2024-07-17T10:40:36.325Z

Interview
Ein Bild aus alten Tagen: Zwölf Jahre lang stand Helmut Zeiml ununterbrochen an der Seitenlinie der Fortuna Regensburg.
Ein Bild aus alten Tagen: Zwölf Jahre lang stand Helmut Zeiml ununterbrochen an der Seitenlinie der Fortuna Regensburg. – Foto: Florian Würthele

Zeimls Trainer-Ära bei Fortuna endet: »Extrem gute Entwicklung«

Nach zwölf Jahren sieht Fortuna Regensburg einen neuen Trainer: Helmut Zeiml blickt in den Rückspiegel und äußert Wünsche

Wenn die Bayernliga-Fußballer des SV Fortuna Regensburg an diesem Donnerstag erstmals nach der (kurzen) Sommerpause wieder gemeinsam auf dem Trainingsplatz stehen, ist vieles beim Alten und doch irgendwie alles anders. Zum ersten Mal seit dem Frühjahr 2012 wird dann nämlich nicht mehr Helmut Zeiml den Takt als Cheftrainer vorgeben. Der 57-Jährige übergibt den Staffelstab guten Gewissens an seinen Schwiegersohn und langjährigen Co-Trainer Arber Morina. Selbst rückt er als neuer Sportdirektor ins zweite Glied. Im FuPa-Interview lässt Zeiml die vergangen zwölf Jahre Revue passieren und blickt in die Zukunft des SVF.

Helmut, nach zwölf Jahren als Cheftrainer bei Fortuna Regensburg trittst Du künftig in den Hintergrund. Fällt das schwer?
Helmut Zeiml (57): In dieser Verbindung ist es sicherlich leichter zur verkraften. Dem Verein bleibe ich ja in einer sportlichen Funktion erhalten.


Was ändert sich für Dich?
Man hat nicht mehr den täglichen Kontakt zur Mannschaft, der Aufgabenbereich ist eben ein anderer. Man ist verantwortlich dafür, Spieler zu verpflichten und dass das Umfeld passt. Physios, Betreuer und Co. zu akquirieren ist in der heutigen Zeit nicht so einfach. Auf solche Dinge kann ich mich jetzt viel besser fokussieren als bisher. In letzter Zeit habe ich sehr viel zweigleisig gemacht. Ab sofort kann ich viel mehr das Augenmerk darauf legen, dass wir im Hintergrund eine ähnliche Entwicklung wie im fußballerischen Bereich nehmen.


2012 wollte Dich Michael Köllner zum BFV holen. Weshalb hast Du Dich damals für den Weg des Vereinstrainers und den SV Fortuna entschieden?
Es hat zwei entscheidende Gründe gegeben. Zum einen wollte ich weiterhin mit Florian Baumer zusammenarbeiten. Zum anderen war es schlicht und ergreifend die Nähe zu meiner Heimat, wo ich aufgewachsen bin. Das war nämlich gegenüber des Fortuna-Platzes. Da sind wir hingezogen, als ich ein Kind war.


Generationswechsel: Helmut Zeiml übergibt das Traineramt bei Fortuna Regensburg an seinen Schwiegersohn Arber Morina (l.).
Generationswechsel: Helmut Zeiml übergibt das Traineramt bei Fortuna Regensburg an seinen Schwiegersohn Arber Morina (l.). – Foto: Florian Würthele


Bei Deinem Amtsantritt war die Fortuna soeben in die Landesliga aufgestiegen. Jetzt geht der Verein in seine zweite Bayernliga-Saison. Wie sah die Entwicklung in den letzten Jahren aus?
Zu meiner Anfangszeit waren wir doch ein Stück weit eine zusammengewürfelte „Multi-Kulti-Truppe“. Damals verzeichneten wir einen sehr großen Spielerwechsel. Diese Zeit war nicht immer ganz einfach. Hinzu kam, dass wir in den ersten zwei Landesliga-Jahren gegen den Abstieg gespielt haben. Dann haben wir es aber geschafft, es mittelfristig in so gesunde Bahnen zu lenken, dass wir Kontinuität im Spielerbereich reingebracht haben. László Szücs etwa war ein ganz wichtiger Baustein für den Verein, weil er als Fußballer und Mensch einen positiven Einfluss hatte. Und so ist der Weg stetig nach oben gegangen. Ein typisches Beispiel ist Martin Sautner. Mit ihm hatte ich mich vor seinem Wechsel zu Donaustauf vor acht Jahren schon einmal unterhalten. Damals kam ein Wechsel zur Fortuna für ihn nicht in Frage. Das hat sich geändert. Verpflichtungen von Sautner, Mario Baldauf oder Enrico Sommer waren alles so kleine Bausteine, an denen die extrem gute Entwicklung des Vereins sichtbar wurde. Dass nun bei Spielern, die den Verein verlassen haben, Tränen geflossen sind, ist Auszeichnung genug für den Verein.


Gab es in all der Zeit ein Erlebnis oder ein Spiel, das Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es hat viele schöne Erlebnisse gegeben. Ein besonderes gab es schon in meinem ersten Jahr, als wir am letzten Spieltag gegen Bad Abbach zur Halbzeit mit 0:2 in Rückstand lagen, das Spiel noch gedreht haben und mit einem 3:2-Sieg direkt in der Liga geblieben sind. Bitter war die Relegation in Bogen, als uns in der letzten Spielminute ein klarer Elfmeter verwehrt blieb. Rückblickend war es ein schöner Zug vom Verband, dass er sich anschließend für diesen Fehler des Schiedsrichters entschuldigt hat. Die diesjährige Relegation mit ihren Höhen und Tiefen aber ist nicht zu toppen. Das war eine Achterbahnfahrt der Gefühle.


Ein Highlight der Zeiml-Ära: 2023 schaffte Fortuna Regensburg den erstmaligen Sprung in die Bayernliga.
Ein Highlight der Zeiml-Ära: 2023 schaffte Fortuna Regensburg den erstmaligen Sprung in die Bayernliga. – Foto: Florian Würthele


Was stimmt Dich hoffnungsfroh, dass der SV Fortuna ein weiteres Mal den Klassenerhalt in der Bayernliga schaffen kann – vielleicht mit etwas weniger Zittern – und sich mittelfristig in der Liga etablieren kann?
Zunächst einmal die Erfahrung, die wir im ersten Jahr gesammelt haben. Auch die Spielerverstärkungen, die zum Teil doch schon Bayernliga-Erfahrung haben, stimmen mich positiv. Hinzu kommt das ganze Umfeld mit seiner Weiterentwicklung. Dass Arber Morina und Lucas Altenstrasser das Traineramt übernehmen, passt perfekt. Und: Dass ehemalige Spieler oder andere, die schon früher bei Fortuna im Drumherum aktiv waren, sich einbringen wollen und uns jetzt wieder unterstützen wollen, ist schon eine schöne Auszeichnung für Fortuna. Dies stimmt mich positiv, dass wir uns breiter aufstellen können und im „Team hinter dem Team“ stärker werden.


Du reißt das Thema an: Was sind Deine Wünsche für die Zukunft der Fußballabteilung?
Wir möchten besser Sponsoren akquirieren und Ideen entwickeln, mit denen man die Heimspiele für Zuschauer attraktiver machen kann. Beispielsweise mit einer eigenen Hüpfburg, so dass es noch einen Ticken familienfreundlicher gestaltet wird. Es wäre wünschenswert, dass unsere harte Arbeit von Sponsoren und Zuschauern noch mehr honoriert wird. Und dass sich Leute finden, die gern auf eine Art und Weise den Verein unterstützen möchten – das muss ja nicht zwingend finanziell sein.


Über die Fortuna hast Du unter anderem Deinen langjährigen Mitstreiter und künftigen Partner in der sportlichen Leitung, Hans Meichel, Deinen Schwiegersohn und Trainer-Nachfolger Arber Morina sowie Deine Freundin Raffaela kennengelernt...
Hans hat allein durch seine Profizeit beim SSV Jahn extrem gute Beziehungen. Mit diesen kann er den Verein auch in Zukunft sehr gut unterstützen. Was Raffaela im Drumherum bei der Organisation oder im Verkauf bislang geleistet hat, ist ebenfalls hervorzuheben. Freilich sind auch die vielen weiteren Leute im Hintergrund nicht zu vergessen. Sie leisten tolle Arbeit, viele sind seit Jahren da. Das kann man nicht genug wertschätzen. Unser Abteilungsleiter Matthias Rudner etwa macht extrem viel und nimmt uns von der Organisation und im Jugendbereich sehr viel ab. Zu nennen ist auch die medizinische Versorgung. Was Carlos Sternecker mit seinem Team von Corpus Care sowie das OTC um Marco Hartl während der Spiele und unter der Woche leisten, ist überragend.


Das Interview führte Florian Würthele.

Aufrufe: 017.6.2024, 17:05 Uhr
Florian WürtheleAutor