2024-05-24T11:28:31.627Z

Interview
Merkur-Mitarbeiter Robert M. Frank (li.) im Gespräch mit Türkgücü-Präsident Taskin Akkay.
Merkur-Mitarbeiter Robert M. Frank (li.) im Gespräch mit Türkgücü-Präsident Taskin Akkay. – Foto: Robert M. Frank

Grünwalder Stadion für Türkgücü München zu teuer – Akkay: „Der Traum wäre ein Zuhause“

2. Teil des großen Interviews

Taskin Akkay will mit Türkgücü München weiterhin Regionalliga spielen. Doch dafür braucht es ein neues Stadion, fordert der Präsident.

München – 2. Teil des Interviews mit Taskin Akkay. Vor dem Auftakt der Regionalliga-Restrunde am Samstag gegen den TSV Aubstadt (wir berichten live aus dem Grünwalder Stadion) spricht der Türkgücü-Präsident im Interview mit dem Münchner Merkur über die Jugendarbeit an der Heinrich-Wieland-Straße, die Notwendigkeit eines Regionalliga-tauglichen Stadions und die finanziellen Voraussetzungen, um dauerhaft in Bayerns höchster Spielklasse mitmischen zu können.

Welche Rolle spielt das Konzept mit türkischstämmigen Spielern?

Akkay: Es spielt eine Rolle in unserem Verein, das ist fakt. Aber natürlich ist es in der Regionalliga sehr schwer, eine Mannschaft mit rein türkischem Migrationshintergrund zusammenzustellen. Dafür ist die Qualität in der Masse nicht gegeben. Deswegen wird es dankenswerterweise immer einen gemischten und bunten Fußballerhaufen geben. Das ist auch die Besonderheit unseres Vereins, mit dem sich viele identifizieren.

„Junge, neue Spieler sollen das Ziel haben, Türkgücü als Sprungbrett zu sehen.“

Taskin Akkay

Woran wollen Sie das konkret festmachen?

Akkay: Man sieht zum Beispiel, dass das Konzept bei unserer U19-Bayernligamannschaft mit vielen Spielern mit Migrationshintergrund aus dem Münchner Osten funktioniert. Wir haben viel Potenzial mit dieser neuen Linie. Junge, neue Spieler sollen das Ziel haben, Türkgücü als Sprungbrett zu sehen. Letztes Jahr haben wir zwei Spieler erfolgreich in die Türkei in die 2. Liga transferieren können.

Inwieweit steht das Jugendkonzept auf nachhaltigen Beinen?

Akkay: Unsere U19 und U17 spielen in einer guten Liga, die Mannschaften darunter im Kreisligabereich und gehören somit nicht zu den schlechtesten. Dabei soll die U19 soll dabei unser Zugpferd sein. In den Freundschaftsspielen der Regionalligamannschaft haben wir aus dieser Strategie heraus auch bereits einige Jugendspieler integriert. Klar könnte man viel stärker die Jugendarbeit ausbauen, aber wir haben ja derzeit nicht einmal genügend Trainingszeiten für die E-Jugend auf der überlaufenen Anlage zur Verfügung.

„Für den Regionalliga-Betrieb benötigen wir ein wirtschaftlich machbares Stadion, in dem wir Einnahmen generieren können.“

Taskin Akkay

Wo will Türkgücü mittel- und langfristig hin?

Akkay: Der Traum wäre ein Zuhause: eine Spielstätte und einen Ort, in dem Türkgücü München uneingeschränkte Trainingseinheiten von der E-Jugend bis zur U19, über Damen bis zu den Herren bekommt. Für den Regionalliga-Betrieb benötigen wir ein wirtschaftlich machbares Stadion, in dem wir Einnahmen generieren können.

Ist ein Abstieg bei der anhaltenden Stadion-Thematik aber nicht vorprogrammiert?

Akkay: Wenn man sportlich absteigt, ist das ein normaler Lauf der Dinge, aber eben nicht aus technisch zwanghaften Gründen. Wenn wir nächstes Jahr kein Stadion als Spielort haben, sind wir technisch abgestiegen. Deswegen werden wir vorsorglich auch die Bayernliga als Spielklasse zusätzlich beantragen. Wir wünschen, dass diese Thematik zusammen mit der Sportpolitik gelöst werden kann.

„Die Stadionfrage hat mich mittlerweile bis nach Seligenporten geführt.“

Taskin Akkay

Was stimmt Sie dabei hoffnungsvoll?

Akkay: Spätestens wenn zum Beispiel eine Damen-Mannschaft wie Wacker in den Profibereich aufsteigt, kommt das Stadionthema wieder auf den Tisch. Das Dantestadion bringe ich bei der Stadtverwaltung immer ein. Das ist ein Tabu-Thema, da sind die Munich Cowboys und Schulsport und ist kein Platz für Türkgücü, heißt es immer. Die Stadionfrage hat mich mittlerweile bis nach Seligenporten geführt.

Braucht es bei 500 Zuschauern überhaupt ein solches Stadion?

Akkay: Ein so großes Stadion wie das Grünwalder braucht es definitiv nicht. Ein Stadion mit einer Kapazität von 3.000 Zuschauern würde auch ein gutes Stadion sein. Es gibt ohnehin im Großraum München viele Vereine mit kompakten Stadien, die Kriterien für die Regionalliga erfüllen. So ein kompaktes Stadion in München würde die Zuschauer anziehen.

„Es ist geplant, den Spielbetrieb zu Ende zu spielen.“

Taskin Akkay

Wie lauten die kurzfristigen Saisonziele?

Akkay: Es wird im wahrsten Sinne sportlich für uns. Es ist geplant, den Spielbetrieb zu Ende zu spielen. Die Manpower ist aus bekannten Gründen nur wenig vorhanden. Wir versuchen, den Spielbetrieb mit einer kleinen Mannschaft von vier bis fünf Verantwortlichen zu meistern. Wir schaffen das, auch wenn es eine harte Nummer wird. Wir werden versuchen, verschiedene Wege zu gehen, um den einen oder anderen Euro zu sparen. Wenn wir das bis zur Lizenzierung hinbekommen, ist das gut. Wenn nicht, dann müssen wir eine andere Entscheidung treffen.

Dann hätten Sie aber ihren Kampf doch verloren …

Akkay: Es wäre schade, wenn man die Regionalliga aus Gründen der Infrastruktur und zu kostenintensiven Betriebsausgabe abgeben müsste. Sportlich könnten wir uns vorstellen, die Regionalliga zu halten. Wirtschaftlich auch, aber nicht mit diesem Damoklesschwert der Stadionkosten. Wir werden die Lizenz technisch beantragen und ein Stadion einreichen. Um die Konditionen werden wir bis zum Schluss kämpfen. Die Regionalliga-Mannschaft wird sich sehr stark mit jungen Spielern rekrutieren und soll finanziell darstellbar sein. (Interview: Robert M. Frank)

Aufrufe: 022.2.2024, 09:18 Uhr
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