2024-03-01T12:31:23.136Z

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Für den TSV Abtswind (in grün) - hier ein Derby-Szene gegen den Würzburger FV - hat die Bayernliga-Nord in der aktuellen Konstellation wenig Attraktivität
Für den TSV Abtswind (in grün) - hier ein Derby-Szene gegen den Würzburger FV - hat die Bayernliga-Nord in der aktuellen Konstellation wenig Attraktivität – Foto: Hans Will

Ligen-Modell: »Steht in keinem gesunden Verhältnis mehr«

FuPa hat einige Stimmen zum Thema möglicher Ligen-Reformierung im Verbandsbereich eingeholt

Sind die Verbandsligen in der aktuellen Konstellation noch zeitgemäß? FuPa-Redakteur Thomas Seidl hat sich in einem Kommentar mit der Ist-Situation beschäftigt und mögliche Veränderungen vorgeschlagen. Verbandsspielleiter Josef Janker hat sich dazu bereits in einem Interview geäußert und seine Sicht der Dinge geschildert. Wir haben auch bei einigen Vereins- und Verbandsvertretern ein Meinungsbild zu dem zweifellos komplexen Thema eingeholt.

Michael Feneberg (Sportlicher Leiter TSV Kottern, Bayernliga Süd): "Ein Diskussionsthema ist der Rahmenterminplan. In Sachen zu absolvierende Spiele bewegen wir uns nämlich am Limit. Wir haben in der Bayernliga Süd mit Andreas Mayländer aber einen Top-Spielleiter, der immer ein offenes Ohr für uns Vereine hat und der auch versucht, Wochenspieltage so zu gestalten, dass man nicht durch den halben Freistaat fahren muss. Eine Bayernliga-Reformierung sehe ich nicht erforderlich, weil darunter das sportliche Niveau der Liga, das derzeit hervorragend ist, leiden würde."



Stefan Stadelmann (Sportlicher Leiter SpVgg Bayern Hof): "Ich stehe innovativen und kreativen Lösungen immer offen gegenüber. Derbys sind das Salz in der Suppe und wir müssen beispielsweise überdenken, warum wir sechs Wochen Sommerpause brauchen. Die momentanen Ligen sind nur bedingt Zuschauermagneten, produzieren aber hohe Kosten und lange Fahrten. Wir sollten deshalb in alle Richtungen denken."



Christoph Mix (Manager TSV Abtswind, Bayernliga Nord): "Die langen Fahrten nach Hankofen, Hof, Cham etc. sind sowohl zeit-, als auch kostenmäßig mit Amateurfußball kaum noch vereinbar. Für uns gibt es in der laufenden Saison nur noch das Derby gegen den Würzburger FV, bei dem auch eine ordentliche Anzahl von Fans vom Gegner zu uns kommen. Voriges Jahr hatten wir immerhin noch Großbardorf und die beiden Bamberger Vereine in unserer Liga. Hinzu kommt noch das Problem mit den großen Ligen, das aufgrund der oft sehr problematischen Wetterlage in den kalten Monaten für die Vereine eine zu hohe Belastung bedeutet."



Franz Liebl (ehemaliger Vereinssprecher der Landesliga Mitte, früherer Vorstand der SpVgg GW Deggendorf): "Ich war damals schon bei der Reformierung in Wendelstein dabei und bin nun der Meinung, dass es höchste Zeit ist, Veränderungen vorzunehmen. Der Terminplan gehört entzerrt und der Ansatz mit einer Eliteliga für jeden Bezirk ist hervorragend. Für diesen Klassen wären 16er-Ligen sehr sinnvoll. Das von Verbandsspielleiter Josef Janker bei einer Ligen-Reduzierung angeführte Argument mit den Mindereinnahmen von zwei fehlenden Heimspielen, sehe ich anders. Ende November oder Anfang März lockt man nämlich ohnehin nicht sonderlich viele Zuschauer an. Zudem könnte man sich die Reisekosten für zwei Auswärtsspiele sparen, die Schiedsrichterausgaben würden sich ebenfalls reduzieren und für vier Spiele pro Saison würden auch keine Auflauf- und Punktprämien, die es mittlerweile bei vielen Vereinen gibt, anfallen. Das von Herrn Janker angeführte Beispiel mit den geteilten Ligen, finde ich durchaus spannend. Ein solches Modell müsste allerdings detailliert ausgearbeitet und dann den Vereinen vorgestellt werden."




Richard Sedlmaier (Bezirksspielleiter Niederbayern): "Aus niederbayerischer Sicht ist das jetzige Landesliga-Modell nicht optimal, da unsere Vereine in zwei verschiedenen Klassen eingruppiert sind. Eine eigene Landesliga für jeden Bezirk wäre grundsätzlich eine sehr gute Sache. Ich würde dann sogar so weit gehen, dass es bayernweit acht Landesligen geben sollte. Oberbayern ist der größte und stärkste Bezirk, der ruhig zwei solcher Ligen haben könnte. 16er-Ligen wären dann optimal. Damit das umsetzbar ist, wären aber drei Bayernligen erforderlich. Um eine Verwässerung auf Bezirksebene zu vermeiden, müsste man dann die Bezirksligen von 16 auf 14 Teams reduzieren. Dann würde es keinen übermäßig erhöhten Abstieg geben, da ja auch einige Bezirksliga-Klubs den Sprung in die Landesliga schaffen würden."



Lukas Hummelsberger (Pressesprecher SSV Eggenfelden, Landesliga Südost): "Wir können mit dem Ligenmodell an sich schon gut leben, sehen in dieser Diskussion aber durchaus Punkte, bei denen Veränderungen nötig sind. Grundsätzlich würden wir uns natürlich über kürzere Fahrtstrecken und viele Duelle gegen Teams aus der Umgebung freuen. Höhere Zuschauerzahlen, weniger Fahrzeit und -kosten sind definitiv keine unwesentlichen Faktoren. Diese haben sich in unserem ersten Landesligajahr als wir mit Erlbach, Kastl, Töging und Ampfing immerhin vier Duelle gegen Teams aus der oberbayerischen Nachbarschaft hatten, definitiv positiv bemerkbar gemacht. Jedoch muss man auch sagen, dass die Anzahl der Duelle mit benachbarten Teams nicht zwangsläufig mit einem Ligenmodell zusammenhängt.

Bei einer niederbayerischen Landesliga - ein Gedanke der durchaus Charme hat - würden sich unsere Fahrtstrecken mit Sicherheit verringern, was einen positiven Effekt hätte. Im etwas ambitionierteren Amateurfußball gehören gewisse Fahrtstrecken aber auch dazu, weshalb das aus unserer Sicht nicht der entscheidende Faktor ist. Wo wir aber definitiv Handlungsbedarf sehen, ist das Thema Ligenstärke. Die Belastung in einer 18er-Liga ist enorm und verlangt nicht nur einen großen Kader, sondern auch den Spielern enorm viel ab. Das 16er-Modell wäre aus unserer Sicht daher die klar bessere Alternative: Vier Spiele weniger bedeuten weniger Belastung, mehr Regenerationszeit und eine längere Sommerpause. Das würde den Vereinen sowie vor allem den Spielern sehr entgegenkommen und das Verletzungsrisiko minimieren. Eine Reduzierung sowie eine drastisch gekürzte Lösung des Relegationswahnsinns wären aus unserer Sicht die beiden wichtigsten Punkte, die man angehen sollte."



Uwe Wölke (Sportlicher Leiter 1. FC Bad Kötzting, Landesliga Mitte): "Da wir ein Bayerwald-Verein sind, haben wir bis zur Bezirksreform jahrzehntelang dem Fußballbezirk Niederbayern angehört. Auch wenn wir jetzt schon seit einiger Zeit in Sachen Fußball zur Oberpfalz gehören, sind für uns Duelle gegen niederbayerische Vereine wie Ruhmannsfelden, Bogen, Deggendorf und Seebach wesentlich attraktiver als Spiele gegen Mannschaften aus dem Amberger oder Weidener Raum. Deshalb sind wir mit der aktuellen Konstellation sehr zufrieden. Nachdenken kann man durchaus darüber, ob man die Staffeln nicht etwas verkleinern sollte. Der Terminplan ist extrem aufgebläht und für Sechstliga-Fußball ist das über das ganze Jahr hinweg schon ein regelrechtes Mammutprogramm."



Manfred Bock (Sportlicher Leiter TSV Schwabmünchen, Landesliga Südwest): "Die Landesliga Südwest, die mit Teams aus den Bezirken Schwaben und Oberbayern besetzt ist, ist in der aktuellen Zusammenstellung wenig interessant. Daher wäre es zu überdenken, ob nicht wirklich jeder Bezirk seine eigene Landesliga, oder wie man diese Klasse dann auch immer nennen würde, bekommt. Der Attraktivität würde das zweifellos gut tun. In Sachen Ligenstärke sehen wir keinen Handlungsbedarf."



Armin Goschler (Sportlicher Leiter SC Luhe-Wildenau, Landesliga Mitte): "Als Aufsteiger haben wir momentan eine große Euphorie, die aber irgendwann auch wieder verflogen sein wird. Wir waren vor etlichen Jahren schon mal in der Landesliga, die damals die zweithöchste Amateurklasse war. Jetzt ist es nur mehr die dritthöchste Amateurliga, für die der Aufwand dennoch sehr groß ist. Wir müssen nicht nur zweimal in den Bayerischen Wald nach Lam und Bad Kötzting reisen, sondern auch noch siebenmal nach Niederbayern. Ein Großbus-Kilometer kostet inklusive des Fahrers inzwischen etwa 2 Euro. Jeder kann sich somit ausrechnen, was für extrem hohe Ausgaben allein für diese Fahrten anfallen. Wir wären voll für eine Reformierung, denn das eine oder andere Derby mehr, wäre sportlich und wirtschaftlich extrem wichtig."




Roland Mayer (Sportlicher Leiter TSV Weißenburg, Landesliga Nordost): "Wir mussten letztes Jahr in den sauren Apfel beißen und als Mannschaft aus Mittelfranken in der Landesliga Südwest an den Start gehen. Unabhängig davon, ist es höchste Zeit, dass etwas passiert. Das steht alles in keinem gesunden Verhältnis mehr. Jeder Bezirk soll wieder seine eigene Klasse - ob man die dann Landesliga oder Bezirksoberliga betitelt, ist zweitrangig - haben und auch von den 18er-Ligen muss man weg. Die Terminpläne sind komplett überfüllt, zudem hat sich die Zeit verändert und die jungen Leute wollen auch mal ein paar Monate ihre Ruhe vom Fußball haben. Um eine Reform umsetzen zu können, müsste aber eine faire Auf- und Abstiegsregelung gefunden werden. Die wäre aber in Zusammenarbeit von Verband und Vereinsvertretern machbar."



Markus Reischl (Sportvorstand FC Sturm Hauzenberg, Landesliga Mitte): "Wir sind geografisch ein Randverein und müssen es deshalb akzeptieren, in einer gehobenen Klasse einen erhöhten Aufwand zu haben. In der Landesliga Mitte fühlen wir uns dennoch wohl, wenngleich die Großbuskosten für die weiten Fahrten in die Oberpfalz in den letzten Jahren regelrecht explodiert sind. Eine rein niederbayerische Landesliga würden wir absolut begrüßen. Ändern muss sich etwas im Terminplan, da wir viel zu viele Spiele zu bestreiten haben. Daher sind Ligen-Verkleinerungen unserer Meinung nach dringend erforderlich. Für den Landesliga-Bereich wären Gruppen mit 16 Mannschaften optimal."

Aufrufe: 06.12.2023, 11:00 Uhr
redAutor