Neue DFL-Taskforce: »Wir Amateure sind denen egal«

Hartplatzhelden-Kolumne #10: Die DFL hat eine riesige Taskforce gegründet, doch einen Vertreter des Amateurfußballs findet man darin nicht. Dabei hängt die Zukunft des Profifußballs direkt mit uns zusammen. VON Michael Franke

In der Hartplatzhelden-Kolumne kommen kreative und kritische Köpfe aus dem Amateurfußball zu Wort, die sich mit den Sorgen und Nöten unseres geliebten Sports befassen, aber auch Ideen für die Zukunft vorstellen. In der 10. Ausgabe kritisiert Michael Franke, erster Vorsitzender der FT München-Gern, den mangelnden Blick der Fußball-Elite für die Wichtigkeit seiner Basis.
Ein Baum ohne gesunde Wurzeln wird bald sterben. Die "Deutsche Fußball Liga GmbH" (DFL) hat diese Weisheit offenbar vergessen. Vielleicht sieht sie die Wurzeln gar nicht. Darauf lässt ihre jüngste Entscheidung schließen. Diese Woche hat sie eine „Taskforce Zukunft Profifußball“ berufen, denn der Profifußball ist in Gefahr: sinkende Einschaltquoten, sinkendes Interesse am Produkt Bundesliga. Eine auf unbegrenztes Wachstum programmierte Branche hat erkannt, dass öffentliches Interesse und Nachfrage keine Selbstverständlichkeiten sind.

Das 35-köpfige Gremium will sich unter anderem, wie es in der Ankündigung heißt, mit dem Thema „gesellschaftliche Verankerung des Profifußballs“ befassen. Ein berechtigter Ansatz, der aber beim Blick auf die Liste der Mitglieder einen Riss erleidet. Es sind Unternehmensberater, Funktionäre und Politiker zu finden, auch Fan-Vertreter und Journalisten.

Es fällt allerdings auf, dass kein Vertreter der DFB-Nachwuchsmannschaften und der Nachwuchsleistungszentren berufen wurde. Auch einen Vertreter, der die Belange des Amateurfußballs einbringen könnte, sucht man vergebens. Dabei ist der der doch der Schlüssel zur gesellschaftlichen Verankerung. Mehr als 145.000 Mannschaften spielen in Deutschland aktiv Fußball unter dem Dach des DFB, gerade einmal 56 davon sind Profiteams.

Erstens sind die vielen Dorfvereine Zulieferer an Talenten, Deutschland ist auch dank seiner starken Basis vier Mal Weltmeister geworden. Zweitens spielen Hobbykicker und Nachwuchsfußballerinnen wirtschaftlich eine bedeutende Rolle für die Profis. Sie sind fast immer auch Fans, kaufen Tickets, Sky-Abos, Trikots von ihren Lieblingsvereinen. Die Zukunft des Profifußballs hängt direkt mit der Gegenwart des Amateurfußballs zusammen.

Und die Gegenwart des Amateurfußballs ist noch komplizierter als die des Profifußballs. Die Suche nach Ehrenamtlichen wird schwieriger, vielerorts sinken Mitgliederzahlen, in vielen Vereinen fehlt es an Infrastruktur. Dass die DFL bei der Berufung der Mitglieder bewusst oder unbewusst auf die Mitarbeit des Amateurfußballs verzichtet, ist ein weiteres verheerendes Signal und macht deutlich, welche geringe Bedeutung ihm zugebilligt wird. Wieder eine vertane Chance für den Profifußball. Der Kontakt zwischen den Amateuren und den Profis scheint wohl endgültig gerissen zu sein. Wir sind denen egal.


Zum Autor:
Michael Franke ist seit 2003 erster Vorsitzender der FT München-Gern, dem Heimatverein von Philipp Lahm. Aktiver Spieler war er von 1974 bis 2007, Jugendtrainer von 2003 bis 2017, zwischenzeitlich Schriftführer. Im Jahr 2018 hat er die Interessengemeinschaft Sport in München mitgegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Breitensport zu fördern.

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Zur Hartplatzhelden-Kolumne: Immer mittwochs um 11 Uhr und in gelegentlichen Sonderausgaben lassen wir kreative und kritische Köpfe aus dem Amateurfußball zu Wort kommen, die sich mit den Sorgen und Nöten unseres geliebten Sports befassen, aber auch Ideen für die Zukunft vorstellen. Mehr dazu.

Aufrufe: 021.9.2020, 08:00 Uhr
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