2024-07-17T10:40:36.325Z

Ligabericht
Der "Kick" in der Sommerpause: Derzeit ist Waldemar Bärwald damit beschäftigt, den Zaun auf der Grünen Au zu streichen.
Der "Kick" in der Sommerpause: Derzeit ist Waldemar Bärwald damit beschäftigt, den Zaun auf der Grünen Au zu streichen. – Foto: privat

»Ich bin ein Besessener«: Was wäre Hof ohne Waldi Bärwald?

Der 67-jährige Waldemar Bärwald ist Herz und Seele des ehemaligen Zweitligisten

"Was Waldemar Bärwald ohne SpVgg Bayern Hof machen würde?", wiederholt eben jener eine an ihn gestellte Frage, die er bereits mehrfach gehört und mit der er sich auch schon intensiv auseinandergesetzt hat. "...dann wäre ich vielleicht wieder einmal normal", zeigt er sich selbstironisch. Objektiv betrachtet hat er - Ironie hin oder her - absolut recht. Denn das, was der 67-Jährige beim bzw. für den oberfränkischen Traditionsvereins betreibt, ist wahrlich nicht normal. Stefan Stadelmann, Sportlicher Leiter des Bayernligisten, findet etwas freundlichere Worte: "Waldi ist einfach ein Gelb-Schwarzer. Er liebt und lebt die Hofer Bayern und seine Mannschaft!"

Gerade eben hat Bärwald in seiner Funktion als Teammanger die Saison 2023/2024 abgeschlossen. Nach dem letzten Spiel auf der legendären „Grünen Au“ gegen Neudrossenfeld am 18. Mai war er damit beschäftigt, die Kabinen so zu säubern, "dass ein Zahnarzt drauf stolz wäre". Beschäftigen bedeutete für den Rentner ("Ich konnte mit 63 abzugsfrei in Rente gehen. Das hat mich getroffen") Vollgas: Sieben Tage die Woche, von frühmorgens bis spätabends. "Entweder ich mache es, oder ich mache es nicht. Ich bin keiner, der redet, redet und redet und dann nichts tut."

Zugegeben, das stimmt so nicht! Denn der 67-Jährige ist auch einer, der gerne redet, wie im FuPa-Gespräch deutlich wird. Und das im äußerst liebenswert klingenden oberfränkischen Dialekt mit seinen vielen Verniedlichungen. Kommt er mal ins "schwätze", kann der Monolog schon mal etwas länger dauern. Und jetzt stelle man sich vor, dass es tatsächlich so ist, dass dieser Mann den vielen Worten noch mehr Taten folgen lässt. In Anbetracht dessen müsste eingangs erwähnte Frage eher heißen: Was würde die SpVgg Bayern Hof ohne Waldemar Bärwald machen?

– Foto: privat

Eigentlich hätte der 67-Jährige nun, ebenfalls wie Weiß, Gezer & Co., Sommerpause. "Aber das wäre mir zu langweilig. Ich will immer schauen, was der Tag bringt." Und für die fußballfreien Wochen hat er nach einem besonderen "Kick" (O-Ton) gesucht: "Der Zaun im Bayern-Stadion, der zu Zweitliga-Zeiten errichtet worden ist, ist seit Ewigkeiten nicht mehr gestrichen worden. Grausam hat das ausgesehen." Und genau deshalb wurde Bärwald beim Eigentümer der „Grünen Au“, der Stadt Hof, vorstellig. "Arbeitskräfte wollten sie keine einsetzen, aber die Farbe haben sie zur Verfügung gestellt." Mit etwas Abstand fügt er hinzu: "Gut, habe ich gesagt, dann mache ich es selber."

Und so streicht der ehemalige Verlagsmitarbeiter seit Wochen Zaun-Abteil um Zaun-Abteil. Alleine im weiten Rund der 8.100-Plätze-Kultstätte. "Nur der Rasenmäh-Roboter schaut ab und zu vorbei – aber der redet nicht viel." Wieder so typischer Bärwald. Eine Aussage, die zunächst flapsig-lustig daherkommt, die aber auf dem zweiten Blick elegant verpackt ist – und hinter der Kritik steckt: "Es fehlt halt an Manpower, wie in so vielen anderen Vereinen auch." Und genau deshalb darf sich die SpVgg Bayern Hof glücklich schätzen, einen wie „Waldi“ zu haben. Denn der werkelt wie ein 15-Mann-Arbeitstrupp.

– Foto: privat

Was die Familie dazu sagt, dass seine ehrenamtliche Arbeitswoche in Diensten der Gelb-Schwarzen sieben Tage die Woche dauert? "Ich habe nie auf mein Recht gepocht", antwortet er darauf. "Es muss immer alles in Einklang sein." So berichtet er nimmermüde von rauschenden Festen bei den Bärwalds, von einem guten Verhältnis mit seiner Frau und den beiden Kindern und auch davon, "dass ich das schönste Haus im ganzen Viertel habe." Erneut eine Aussage, die man als etwas eingebildet auslegen könnte. Nur die altbekannte Probleme: Erstens hat der 67-Jährige recht, zweitens hat er unter Einsatz aller physischer und psychischer Kräfte für diesen Status quo gesorgt.

Dem rüstigen Rentner kommt dabei zugute, dass er ein wahres Multitalent ist. Er kann einfach alles. Seine „Karriere“ bei der SpVgg Bayern Hof ist der Beleg dafür: Erst war er nur Fan, dann Spieler, dann Schiedsrichter-Betreuer, dann Marketing-Leiter, ehe er Teammanager wurde. Im Rahmen seiner derzeitigen Funktion, die er seit 2010 bekleidet, kümmert er sich beispielsweise um die Organisation der Ausrüstung ("Ich kann es nicht haben, wenn zwei Stutzen unterschiedlich lang sind"), um die Auswärtsreisen ("Das Mittagessen wird zelebriert") und um den Zustand der Kabinen. Diese hat er übrigens selbst renoviert und zum "Stolz des Teams" gemacht. "Dann habe ich den Burschen noch gelernt, wie wichtig Ordnung und Disziplin sind", schwingt er die Keule. "Einige wollten zunächst nicht so richtig mitmachen. Aber ich habe mich durchgesetzt."

– Foto: Mario Wiedel

Waldemar Bärwald weiß, wie derartige Ansagen gesagt werden müssen. Er tritt nicht als Diktator und Besserwisser auf, "sonst reibt man sich irgendwann auf". Der 67-Jährige macht es, wie es eben seine Art ist: Flapsig-lustig, sehr sympathisch - und letztlich erfolgreich. „Waldi“ hat es faustdick hinter den Ohren, könnte man sagen. Aber nicht für sich, sondern für die Gemeinschaft, für die SpVgg Bayern Hof.

Spricht der 67-jährige Hofer bewusst über den Traditionsclub, hat er nicht die rosarote Vereinsbrille auf. Ganz im Gegenteil. Er ist ein äußerst kritischer Bayern-Fan. Mit der Zeit, in der sich die Schulden häuften, geht er hart ins Gericht. "Damals habe ich mir die Bayern fast abgewöhnt." Genau sieht er es gar nicht gerne, wenn Spieler oder Funktionäre das Miteinander als Einbahnstraße verstehen. Und auch sein persönliches Engagement sieht er durchaus zwiegespalten: "Ich bin ein Besessener. Manchmal ist es echt zu viel, übertrieben."

Aber was sein muss, muss sein. Und wenn man etwas macht, dann mit 101 Prozent. Für halbe Sachen ist das Leben zu kurz. "Waldi ist einfach Herzblut! Solche Leute brauchen wir mehr!", unterstreicht Stefan Stadelmann. Mehr Lob geht fast nicht. Waldemar Bärwald hat für solche Spielereien keine Zeit. Er muss ein Telefonat mit dem Ausrüster führen. Zum Saisonstart soll die Truppe von Trainer Mikheil Sajaia perfekt eingekleidet sein. "So gehört sich das einfach", ist der 67-Jährige überzeugt. Und es stellt sich die Frage: Was wäre die SpVgg Bayern Hof nur ohne ihn?

– Foto: Mario Wiedel

Aufrufe: 015.6.2024, 12:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor