
Der 5:2-Sieg im Kreispokal-Finale über Bezirksligist Beckumer SpVg, das im übrigen ohne Zuschauer stattfinden musste, war nur ein Trostpflaster, das die Wunden einer insgesamt mehr als enttäuschenden Oberliga-Saison von Rot Weiss Ahlen nicht im Ansatz kaschieren konnte. Wie der Verein von der Werse am frühen Freitagabend verkündete, hat der historische Abstieg in die Westfalenliga personelle Konsequenzen: Sowohl Trainer Marcel Stöppel als auch die sportliche Leitung, bestehend aus Luka Tankulic und Sportvorstand Dennis Kocker, räumen ihre Ämter.
Man habe „nach einem guten und offenen Gespräch gemeinsam entschieden, die Zusammenarbeit nicht fortzusetzen. Der Verein möchte nach dem Abstieg einen vollständigen sportlichen Neuanfang einleiten und die kommenden Aufgaben mit neuen Impulsen angehen“, heißt es in der Pressemitteilung von RWA. Man bedanke sich bei Stöppel „für seine Bereitschaft, den Verein im Winter in einer schwierigen sportlichen Situation zu übernehmen und seine gute Arbeit in den vergangenen Monaten. Er ist damals in einer Phase zu Rot-Weiss Ahlen gekommen, in der der Verein vor großen Herausforderungen stand."
RW Ahlen hatte Marcel Stöppel im Transferwinter von Ligakonkurrent TuS Hiltrup losgeiest und hatte somit für ordentlich Gesprächsstoff in der Oberliga gesorgt. Stöppel sollte RWA zum Klassenerhalt führen, dafür bekam er unter anderem Co-Trainer Marco Weitz (Concordia Albachten) an seiner Seite sowie hochkarätige Neuzugänge wie Marc Heider (SF Lotte) oder Bernad Gllogjani (Türkspor Dortmund). Sieben Siege, drei Remis und zehn Niederlagen waren am Ende aber nicht genug um über den Strich zu springen.

Stattdessen endete Ahlens Oberliga-Zeit mit einer 3:4-Niederlage gegen den FC Eintracht Rheine, begleitet von Fan-Krawallen der RWA-Anhänger und ausgerechnet sein Ex-Verein Hiltrup, der weiterhin nach einem neuen Trainer und Nachfolger für Interimscoach Raul Prieto sucht, hielt die Klasse – und konnte sich anschließend eine Antwort auf eine Aussage von Dennis Kocker („Wir gewinnen zweimal und Hiltrup muss am letzten Maiwochenende auf dem Sofa sitzend absteigen.“) nicht verkneifen.
Marcel Stöppel erklärt: „Ich hatte mit den Verantwortlichen ein gutes und ehrliches Gespräch. Nach der Saison ist es nachvollziehbar, dass der Verein einen kompletten Neuanfang machen möchte. Auch für mich persönlich ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, einen neuen Weg einzuschlagen, da ich meine sportliche Zukunft oberhalb der Verbandsliga sehe und so zunächst, nach einem anstrengenden Jahr, die Akkus aufladen kann. Schade, dass die Punkte aus der Rückrunde nicht gereicht haben.“
Auch die sportliche Leitung um Luka Tankulic und Sportvorstand Dennis Kocker wird den Neuaufbau nicht mitbegleiten. Tankulic stand bis Oktober 2025 selbst als Trainer an der Seitenlinie und rückte nach seinem Aus in die sportliche Führung. Er wird den Verein gänzlich verlassen, während Kocker sich „wieder verstärkt um die rechtlichen und organisatorischen Dinge im Verein kümmern“ soll. „Damit soll innerhalb der Vereinsführung eine klarere Aufgabenverteilung geschaffen werden, um die anstehenden strukturellen Herausforderungen gezielt anzugehen.“
„Wir übernehmen Verantwortung für die sportliche Entwicklung und für den Ausgang der Saison. Nach dem Abstieg ist es wichtig, ehrlich zu analysieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Rot Weiss Ahlen braucht nun einen klaren sportlichen Neuanfang, neue Strukturen und eine Ausrichtung, die zur kommenden Aufgabe in der Westfalenliga passt“, werden Tankulic und Kocker zitiert.
Zum personellen Beben erklärt der Ahlener Vorstand: „Der Abstieg war für den gesamten Verein enttäuschend. Umso wichtiger ist es jetzt, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und den Blick nach vorne zu richten. Rot Weiss Ahlen hat in seiner Geschichte immer wieder schwierige Phasen bewältigt. Diesen Weg wollen wir nun mit Klarheit, Zusammenhalt und einer ehrlichen Aufarbeitung erneut gehen.“
Man wolle nun „die weiteren Schritte zur sportlichen Neuausrichtung vorbereiten“. Ziel sei es, „zeitnah klare Strukturen zu schaffen und die Grundlagen für eine Mannschaft zu legen, die den Anforderungen der Westfalenliga gerecht wird und zugleich zur Identität von Rot Weiss Ahlen passt.“