2024-03-01T12:31:23.136Z

Interview
Der Oberpfälzer Josef Janker ist seit vielen Jahren Verbandsspielleiter des BFV
Der Oberpfälzer Josef Janker ist seit vielen Jahren Verbandsspielleiter des BFV – Foto: Fabian Frühwirth

Janker: »Würde das Modell der Ligenteilung favorisieren«

Mögliche Reformierungsgedanken im Ligen-Modell: Verbandsspielleiter steht Rede und Antwort

Ist das Ligen-System im Verbandsspielbereich überholt? Unser Redakteur Thomas Seidl hat sich mit einem Kommentarbeitrag intensiv mit dem aktuellen Modell beschäftigt und mögliche Änderungsvorschläge in den Raum geworfen. Wir haben uns mit Verbandsspielleiter Josef Janker unterhalten und dessen Meinung zur Sache eingeholt.

Herr Janker, unser Redakteur Thomas Seidl hat eine Diskussion um das aktuelle Ligen-Modell im bayerischen Amateurfußball angestoßen. Wie ist ihre Meinung zu den Vorschlägen?
Josef Janker (lacht): Bis dato kannte ich nur das Sommerloch für Medien – offenbar gibt’s das auch im Winter. Spaß beiseite: Es sind in dem Meinungsbeitrag durchaus ein paar interessante Argumente angeführt worden. Wir im Verbandsspielausschuss beschäftigen uns quasi permanent mit solchen Themen, diskutieren über notwendige Veränderungen und auch über Anpassungen im Liga-System. Dabei ist es uns wichtig, auch in die Vereine hineinzuhorchen, das machen wir bei unseren Tagungen, aber auch mittels gezielter Abfragen. Die nächste steht demnächst auch wieder an. Wir wollen uns zeitgemäß aufstellen und das auch im Spielbetrieb abbilden. Und klar ist auch: Die Zeit dreht sich weiter.

Was wird denn abgefragt?
Etwa wie groß die Ligen sein sollten. Kleinere Ligen mit weniger Mannschaften haben gewiss Vorteile, bringen aber auch Nachteile mit sich.

Was könnte ein Nachteil sein?
Die Finanzen für den Spielbetrieb nehmen in fast jedem Verein mit einer Mannschaft auf Verbandsebene sehr breiten Raum ein. Zwei Heimspiele pro Saison mehr zu haben, macht sich auf der Einnahmeseite deutlich bemerkbar, zumal viele Klubs ihre Vereinsheime noch selbst bewirtschaften und dadurch auch einige Euros generieren. Eine andere Geschichte sind die Vertragsamateure, von der es auch in den Bayern- und Landesligen jede Menge gibt. Wir haben in diesen Klassen in der aktuellen Konstellation eine angemessene Winterpause. Wenn dann aber im Herbst früher aufgehört und im Frühjahr später angefangen werden sollte, dürfte das bei dem einen oder anderen Verein auf den Tisch kommen. Die Vertragsspieler müssen schließlich auch zwölf Monate bezahlt werden und hätten dann über den Winter über drei komplett freie Monate. Ob das bei den Finanzchefs der Vereine für Begeisterung sorgen würde, wage ich zu bezweifeln.

Wäre es ihrer Meinung nach sinnvoll, von zwei auf drei Bayernligen zu gehen und in jedem Bezirk eine eigene Landesliga einzuführen?
Das sehe ich derzeit schon kritisch, da wir auch die Regionalliga im Blick haben müssen. Letztlich würde das auch die sportliche Leistungsfähigkeit verwässern. Die Anforderungen für die vierte Liga sind anspruchsvoll - auch wenn diese nirgendwo in Deutschland so ausgewogen wie bei uns in Bayern sind. Wenn es aber jede Saison drei fixe Aufsteiger geben würde, wäre das mit einem Blick auf die Regionalliga-Struktur sehr wahrscheinlich alles andere als optimal. Nicht jeder Verein kann nämlich die Zulassungskriterien problemlos meistern. Wir versuchen immer einen gesunden Mittelweg zu finden, erteilen bezüglich in vertretbaren Bereichen auch immer wieder mal Ausnahmegenehmigungen. Gewisse Standards gehören aber erfüllt und deshalb ist es wichtig, einen Kern an etablierten Regionalliga-Vereinen zu haben. Das soll aber um Gotteswillen nicht heißen, dass wir keine Aufsteiger wollen. Im Gegenteil: Neue Gesichter - siehe das Beispiel DJK Vilzing, die ja erst seit eineinhalb Jahren dabei ist - tun der Liga gut. Es soll allerdings alles in einem gesunden Rahmen bleiben, denn es soll sich keiner wirtschaftlich übernehmen müssen, nur um Regionalliga spielen zu können. Wir gehen maßvoll vor, weil wir niemanden überfordern wollen, im Umkehrschluss muss jeder aber wissen, was es bedeutet und mit sich bringt, in der Regionalliga dabei zu sein.



Und das Thema Landesliga?
Fakt ist, dass wir eine gesunde Liga-Pyramide brauchen. Es war 2012 schon ein Kompromiss, unterhalb der zwei Bayernligen fünf Landesligen einzuführen. Optimal wären vier gewesen. Drei Bayernligen und sieben Landesligen - das funktioniert nicht. Ich hätte ohnehin einen ganz anderen Ansatz.

Wie sieht der aus?
Ich würde das Modell der Ligen-Teilung favorisieren. Vor der Winterpause in jeder Klasse zwei regionale Gruppen bilden und dann im Frühjahr eine Auf- und Abstiegsrunde ausspielen. Im ersten Halbjahr hätten die Vereine dadurch viele Derbys und verkürzte Fahrstrecken. Nach dem Winter würde es dann unten wie oben noch spannendere Entscheidungen geben. In der Landesliga Nordost und Nordwest haben wir das Format nach dem zweiten Re-Start in der Corona-Zeit schon so ausgetragen. Klar ist aber auch, dass es für dieses Modell noch Optimierungsbedarf gibt.

Inwiefern?
Man braucht gerade Ligen-Stärken. Also pro Klasse entweder 16 oder 20 Teams. Spielt man nur mit 16 Vereinen, hätte jeder Klub bei einer Zweiteilung pro Saison lediglich 28 Spiele. Bei 20 Mannschaften hingegen wären es 36. Da sind wir dann wieder bei dem Thema Finanzen. Ein weiteres sehr wichtiges Diskussionsthema ist, was mit den Punkten passieren soll, die man im in der ersten Gruppenphase geholt hat. Da gibt es verschiedene Optionen, wie man das handhaben könnte.

Alles also nicht so einfach….
Genau so sieht es aus. Auf Verbandsebene sind derzeit 145 Mannschaften vertreten. Man kann es also unmöglich jedem Verein recht machen, zumal fast jeder Klub zunächst seine persönlichen Interessen in den Vordergrund stellt. Wir sind für jegliche Form von Neuerungen oder Optimierungen aufgeschlossen. Ich behaupte sogar, dass wir für Veränderungen weitaus offener sind als viele Entscheidungsträger in den Vereinen. Wenn ich mir heute junge Menschen ansehe, dann wachsen die mit Play-offs auf, sie kennen das aus dem Basketball oder dem Eishockey. Auch das hatten wir angeregt, die Zurückhaltung in den Klubs war spürbar. Viele vertreten die Meinung, dass das, was sie in der Saison erreicht haben, nicht in den Play-offs aufs Spiel setzen zu wollen. Fußballer sind zuvorderst Traditionalisten, wir müssen aber schauen, dass unsere Systeme taugen, um junge Menschen zu begeistern. Um etwas ändern zu können, braucht es jedoch klare Mehrheiten der Vereine. Gibt es diese, werden wir versuchen, die Wünsche und Konzepte bestmöglich in Einklang zu bringen.

Aufrufe: 05.12.2023, 13:40 Uhr
redAutor