Der TSV Karlburg gehört seit drei Jahren bzw. zwei Spielzeiten vom Feld der Bayernligisten.
Der TSV Karlburg gehört seit drei Jahren bzw. zwei Spielzeiten vom Feld der Bayernligisten. – Foto: Mario Wiedel

TSV Karlburg: »Froh, dass wir kleiner gemacht werden als wir sind«

Nachholspiele in der Bayernliga Nord - Dienstag/Mittwoch: Karlburg gefällt sich in der Rolle des Underdogs und geht davon aus, in die Relegation zu müssen +++ Topspiel Erlangen vs. Bamberg +++

Auch rund um die Nachholspiele der Bayernliga Nord an diesem Dienstag und Mittwoch wäre es wieder so: Wenn es darum geht, den Fokus auf ein oder zwei Spiele zu legen, drängeln sich regelmäßig viele Mannschaften bzw. Partien in den Vordergrund. So duellieren sich in diesen Tagen u.a. die beiden Topteams Erlangen und Eintracht Bamberg, was natürlich eine Erwähnung wert wäre. Auch die anderen Meisterfavoriten, Ansbach und Vilzing, sind im Einsatz. Ein Verein, der im Gegensatz zu diesen oft genannten Clubs immer etwas unter dem Radar des medialen Interesses fliegt, ist der TSV Karlburg.

Angesprochen darauf, ist Coach Markus Köhler angesichts der Dauer-Underdog-Rolle seiner Truppe gar nicht einmal so unzufrieden. "Wir sind froh, dass wir kleiner gemacht werden als wir sind. Wir müssen nicht im Mittelpunkt stehen. Die Spieler sind sehr bescheiden, der Verein sehr familiär. Und genau das ist unser großer Vorteil." In Karlburg wisse man, wer man sei, wo man herkomme und was möglich sei. Diese realistische Einschätzung sorgt für Ruhe im Umfeld. Und dafür, dass Siege - jeder für sich eigentlich eine Überraschung - doch häufiger vorkommen als erwartet. Immerhin könne man sich auf die eigenen Stärken konzentrieren - und werde nicht von überbordender Erwartungshaltung abgelenkt.

In der Spielzeit vor dem Aufstieg in die Bayernliga im Jahr 2019 retteten sich die Unterfranken mit Ach und Krach in der Relegation vor dem Fall in die Bezirksliga. Nur ein Jahr später ging es in die andere Richtung. "Das war eine wahnsinnige Leistung", blickt Markus Köhler zurück. "Wir waren jetzt nicht der überragende Meister mit vielen Punkten Vorsprung. Bei uns war es eine knappe Kiste. Und deshalb war hier allen klar, dass es in der Bayernliga sehr, sehr schwierig werden wird."

Im Gegensatz zu vielen anderen Ligakonkurrenten kann der TSV Karlburg nur bedingt auf höherklassig geschulte Spieler zurückgreifen. Typisch Dorfverein ist die aktuelle Mannschaft gemeinsam an den immer größer werdenden Aufgaben gewachsen. Nur einige Ausnahmen können auf Erfahrungen auf Verbandsebene zurückblicken. "Viele Kadermitglieder sind auf Kreisebene ausgebildet worden. Sie haben sich erst im Herrenbereich derart weiterentwickelt, dass sie in der Bayernliga mithalten können", berichtet Köhler. "Für jeden ist die 5. Liga aufgrund dessen ein absolutes Highlight. Jedes Spiel. Auch nach drei Jahren bzw. zwei Spielzeiten."

Ein Trainer mit großem Realitätssinn: Karlburgs Markus Köhler.
Ein Trainer mit großem Realitätssinn: Karlburgs Markus Köhler. – Foto: Sportfoto Zink / Gold

Die Unterfranken haben es geschafft, sich freizuschwimmen, als unangenehmer Gegner zu gelten – und nicht als Punktelieferant. Der TSV erzielt wenige Tore, kassiert aber auch nur wenige Gegentreffer. Elf der bisher 30 Spiele endeten Unentschieden – darunter viele 1:1 oder 0:0. Es stehen die meisten Remis der Kellerkinder in der Zwischenbilanz, aber auch die wenigsten Niederlagen. "Natürlich setzen wir auf eine kompakte Defensive", macht der Trainer deutlich. Er ist aber darüber hinaus Fan davon, wenn die Kugel in den eigenen Reihen läuft: "Wir wollen auch viele Ballbesitzphasen. Manchmal zu viele, sodass wir es verpassen, den Abschluss zu suchen."

Von einer destruktiven Vorgehensweise, von Anti-Fußball will Markus Köhler deshalb nichts wissen. Denn diese Art und Weise wäre auf dem großen Spielfeld erst gar nicht angebracht, wie er erklärt: "Ein Underdog mit der für ihn typischen Spielweise bräuchte einen kleinen Platz. Wir würden uns also ins eigene Fleisch schneiden, wenn wir nur aufs Zerstören aus sind." Die harmlose Offensive sei vielmehr Folge von oft fehlendem Spielglück. "Und man darf auch nicht vergessen, dass unsere Stürmer noch sehr jung sind."

Egal, ob jung oder alt – beim TSV Karlburg eint alle der große Realitätssinn. Markus Köhler ist Meister auf diesem Gebiet. So verwundert seine Einschätzung der aktuellen Tabellensituation nur wenig. "Die Stärke von Cham ist unser Nachteil. Unsere Chancen auf einen Nichtabstiegsplatz sind nicht mehr die größten." Man gehe davon aus, in die Relegation zu müssen. "Und in welcher Spielklasse wir dann landen, ist offen. Fest steht hingegen: Wir müssen und werden alles akzeptieren."

Die Nachholspiele am Dienstag...

Vatan Spor
2:0
TSV Karlburg

SC Feucht
0:2
DJK Vilzing

Seligenport.
2:1
ASV Cham

ATSV Erlang.
3:2
FCE Bamberg

...und am Mittwoch:

1. FC Sand
0:1
Gebenbach

Bayern Hof
1:2
Ansbach

Aufrufe: 02.5.2022, 19:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor