2024-04-19T07:32:36.736Z

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Das Sportgeflüster von Dieter Priglmeir
Das Sportgeflüster von Dieter Priglmeir – Foto: hep

Erdings Sportler und ihre perfekten und verhunzten Tage

DAS SPORTGEFLÜSTER

Weltmeister oder Watschnkönig - da haben mir unsere Athletinnen und Athleten einiges erzählt.

Gratulation zur 400er-Serie, Maxi Dallinger, was für ein Wettkampf. Neben Gold und Meisterschaften ist es wohl das, wovon ein Sportler träumt: der perfekte Wettkampf. Aber gibt’s den eigentlich? Und wie schaut der aus?

Bei Markus Kalb hat das auch was mit der Landschaft zu tun. Er schwamm im Schliersee, radelte durch „die atemberaubende Kulisse der bayerischen Bergwelt“ und lief entlang des Spitzingsees. „Es ist die schönste Triathlonkulisse Deutschlands“, schwärmt Kalb vom Alpen-Triathlon, „aber auch die anstrengendste“. Vom ersten bis zum letzten Moment war er im roten Bereich, aber Triathleten lieben das ja. Was den Tag endgültig perfekt gemacht hat: Der Erdinger qualifizierte sich dann auch noch für die WM in Hamburg.

Landschaftlich ist der Rotsee das Non-Plus-Ultra für die Ruderer. Weltmeister Oliver Zeidler sagt zwar: „Das perfekte Rennen suche ich noch“, aber beim Weltcup in Luzern sei er schon nah dran gewesen. Er habe „den wohl besten Endspurt aller Zeiten gewonnen“, aber er sehe „im Mittelteil noch Chancen für Verbesserungen, um wirklich das perfekte Rennen zu fahren.“ Wir hätten da einen Termin für ihn: 3. August, Olympia-Finale in Paris.

Terminlich perfekt hat es Emma Winter getroffen. Die Kickboxerin wurde exakt an ihrem 18. Geburtstag Junioren-Europameisterin, denn zum Leidwesen ihrer Gegnerin war die Hohenpoldingerin auch in puncto Kicks und Schläge sehr treffsicher. Sehr zur Freude von Trainer Peter Lutzny, „konnte ich alles umsetzen, was ich im Training gelernt habe. Auch die Taktik ist perfekt aufgegangen“. Das war 2018.

Die Junioren-EM in Palermo ist dagegen für Tuan Dang schon 18 Jahre her, aber der Gewichtheber erinnert sich gern daran. „Ich habe ohne Fehlversuche im Reißen und Stoßen mit neuen Bestleistungen Bronze gewonnen.“ Der Trick: Nationaltrainer Manfred Nerlinger habe ihm künstliche Daumennägel ankleben lassen, „damit ich die Hantel fester greifen kann“, erzählt der Erdinger. Hat funktioniert, „seitdem lasse ich mir immer die Daumennägel etwas länger wachsen“. Dang erinnert sich aber auch an seinen schwärzesten Tag: „2003 war die Jugend-EM in Dortmund.“ Von wegen Heimvorteil, im Reißen habe er alle drei Versuche an 70 kg vergeigt und hatte somit keine gültige Wertung. „Das war das erste und einzige Mal, das mir das passiert ist“, sagt er und erklärt das Missgeschick: „Ich habe relativ kleine Hände, mir ist im Reißen die Hand aufgegangen in den Versuchen.“

Womit wir schon mitten drin sind beim anderen Thema: der total verhaute Tag. Manchmal ist es kompliziert. Wie etwa bei meinem Kollegen Wolfgang Krzizok, der mal drei Tore für den FC Langengeisling schoss, sein Team aber 3:6 verlor.

Was ist der Unterschied zwischen „perfekt“ und „voll daneben“? Bei Mona Mayer sind es 2,35 Sekunden. Bei der U23-EM in Tallinn ging sie die Stadionrunde so schnell an, dass sie bei 200 Meter schneller war als jemals zuvor bei einem Sprintwettkampf. Das Blöde war, dass sie jetzt weitere 200 Meter laufen musste. Man kann sich denken, dass gerade die letzten 100 richtig schwer würden, „aber ich bin auf einer Welle geschwebt“, erzählt die Hörlkofenerin. Die Zeit stoppte bei 52,25 sec – und nicht bei 54,6 wie an einem deutlich schlechteren Tag in Regensburg. Da war’s so: Start verschlafen, Beschleunigung verpennt, „und die letzten 100 Meter wurden sehr lang und schmerzhaft“.

Ex-Löwen-Profi Stefan Lex erinnert sich auch nicht gern an das Pokal-Aus der Sechzger in Aschaffenburg, zumal er sich auch noch nach 20 Minuten das Syndesmoseband gerissen hat. Es gibt Tage, da läuft eben überhaupt nichts.

Es gibt aber auch Tage, die fangen ganz gut an. Wie etwa bei Ski-Ass Christiane Santen, die bei der Masters-DM im Super G einen perfekten Lauf mit Bestzeit hingelegt hat. „Ich habe aber nicht geblickt, dass es mangels ausreichender Streckenlänge einen zweiten Lauf gibt.“ Sie habe gemütlich im Ziel gegessen, als es hieß: „Start in fünf Minuten!“ Was das für die Wartenbergerin hieß? „Schnell hoch, Klamotten wechseln, Start und völlig verpeilt runter gefahren.“ Der Sieg war weg. Immerhin wurde es noch Rang zwei.

Die Platzierung von Maxi Dallinger bei der Kleinkaliber-EM in Baku in seinem ersten Jahr bei den Erwachsenen schenken wir uns hier. Die Lektion war schmerzhaft genug. Am windigsten Schießstand der Welt sollte man den Dreistellungskampf möglichst schnell absolvieren, „weil es doch sehr kräftezehrend ist“, erzählt er. „2017 waren es außerdem noch dreimal 40 Schuss, und nicht wie jetzt dreimal 20“. Aber der junge Mann ließ sich kniend und liegend Zeit, „und dann hatte ich keine Körner mehr. In der letzten Stehend-Serie hat’s mich komplett verlassen. Wenn der Körper dann auf den Wind kommt, da hat’s von rechts und von links eine Schell’n geben“, erinnert er sich. Statt Zehner waren es plötzlich Achter und auch einige Siebener. „Ich weiß, dass ich auch eine Sechs geschrieben habe.“ Eine Sechs – die ist selten perfekt, höchstens im Lotter- äh Lottoleben.

Aufrufe: 017.2.2024, 08:51 Uhr
Dieter PriglmeirAutor