„Abgezockt und effizient“: Muhammed Aslan (FSV) eröffnete den Torreigen. | Foto: Achim Keller
„Abgezockt und effizient“: Muhammed Aslan (FSV) eröffnete den Torreigen. | Foto: Achim Keller

Bissiger FSV Rheinfelden überrollt den FC Zell mit 8:1

Der FSV Rheinfelden hat ein Torfestival gefeiert. Beim FC Zell siegt der Landesligist mit 8:1. Trainer Lars Müller kritisiert den Auftritt seiner Zeller nach der Pause: „Wir haben zu wenig Haltung gezeigt.“

Das Schöne am Sport ist seine Unberechenbarkeit. Die Fußball-Landesliga beispielsweise hat in schöner Regelmäßigkeit überraschende Resultate parat. Binnen einer Woche kann sich für eine Mannschaft alles umkehren. So hätte der FSV Rheinfelden zuletzt beim 0:0 gegen den SV Kirchzarten nochmal 90 Minuten dranhängen können, an diesem Tag sollte wohl einfach kein Tor gelingen. Nun aber, beim FC Zell, reichten 90 Minuten für ein Torfestival. Als der Schlusspfiff ertönte, stand es 8:1 (3:1) für die Rheinfelder.

„Wir haben sehr viele Sachen sehr gut umgesetzt“, fiel Musa Muslius Fazit wenig überraschend positiv aus. Und im Vergleich zum torlosen Remis gegen Kirchzarten, so konstatierte der FSV-Trainer, „war der unbedingte Wille, gewinnen zu wollen, mehr zu spüren“. So geschmeidig es für die Rheinfelder lief, so bitter endete das Duell für den Aufsteiger aus Zell, der eine Woche zuvor noch 4:2 beim SV Weil gewonnen hatte. „Das Glück, das wir vielleicht dort hatten, lief diesmal gegen uns“, meinte FCZ-Coach Lars Müller.

Müller vermisst bei seiner Elf die Giftigkeit und Galligkeit

„Wir haben gegen einen guten Gegner gespielt, der sehr effizient und abgezockt war“, sagte der Zeller Trainer. Und er hätte sich noch mehr jener Attribute, die die Rheinfelder auf den Platz brachten, auch bei den Seinen gewünscht. Bei seiner Elf vermisste Müller „die Giftigkeit und Galligkeit“, während die Gäste in den Zweikämpfen bissiger gewesen seien. „Wenn sie den Ball verloren haben, sind sie bissig hinterher“, so Müller, zudem habe der FSV seine Aktionen „sehr entschlossen zu Ende gespielt“.

Musliu sah seine Elf im Vorteil, „bis auf eine Phase von zehn bis 15 Minuten, in der wir die Kontrolle abgegeben und den Gegner ins Spiel gebracht haben“. In diese Phase vor dem Pausenpfiff sei auch der 1:2-Anschlusstreffer der Gastgeber durch Kevin Weiß (42.) gefallen, „wir ließen Zell zu zwei, drei Möglichkeiten kommen“, bemängelte Musliu. Doch den möglichen Ausgleich verpassten die Grün-Weißen, stattdessen stellte Ivan Atlija unmittelbar vor der Pause auf 3:1. Dies „nach der dritten Ecke in Folge, die wir nicht klären können“, so Müller.

Der Zeller Coach musste die Fehler seiner Elf kritisieren, die die Gegentore begünstigten. Wie beim 0:1 durch Muhammed Aslan, als sich zwei Verteidiger durch eine Fehlkommunikation umrannten (7.). Später erhöhte Tunahan Kocer an alter Wirkungsstätte auf 2:0 (37.).

Die Partie sah Müller in zwei Hälften unterteilt, „die erste Halbzeit kann auch 3:3 ausgehen“. Doch nach der Pause gerieten die Gastgeber unter die Räder, binnen drei Minuten sorgten Jeremy Stangls verwandelter Strafstoß und Kocers zweiter Treffer des Tages für eine 5:1-Führung des FSV (56.). Es sei nach solch einem Rückstand natürlich schwer, meinte Müller, die Leistung aber „war danach nicht akzeptabel. Wir haben zu wenig Haltung gezeigt, zu viele Spieler haben den Kopf in den Sand gesteckt und waren zu passiv“.

Hinzu kam, dass Zells Schlussmann Christian Rapp wegen einer Notbremse die Rote Karte sah. So kam Lukas Graß zu seinem Landesliga-Debüt, der 20 Jahre alte Torhüter konnte sich auszeichnen, indem er einen Handelfmeter von Serkan Korkmaz parierte (82.). Nicht verhindern konnte Graß indes, dass die Gäste ihren Sieg sukzessive noch auf 8:1 in die Höhe schraubten.

So war Musliu rundum zufrieden, allen voran „mit der Spielkontrolle mit und gegen den Ball“. Zudem „war die Präsenz in der Box in unseren Offensivaktionen permanent gegeben“, sah der Rheinfelder Coach „auch schön herausgespielte Tore“. Und was blieb als Resümee für Lars Müller? „Wir waren 45 Minuten nicht die schlechtere Mannschaft“, für den Zeller Trainer fiel die Niederlage „ein paar Tore zu hoch“ aus. Letztlich, so befand Müller, „kannst du verlieren. Aber es kommt auf das Wie an – und das hat nicht gepasst“.

FC Zell - FSV Rheinfelden 1:8 (1:3)
FCZ: Rapp; Walch, Philipp, Amoruso (27. Eckert), Ruf; Lais, Krumm, Gerspacher, Reiß (58. Muto); Boos (64. Graß), Weiß (58. Heininger). FSV: O. Ozan; Salli, Korkmaz, W. Kassem, Guglielmelli (67. Koyuncu); Aslan (74. Mastrangelo), A. Kassem, Atlija, Kittel; Stangl (71. De Franco), Kocer (58. Semenschuk). Tore: 0:1 Aslan (7.), 0:2 Kocer (37.), 1:2 Weiß (42.), 1:3 Atlija (45.+1), 1:4 Stangl (53./HE), 1:5 Kocer (56.), 1:6, 1:7 beide Kittel (71., 78.), 1:8 De Franco (87.). Schiedsrichter: Löffler (Rheinhausen). Zuschauer:300. Rot: Rapp (64./Notbremse). Bes.: Graß (82./beide FCZ) hält HE von Korkmaz.

Aufrufe: 06.11.2022, 21:51 Uhr
Matthias Konzok (BZ)Autor