2024-05-22T11:15:19.621Z

Interview
Weil die personelle Lage beim SV Schmidmühlen momentan angespannt ist, hat sich Guti Ribeiro kurzerhand die eigenen Fußballschuhe aus dem Schrank geholt.
Weil die personelle Lage beim SV Schmidmühlen momentan angespannt ist, hat sich Guti Ribeiro kurzerhand die eigenen Fußballschuhe aus dem Schrank geholt. – Foto: Dominik Adlhoch

»Ich mag den Druck«: Guti kickt in Schmidmühlen mit 39 noch selbst

Der portugiesische Ex-Profi will mit dem SVS die Bezirksliga halten – und hilft dafür aktuell selbst als Spieler aus

Beim SV Schmidmühlen sitzt seit letztem September mit dem Portugiesen Gustavo „Guti“ Ribeiro ein ehemaliger Fußballprofi auf dem Trainersitz. Als Co-Trainer nahm der 39-Jährige den früheren Landesliga-Crack Kamil Hein mit ins Vilstal. Die beiden wollen die Mannschaft im Frühjahr unbedingt zum Klassenerhalt in der Bezirksliga Nord führen. Ein heikles Unterfangen: Durch zwei Niederlagen zum Jahresstart rutschte der Aufsteiger nämlich auf den vorletzten Tabellenplatz.

Gegenwärtig schnürt „Guti“ seine Fußballschuhe sogar selbst noch einmal. Was der Hintergrund dessen ist und was es mit den beiden kurzfristigen Neuzugängen aus Brasilien auf sich hat, das hat der ehrgeizige Fußballtrainer im Interview verraten.

Ihr seid mit einer knappen 0:1-Auswärtsniederlage bei Spitzenreiter SV Etzenricht ins neue Spieljahr gestartet. Eine vermeidbare Niederlage?
Gustavo Ribeiro (39): Wir sind sehr motiviert in das Auftaktspiel gegen Etzenricht gegangen. Das Ziel war, nicht dieselben Fehler zu machen wie in der schwierig verlaufenden Vorbereitung. Gerade in der ersten Halbzeit haben wir super gespielt und gegen den Tabellenersten lange das 0:0 gehalten. Dem entscheidenden Gegentreffer in der 77. Minute ist ein Basics-Fehler vorausgegangen. Bis dahin haben wir gut und kompakt verteidigt. Trotz der Niederlage war ich stolz auf meine Mannschaft, zumal wir fünf, sechs Spieler aus der zweiten Mannschaft dabei hatten.


Am Wochenende ging das Heimspiel gegen die SpVgg Pfreimd mit 0:3 in die Binsen...
Wir sind sehr schlecht ins Spiel gekommen, waren nach den ersten 20, 25 Minuten dann aber drin im Spiel. Gerade in dieser Phase hat unser Keeper einen Fehler gemacht, den Busch zum 0:1 ausgenutzt hat. Pfreimds Torwart Michael Herrmann machte eine hervorragende Figur und hielt dem Gegner bei mehreren guten Chancen von uns die Führung fest. Aus einem schnellen Konter resultierte das 0:2, aus einem Elfmeter das 0:3. Ich selbst setzte einen Freistoß an den Pfosten. Am Ende war es schon verdient für Pfreimd, weil ihre Abwehrkette sehr kompakt stand. Dagegen zieht sich bei uns das Stürmer-Problem so ein bisschen durch.


Du stehst mit 39 Jahren wieder selbst auf dem Platz, aktuell sogar von Beginn an. Wie kommt es dazu?
In Schmidmühlen kommen wir sehr über den Teamgeist und weniger über die Individualität. Momentan ist es bei uns in personeller Hinsicht jedoch sehr schwierig, denn aktuell sind 13 Spieler verletzt. Darunter fallen neun Startelf-Kandidaten. Daher muss ich selbst spielen, es geht nicht anders.


Ist es für Dich eine Ehrensache, dem Team in der angesprochenen personellen Notlage mit Deiner Erfahrung auch auf dem Rasen zu helfen?
Ich habe immer gesagt, dass ich die Mannschaft im Notfall auch auf dem Platz unterstütze. Und im Moment ist jedes Spiel ein Notfall. Daran wird sich auch bis zum Ende der Saison nichts mehr ändern. Gegenwärtig bringt es der Mannschaft, finde ich, mehr, wenn ich selbst mitwirke, als wenn ich nur an der Seitenlinie stehe. Ich bin sehr motiviert und hoffe, die Mannschaft als Spieler bis zum Saisonende so gut wie möglich unterstützen zu können.


Du hast jahrelang nicht mehr selbst die Fußballschuhe geschnürt – haut es denn körperlich hin, gerade über die volle Spieldauer?
Gott sei Dank fühle ich mich gut und kann überraschenderweise die 90 Minuten durchhalten. Das hätte ich selbst nicht gedacht. Wobei eine Mannschaft natürlich nicht nur aus einem Spieler besteht, sondern aus mindestens 17, 18.


Kurzfristig schlugen mit Galdino Mendes Junior und Myller Silva zwei Brasilianer als neue Spieler in Schmidmühlen auf. Ein regionaler Fußball-Podcast bezeichnete Euch zu Wochenbeginn scherzhaft als „Vilstal-Seleção“. Wir kam es dazu?
Der Vorstand und ich haben stets offen über mögliche Verstärkungen kommuniziert. Galdino Mendes ist ein sehr erfahrener Spieler, der in Neutraubling bereits Bezirksliga und Landesliga gespielt hat. Er wollte schon seit Langem mit mir zusammenarbeiten und nun hat es geklappt. Myller Silva hat mir im Probetraining gut gefallen und ist technisch versiert. Er hatte länger pausiert wegen der Geburt seines Kindes. Die beiden Spieler helfen dem jungen Kader mit ihrer Erfahrung weiter. Wir versuchen auf jeden Fall – auch mit den beiden –, den Klassenerhalt zu schaffen.


Was stimmt Dich zuversichtlich, dass die Bezirksliga nicht ein einjähriges Intermezzo für den SV Schmidmühlen bleibt?
Vilseck ist super gestartet und hat uns mit zwei Siegen aus zwei Spielen überholt. Überhaupt hat die Bezirksliga Nord nichts zu tun mit der Süd-Gruppe. Bei uns ist der Wettbewerb noch ein Stück größer und es gibt keine Mannschaft, die abfällt. Gefühlt kann der Letzte den Ersten schlagen. Ich bin weiterhin sehr optimistisch, sechs der zehn verbleibenden Spiele sind Heimspiele. Natürlich wird es für uns sehr schwierig, keine Frage. Wir müssen so dringend wie möglich Punkte sammeln und gleichzeitig hoffen, dass die Konkurrenten Federn lassen. Aber leichte Aufgaben sind ohnehin nichts für mich. Ich mag eine Mannschaft mit einem klaren Ziel und mag den Druck.


Stehst Du auch nächste Saison im Vilstal an der Seitenlinie?
Ich habe mich noch nicht konkret entschieden, möchte mich bis Ende April entschieden haben. Grundsätzlich gefällt es mir in Schmidmühlen. Es ist ein typischer Dorfverein, der mir alle Möglichkeiten gibt und wo die Verantwortlichen immer zur Verfügung stehen. Das ist überragend.


Das Interview führte Florian Würthele.

Aufrufe: 026.3.2024, 11:30 Uhr
Florian WürtheleAutor