2024-02-23T08:22:50.674Z

Interview
"Mein weiterer Weg hängt aber sicherlich auch mit Jochen zusammen. So lange er bei der Viktoria ist, kann ich mir eine Beschäftigung hier sehr gut vorstellen", sagt Co-Trainer Gerry Mai (Mitte, stehend, Hände in den Taschen) über seine Zukunftspläne.
"Mein weiterer Weg hängt aber sicherlich auch mit Jochen zusammen. So lange er bei der Viktoria ist, kann ich mir eine Beschäftigung hier sehr gut vorstellen", sagt Co-Trainer Gerry Mai (Mitte, stehend, Hände in den Taschen) über seine Zukunftspläne. – Foto: Simon Tschannerl

Seitz über Mai: »Er weiß immer, wann er zünden muss«

FuPa-Serie über die Co-Trainer der Regionalliga Bayern +++ Teil 8: Gerry Mai, Viktoria Aschaffenburg

"Gerry ist sehr loyal, hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, weshalb er auch bei den Jungs sehr gut ankommt", beschreibt Viktoria-Chefcoach Jochen Seitz seinen Co-Trainer Gerald "Gerry" Mai - und fügt sogleich hinzu: "Er weiß aber auch immer, wann er zünden muss."

Die beiden Aschaffenburg-Cracks, die schon lange im Fußballgeschäft tätig sind und über viele Jahre hinweg zusammenarbeiten, verbindet mittlerweile eine langjährige Freundschaft - sowohl auf als auch neben dem Platz. Das Vertrauensverhältnis passt, die Kommunikation ebenso. "Er ist eine ehrliche Haut und sagt stets, was er denkt. Wir sprechen sehr offen miteinander", verrät Jochen Seitz.

Gerry Mai ist ein wichtiger Bestandteil des Viktoria-Trainerteams, dem er mit einigen Ausflügen zu seinem einstigen Stammverein FC Bayern Alzenau, wo er schon gemeinsam mit Seitz in der Hessenliga an der Seitenlinie stand, seit insgesamt mehr als sechs Jahren angehört.

"Er fungiert als Bindeglied zwischen Mannschaft und mir", sagt der erste Übungsleiter des unterfränkischen Kultclubs über den 49-Jährigen, der unter anderem für die Umsetzung von Standard-Situationen verantwortlich zeichnet - und ergänzt: "Gerade für die jüngeren Spieler ist er ein wichtiger Ansprechpartner."

Wie er sich selbst in seiner Rolle als Co-Trainer wahrnimmt, ob er sich an gewissen Vorbildern im Trainergeschäft orientiert und ob er noch Ambitionen für höhere Weihen hegt, darüber spricht Gerry Mai im folgenden Interview mit FuPa:

Gerry: Was unterscheidet den Co-Trainer in eurem Verein vom Cheftrainer, außer dass Letztgenannter die spielerische Grundausrichtung vorgibt?

Jochen gibt final die Richtung vor, richtig, bezieht mich und die anderen Co-Trainer aber immer in seine Entscheidungen mit ein. Bei uns werden stets alle Themen im Trainerteam gemeinsam besprochen - und alle tragen dann auch die finalen Entscheidungen mit.

Welche Aufgaben als Co-Trainer übernimmst Du innerhalb des Trainerteams konkret?

Bei uns sind die verschiedenen Bereiche auf mehrere Schultern verteilt. Ich bin mit Jochen unter anderem für die Trainingsplanung bzw. die Inhalte und die Umsetzung auf dem Platz zuständig. Zusätzlich versuche ich ihm den Rücken freizuhalten, so dass er sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.

Siehst Du Deine Aufgabe als Co-Trainer nur als Zwischenstation hin zum Cheftrainer-Posten?

Ich hatte zwar schon einige Anfragen als Cheftrainer in verschiedenen Ligen, fühle mich aber an der Seite von Jochen und in unserem Trainerteam sehr wohl. Dazu kommt, dass man als Co-Trainer doch weit mehr Freiheiten hat als in der Position des Cheftrainers.

Jochen Seitz über seinen Co-Trainer Gerry Mai: "Wir beide arbeiten schon sehr lange zusammen, weswegen wir ein sehr gutes Vertrauensverhältnis haben."
Jochen Seitz über seinen Co-Trainer Gerry Mai: "Wir beide arbeiten schon sehr lange zusammen, weswegen wir ein sehr gutes Vertrauensverhältnis haben." – Foto: Sven Leifer

Bitte nicht falsch verstehen, aber: Bist Du Co-Trainer, weil Du es bislang nicht zum "Chef" geschafft hast - oder bist du's ganz bewusst geworden?

Das hat sich bei mir so ergeben. Ich war zum Ende meiner sportlichen Karriere in meinem Heimatverein sieben Jahre als Spielertrainer und Trainer tätig - und habe dort auch meine ganzen Lizenzen bis zur A-Lizenz gemacht. In Alzenau haben sich dann mein und Jochens Weg wieder gekreuzt, nachdem wir ja damals schon in Aschaffenburg gemeinsam auf dem Platz gestanden sind - und ich wurde sein Co-Trainer.

Wie groß sind Deine Einflussmöglichkeiten während eines Spieles? Oder liegt Dein Schwerpunkt ohnehin eher auf der täglichen Arbeit zwischen den Partien?

Klar liegt die Hauptarbeit in der täglichen Trainingsarbeit. Am Spieltag sind die Aufgaben aber klar verteilt: Ich schaue mir z.B. die ersten Minuten des Spiels immer von der Tribüne aus an und gebe dann meine Infos an Jochen weiter. Ich und das Trainerteam versuchen ihn dann während des Spiels auf gewisse Details aufmerksam zu machen. Ich coache nur in Details, wenn es mal schnell gehen muss...

Wie empfindest Du die Wahrnehmung der Co-Trainer in der Öffentlichkeit? Als stets im Schatten des Cheftrainers? Wird die Arbeit der Co-Trainer öffentlich so honoriert, wie sie's verdient hätten?

Mir persönlich ist die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht besonders wichtig. Ich denke, unsere Arbeit können auch nur die Mannschaftsmitglieder sowie alle Personen im engeren Umfeld beurteilen - und darauf kommt es an. Am Ende leisten wir unseren Beitrag zum Erfolg des Teams und des Vereins.

Was würdest Du sagen: Bist Du bei Deinem aktuellen Verein aufgrund Deines Cheftrainers gelandet bzw. derzeit aktiv? Oder wärst du auch unabhängig von ihm dort?

Ich denke auf jeden Fall durch Jochen. Nach unserer gemeinsamen Zeit in Alzenau wollten wir eigentlich ein Jahr Pause machen und in verschiedenen Vereinen hospitieren. Nach ein paar Wochen hat Jochen dann angerufen und meinte, dass er einen neuen Job hat. Er fragte mich, ob ich wieder sein Co-Trainer sein möchte. Also hatte sich das Thema mit dem Hospitieren schnell erledigt - und wir waren wieder zusammen bei der Viktoria.

Welches (Co-)Trainer-Vorbild hast Du?

Ein Vorbild habe ich in diesem Bereich nicht. Ich schaue mir im Fußball viele verschiedene Bereiche an und versuche diejenigen Dinge, die mir gefallen bzw. die ich als interessant erachte, irgendwie mit einfließen zu lassen. Am Ende findet man dann seinen Weg.

Apropos Weg: Wie schaut Dein weiterer Weg aus binnen der nächsten fünf Jahre?

Da habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht - hier schauen wir eigentlich immer von Jahr zu Jahr. Der weitere Weg hängt aber sicherlich auch mit Jochen zusammen. So lange er bei der Viktoria ist, kann ich mir eine Beschäftigung hier sehr gut vorstellen. Ich fühle mich im Verein und im Trainerteam sehr wohl - und es gibt aktuell keinen Grund, den Verein zu verlassen.

Vielen Dank für die Beantwortung und weiterhin alles Gute!

Aufrufe: 01.2.2023, 06:00 Uhr
Stephan HörhammerAutor