

Über den Kreispokalsieg ist Grafenwöhrs Ersatztorwart immer noch „geflasht“. Dabei missglückte Wittmanns Kaltstart ins Match.

Der Pokal schreibt seine eigenen Gesetze. Eine fast schon überstrapazierte Binsenweisheit, die sich aber doch immer wieder bewahrheitet. So auch im Finale des Toto-Pokal-Wettbewerbs im Fußballkreis Amberg/Weiden zwischen dem SV Etzenricht und dem SV TuS/DJK Grafenwöhr (2:4 n.E.) am vergangenen Wochenende. In der Hauptrolle: Grafenwöhrs Ersatztorwart Luca Wittmann, der vom Unglücksraben zum Pokalheld avancierte.

Dabei begann der Nachmittag für den 23 Jahre alten Schlussmann, der unlängst aufgrund einer Kreuzband-Verletzung über neun Monate aussetzen musste, eigentlich recht entspannt. Denn zunächst nahm er auf der Ersatzbank Platz. Als Grafenwöhrs Torwart René Wächter aber in der 65. Spielminute – die Gäste lagen zu diesem Zeitpunkt mit 0:1 in Rückstand – nach einer Notbremse von Schiedsrichter Andreas Stolorz vom Platz gestellt wurde, musste er doch ran.

Unglücklicher Kaltstart

„Natürlich muss man als Ersatzkeeper immer damit rechnen, dass etwas passiert und man zum Einsatz kommt. Ich habe mich dann nur schnell angezogen, Zeit zum Aufwärmen gab es nicht wirklich. Es musste sehr schnell gehen, schließlich sollte das Spiel ohne große Unterbrechung wieder angepfiffen werden“, erzählt Wittmann.

Sein „Kaltstart“ ins Match verlief dann auch unglücklich. Etzenrichts Stephan Herrmann zirkelte den auf das Wächter-Foul folgenden Freistoß aus halbrechter Position aufs Tor, der Schuss titschte etwa auf Höhe des Fünfmeterraums auf und sprang so unglücklich ab, dass Wittmann der Ball durch die Finger und von dort aus ins Tor flutschte. „Der Treffer ging ganz klar auf meine Kappe. Das war ein ziemlicher Patzer, da gibt es nichts zu beschönigen“, sagt Wittmann.

Sensationelles Comeback

0:2-Rückstand, ein Mann weniger auf dem Platz, nur noch rund 25 Minuten auf der Uhr – nicht viele der rund 200 Zuschauer glaubten zu diesem Zeitpunkt noch an ein Comeback der Grafenwöhrer. Doch sie sollten sich irren: Zunächst verkürzte Johannes Renner in der 73. Spielminute nach einem schnell ausgeführten Eckball mit einem traumhaften Schlenzer auf 1:2, ehe in der vierten Minute der Nachspielzeit Patryk Bytomski eine scharfe Hereingabe von Henri Schwemmer, der zuvor von Wittmann per perfekt getimten Flugball in Szene gesetzt worden war, aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Der Ausgleich.

Abpfiff, großer Jubel, die Entscheidung musste vom Punkt fallen. Das Momentum lag nun aufseiten der Gäste aus Grafenwöhr, allerdings setze Kapitän Johannes Renner gleich den ersten Elfmeter an den Pfosten. Doch dann schlug die große Stunde von Luca Wittmann – denn dem SV Etzenricht gelang es bei vier Versuchen nicht ein einziges Mal, den 23-Jährigen zu überwinden. Drei Mal fuhr Wittmann reaktionsschnell die Pranke aus, Johannes Pötzl setzte seinen Schuss zudem über das Tor.

Wittmann: „Ein geiles Gefühl!“

Nach der entscheidenden Parade stürmten die Mitspieler auf Wittmann zu, eine riesengroße Jubeltraube. „Das war schon ein geiles Gefühl, als Pokalheld gefeiert zu werden. Ich bin immer noch geflasht! Doch den Titel haben wir alle zusammen als Team gewonnen. Das war nicht nur ich allein, zumal im Elfmeterschießen der Faktor Glück eine große Rolle spielt“, sagt Wittmann, der sich selbst nicht als „Elfmeterkiller“ bezeichnet: „Ich hatte zwar beim Elfmeterschießen ein ganz gutes Gefühl, aber am Ende ist es bei jedem Schuss eine 50:50-Entscheidung.“

Neben diesem guten Gefühl profitierte Wittmann allerdings auch von seiner Vergangenheit, schließlich stand er vor seinem Wechsel nach Grafenwöhr einige Jahre beim SV Etzenricht zwischen den Pfosten. „Bei zwei Schützen wusste ich ganz genau, in welche Ecke sie schießen werden, schließlich waren das zwei ehemalige Teamkollegen von mir. Das war schon ein großer Vorteil“, sagt Wittmann, der aber auch im Moment seines bislang größten sportlichen Erfolgs an den unterlegenen Gegner dachte: „Für den SV Etzenricht tut es mir schon auch leid, schließlich verbinde ich viele schöne Erinnerungen mit dem Klub. Da war es schon nicht so einfach, die enttäuschten Gesichter zu sehen.“

Pokal-Highlight gegen Bayreuth?

Luca Wittmann ist – bei aller eigener Bescheidenheit – der Pokalheld des SV TuS/DJK Grafenwöhr, der sich mit seinem Team durch den Kreispokal-Sieg neben einer stattlichen Prämie von BFV-Partner LOTTO Bayern auch die Teilnahme an der 1. BFV-Hauptrunde im Toto-Pokal-Wettbewerb auf Verbandsebene inklusive der Chance auf ein Heimspiel gegen einen namhaften bayerischen Klub gesichert hat.

Einen Wunschgegner, den sich die 22 bayerischen Kreissieger bei der Auslosung der 1. BFV-Hauptrunde gemäß einer ausgelosten Reihenfolge aussuchen können, hat Wittmann auch schon im Blick: „Ich würde mich über ein Heimspiel gegen die SpVgg Bayreuth, die aktuell ja kurz vor dem Aufstieg in die 3. Liga steht, freuen. Bayreuth liegt nur gut 45 Kilometer von Grafenwöhr entfernt – das wäre sicherlich ein großes Highlight für die Region!“

Aufrufe: 05.5.2022, 11:50 Uhr
BFV PresseAutor