
Bei seinem Abschiedsspiel im Sommer 2024 war es heiter und emotional zugegangen, mit vielen alten Weggefährten und 350 Zuschauern. Nun ist es ruhiger geworden um Tarek El Funte. Der eine bewegte Karriere als aktiver Fußballer und Trainer hinter sich hat und vor allem bei drei Teams aus dem Taunus, dem SV Niederseelbach, der SG Hünstetten und dem SV Niedernhausen prägende Zeiten erlebte. Dabei fing El Funte erst in der A-Jugend an, im Verein Fußball zu spielen. "Ich habe lieber mit meinen Kumpels auf dem Bolzplatz gespielt", sagt El Funte. Eine klare, aber selbstreflektierte Aussage. Doch unter anderem diese Eigenschaften vermisst der 46-Jährige bei der heutigen Spielergeneration, wie er im Gespräch über seine Karriere durchblicken lässt.
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Ob als Spielertrainer, Co-Trainer oder sportlicher Leiter: Beim SV Niederseelbach, dem SV Niedernhausen, dem FC Hettenhain, dem FC Kiedrich und zuletzt dem SV Blau-Gelb hinterließ El Funte seine Spuren als Trainer. Beim Gespräch in einem Café in Schierstein, wo El Funte mittlerweile wohnt und regelmäßig beim AH-Training mitkickt, wird klar, warum er "in den nächsten beiden Jahren auf keinen Fall" mehr ins Traineramt zurückkehren will: "Ich habe die Zeit nicht, meine beiden Kinder treiben Sport und ich begleite sie", sagt er - und setzt zur Kritik am Umgang und Standing der Übungsleiter im heutigen Fußball an.
"Trainer hatten es früher einfacher"
"Trainer früher hatten es viel einfacher, weil mehr Miteinander herrschte und die Leute Lust hatten, ins Training zu gehen. Heute muss der Trainer schon den Leuten hinterhertelefonieren, das kostet Nerven und Zeit. Dazu ist er Sündenbock und Schuhabtreter, muss sich für alles rechtfertigen. Ich persönlich habe die Lust am Trainer-Sein verloren", sagt El Funte. Spieler müssten mehr in Eigenverantwortung gehen, die Fehler bei sich suchen. "Viele junge Spieler sind nicht mehr kritikfähig. Vielleicht auch, weil früher etwas autoritärer erzogen wurde", sagt El Funte. Der vor kurzem selbst die G- und F-Junioren in Schierstein coachte, wo sein Sohn spielte. Da sei auch schon mal die Nachfrage von Elternseite gekommen, ob denn Training sei, draußen würde es doch regnen, erzählt El Funte kopfschüttelnd.
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El Funte selbst lernte noch auf den Bolzplätzen in Niedernhausen und Umgebung das Kicken. Beim SV Niederseelbach fing er das Kicken im Verein an, etablierte sich in der damaligen Bezirksoberliga auf Anhieb in der "Ersten". Und hielt in zwei Saisons jeweils über die Relegation die Klasse. Dann ging's zum SV Niedernhausen um Coach Jens Klische, und wieder hielt El Funte über die Relegation die Klasse. Es folgten mehrere Intermezzos bei der SG Hünstetten, die Anfang der Nullerjahre mehrere Ligen nach unten gereicht wurde, wo El Funte und Ingo Golle (auch neben dem Platz) ein kongeniales Tandem bildeten. Zwischenzeitlich klopften auch die höherklassigen Teams aus Biebrich und Kastel an. Doch El Funte wechselte nicht in die damalige Landesliga. "Die spielten samstags, da wollte ich aber immer mit meinem Kumpel Premiere gucken, das war für mich heilig damals", sagt er.
Immer wieder Seelbach
Und immer wieder war El Funte beim SV Niederseelbach. Stieg 2009 in die Kreisoberliga auf und war 2015/16 mit Manuel Falkenberg Spielertrainer beim Aufstieg in die A-Liga. Ehe unter anderem eine Aufstiegssaison mit dem 1.FC Hettenhain und drei Jahre mit Spezi Mo Akrri beim 1.FC Kiedrich ("ein gut geführter Verein") als sportlicher Leiter. El Funtes letzte Trainerstation war in der Saison 22/23 beim SV Blau-Gelb Wiesbaden. Als dem SV Niederseelbach nach dem Aufstieg in die Gruppenliga die Felle davonschwammen und das personell gebeutelte Team Unterstützung brauchte, überredete der damalige SVN-Trainer, Adi Dworschak, den Mittvierziger, der einmal die Woche mittrainierte, nochmal zum Spielen.
Zum Abschluss nochmal Gruppenliga - mit Mitte 40
Zehn Einsätze waren es am Ende. "Wir hatten den Deal mit Trainer und Team: Ich spiele mit, aber muss mich nicht warmmachen. Vor dem Spiel in Weilbach dachte ich, ich würde ohnehin von der Bank kommen, plötzlich stellte Adi mich auf die Sechs", erinnert sich El Funte. Dem dann ausgerechnet im Spiel bei der SG Germania sogar ein Treffer gelang - mit kurioser Pointe: Germania-Vereinschef Vassily Anagnostakis, der mit El Funte gemeinsam bei den Schiersteiner AH spielt, hatte vor der Partie gefrotzelt, er würde dem Gegner eine Kiste Bier spendieren, sollte El Funte treffen - und lieferte hinterher wie versprochen. Was angesichts des 16:3-Erfolgs der Germanen wohl zu verschmerzen war.
Krachende Niederlagen waren für Niederseelbach in der Gruppenliga beinahe im Wochenrhythmus zu ertragen. Ohnehin: Die Umstände rund um die Gruppenliga-Saison und der jüngsten Trennung von Trainer Alex Krebs, der daraufhin auch seinen Posten als sportlicher Leiter abgab, stimmen El Funte nachdenklich. Der 46-Jährige ist mit Krebs freundschaftlich verbunden und sah sich in den Umständen der Trennung, die ihm Krebs geschildert hatte, in seiner These bestätigt, wonach Trainer oft "respektlos" behandelt würden.




Zur Serie: In dieser Reihe porträtieren wir in unregelmäßigen Abständen bekannte Trainer aus der Region, die aktuell nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Ihr habt Vorschläge für einen Protagonisten, der Teil der Serie werden soll? Dann mailt uns an fupa@vrm.de!