Soll das Ruder beim FC Phönix München mit seiner Erfahrung noch herumreißen: Bernd Weiß Markus Nebl
Soll das Ruder beim FC Phönix München mit seiner Erfahrung noch herumreißen: Bernd Weiß Markus Nebl

Kult-Trainer Bernd Weiß: „Habe mich länger mit Guardiola unterhalten“

60-Jähriger übernimmt den FC Phönix München

Bernd Weiß ist der neue Trainer des FC Phönix München. Im Interview spricht der 60-Jährige über die neue Aufgabe und schaut zurück in die Vergangenheit.

Sie sind der neue Trainer des FC Phönix München. Wie kam der Kontakt zustande?

Der Verein hat sich bei mir gemeldet. Wieso genau, weiß ich gar nicht. Ich vermute, sie hatten meine Nummer von ein paar Jungs aus dem Verein, die ich noch aus meiner Zeit bei Türkgücü München kenne. Ich habe mir eine Woche Bedenkzeit erbeten, bevor ich zugesagt habe. Es war mir wichtig, mir selbst erst einmal ein Bild von allem zu machen. Mir waren weder die Mannschaft, noch die Liga vorher besonders bekannt.

Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt bereits acht Zähler. Wieso tun Sie sich so eine Herkulesaufgabe mit 60 Jahren an?

In den 35 Jahren Trainertätigkeit waren vier Monate meine längste Zeit ohne Verein. Ich liebe einfach diesen Sport. Am FC Phönix reizt mich besonders die Aufgabe, aus dieser Mannschaft mehr herauszuholen. Die Qualität der Einzelspieler ist definitiv vorhanden.

Besteht Ihre Aufgabe nur darin, die Mannschaft vor dem Abstieg zu retten oder könnte auch ein längerfristiges Projekt entstehen?

Darüber haben wir uns noch gar nicht wirklich unterhalten. Wir werden uns in den nächsten Tagen in Ruhe zusammensetzen. Jetzt geht es erst einmal darum, dass wir dringend punkten müssen.

“Die Hoffnung ist immer da“

Sie sind seit 35 Jahren Trainer. Wie lange möchten sie diese kräftezehrende Aufgabe noch ausführen?

Ich lasse das ganz entspannt auf mich zukommen. Im vergangenen Jahr habe ich eine neue Hüfte eingesetzt bekommen, seitdem fühle ich mich fitter. Solange Vereine noch Interesse an mir haben und die Spieler meine Anweisungen aufnehmen, werde ich weitermachen.

Es stehen in den nächsten Tagen schwierige Auswärtsspiele in Penzberg und Brunnthal an. Was macht ihnen Hoffnung, bei den Spitzenteams zu punkten?

Es kommen drei wichtige Spieler zurück, die verletzt waren. Wir mussten deswegen zuletzt unsere Defensive extrem umbauen. Außerdem: Die Hoffnung ist immer da, obwohl es natürlich schwierig wird.

In Ihrer langen Karriere waren sie für zahlreiche Vereine verantwortlich, welche Station war für Sie rückblickend die schönste?

Schwierig zu sagen. Ich entscheide mich für meinen Heimatverein TSV 1860 Rosenheim, mit dem ich am meisten verwurzelt bin. Ich habe dort vom Spieler bis zum Manager alles durchlaufen und war insgesamt zehn Jahre tätig. Die besten Rahmenbedingungen in meiner Zeit als Trainer hatte ich beim FC Ismaning.

"Problematisch wird es, wenn der Geldgeber die Lust verliert"

Wie schaffen Sie es, sich nach so langer Zeit im „Trainer-Business“ immer wieder für neue Aufgaben zu motivieren?

Die größte Motivation ist einfach der Sport selbst. Der Fußball hat sich natürlich in dieser Zeit extrem verändert. Als Trainer geht man diese Entwicklung natürlich mit. Da ich zu früheren Zeiten beim FC Bayern München gespielt habe, kenne ich dort noch viele Leute. Das gab mir die Möglichkeit, mich sowohl mit Pep Guardiola, als auch mit Louis van Gaal eine Weile über Fußball zu unterhalten. In diesen Gesprächen habe ich unheimlich viel Neues über den Fußball erfahren und gelernt.

Ihr Ex-Verein Türkgücü München ist im Moment in aller Munde. Der Verein möchte in den Profifußball. Verfolgen sie das und was sagen Sie zur aktuellen Situation des Klubs?

Natürlich, ich verfolge alle meine alten Vereine. Wir wollten damals vor ca. 20 Jahren ebenfalls in den Profifußball und sind damals knapp vor dem Ziel am 1. FC Nürnberg gescheitert. Es scheint mit der offensichtlich vorhandenen Finanzkraft und den richtigen Leuten aktuell wirklich etwas voranzugehen bei Türkgücü. Ich sehe das Ganze auch nicht kritisch. Sie haben mit Schweinfurt zum Beispiel einen Konkurrenten, der ebenfalls unter Profibedingungen arbeitet. Problematisch wird es nur, wenn die Geldgeber nach drei oder vier Jahren die Lust verlieren und der Verein dann in Trümmern liegt.

Aufrufe: 023.10.2019, 16:11 Uhr
Marco Blanco Ucles / Münchner Merkur / Redaktion FAutor