Zu einem folgenschweren Polizein-Einsatz kam es im Regionalliga-Derby zwischen Türkgücü und Bayern München II
Zu einem folgenschweren Polizein-Einsatz kam es im Regionalliga-Derby zwischen Türkgücü und Bayern München II – Foto: Imago / Lackovic

Abbruch-Skandal im Derby - Spitzenduo feiert Last-Minute-Siege

22. Spieltag: Duell zwischen Türkgücü und Bayern II musste wegen eines Polizeieinsatzes abgebrochen werden

Mit einem Sparprogramm - die Partien in Vilzing, Eichstätt, Nürnberg und Schweinfurt konnten nicht stattfinden - musste der 22. Spieltag der Regionalliga Bayern über die Bühne gehen. Überschattet wurde der Regionalliga-Samstag vom Spielabbruch beim Derby zwischen Türkgücü und dem FC Bayern München II, bei dem es zu einem heftigen Polizeieinsatz kam. Im Fernduell um den Titel liefern sich die SpVgg Unterhaching (1:0 gegen den FC Augsburg II) und die Würzburger Kickers (2:1 beim FC Pipinsried) weiter ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Einen 3:1-Heimerfolg im Mittelfranken-Derby gegen die SpVgg Greuther Fürth II feierte die SpVgg Ansbach, die damit ebenso wie der TSV Buchbach (3:2 gegen den TSV Rain/Lech) wichtige Punkte im Rennen um den Ligaverbleib sammelte. Nichts anbrennen ließ der SV Viktoria Aschaffenburg, der das Schlusslicht SV Heimstetten souverän mit 3:0 in Schach hielt.



Die Hausherren machten von Beginn an Dampf und forderten in der 14. Spielminute vergeblich einen Handelfmeter. Wenige Augenblicke später zeigte Schiedsrichter Philipp Götz nach einer Attacke an Manuel Mattera aber auf dem ominösen Punkt und Routinier Sammy Ammari verwandelte den Strafstoß sicher zur 1:0-Führung (15.). Die Oberbayern blieben am Gaspedal und legten umgehend nach: Ammari legte auf Leon Schmitt ab, der das Spielgerät humorlos zum 2:0 (18.) versenkte. Die Gäste wirkten geschockt und bekamen überhaupt nichts auf die Reihe. Kurz vor dem Seitenwechsel fiel bereits die Vorentscheidung: Alexander Spitzer bediente Philipp Walter, der per Kopf auf 3:0 (43.) erhöhte.

Trotz des klaren Rückstands ließen sich die Schwaben nicht hängen und Arif Ekin gelang mit einem Schuss aus 22 Metern, Buchbach fabrizierte zuvor nach einer Rainer Ecke einen Querschläger, ein Treffer (55.). Richtig spannend wurde es nochmal, als Johannes Wieselsberger einen unnötigen Elfmeter verursachte, den Ekin zum zweiten Tor der Blumenstädter (84.) versenkte. Am unterm Strich verdienten Buchbacher Sieg sollte sich aber in der verbleibenden Spielzeit nichts mehr ändern.



Im Derby mussten beide Teams mit einem äußerst schwierigen Geläuf zurecht kommen. Der Aufsteiger konnte sich zunächst wesentlich besser mit den komplizierten Bedingungen zurechtfinden und scheiterte durch Patrick Kroiß mit einem spektakulären Billardschuss an beiden Innenpfosten (16.). Besser macht es in Spielminute 33 Lukas Schmidt, der sich nach einem Zuspiel von Eric Weeger gekonnte behauptete und das 1:0 erzielte. Als das Kleeblatt einen Ecke nicht konsequent klären konnte, brachte die SpVgg das Leder nochmal vor die Kiste und mit einem herrlichen Fallrückzieher machte Niklas Seefried das 2:0 (43.).

Als Oldie Daniel Adlung mit einem gekonnten Drehschuss aus 15 Metern den Anschlusstreffer (62.) herstellte, wurde es nochmal richtig spannend. Mit einer tollen Einzelleistung gelang dem starken Kroiß jedoch das für seine Farbe erlösende 3:1 (69.), das Ansbach drei wichtige Zähler im Abstiegskampf bescherte.



Ganz hässliche Szenen spielten sich im Heimstettener Sportpark ab, wo das Derby zwischen Türkgücü und Bayern München II über die Bühne gehen sollte. Bereits nach zwei Minuten musste Schiedsrichter Simon Schreiner die Partie abbrechen. Wegner eines verbotenen Banners, das von Bayern-Fans aufgehängt wurde, kam es zu einer Eskalation, die es in der Regionalliga Bayern in dieser Form vermutlich noch nie gegeben hat. Erste Informationen zufolge handelt es sich um ein Banner des „FC Bayern Fan Club Kurdistan“, das von den Anhängern an einer Werbebande befestigt wurde. Kurdistan ist eine Region zwischen der Türkei, Syrien, dem Irak und Iran. Die betreffenden Staaten erkennen das Kurden-Gebiet politisch nicht als Staat an. Es kam zu einem Polizeieinsatz, in dem unter anderem Knüpel und Tränengas eingesetzt worden sein sollen. Scheinbar kam es dabei zu Verletzungen, denn sogar ein Krankenwagen wurde herbeigerufen. An Fußball war nicht mehr zu denken und folgerichtig wurde die Partie nicht mehr fortgesetzt. Ein rabenschwarzer Tag, der die Regionalliga Bayern erschüttert!



Ein verdienter Heimdreier der Aschaffenburger Viktoria im Duell gegens Regionalliga-Schlusslicht aus Heimstetten. Dabei sah es zunächst ganz ordentlich aus für die Oberbayern. Robert Manole vergab die beste SVH-Chance in Minute 30. Aus Kurzdistanz zielte er knapp am Kasten vorbei. Da war mehr drin! Auch insgesamt ließ der erste Durchgang etwas zu wünschen übrig. Vor allem, was gefährliche Aktionen der Viktoria betraf. Das sollte sich nach dem Seitenwechsel aber ändern. Mit der letzten Aktion des ersten Durchgangs erzielte Niklas Meyer nach schönem Zuspiel aus der Zentrale flach ins linke Eck den SVA-Führungstreffer (42.). Danach legte Aschaffenburg ne Schippe drauf. Klasse Flanke von Benedict Laverty von links, Nicolas Hebisch am Fünfer per Kopf, unhaltbar für den SVH-Schlussmann (72.). Heimstetten war nun endgültig auf der Verliererstraße. Joker Tom Schulz gelang in der Nachspielzeit sogar noch das 3:0 - per Heber über Maxi Riedmüller (90.+3). Ein am Ende doch noch hochverdienter Heimsieg der Viktoria!




Der Tabellenführer startete mit viel Schwung gegen den Bundesliga-Nachwuchs, der aber gut verteidigte und immer wieder durch Konter gefährlich war. Die Wagner-Equipe war zwar optisch überlegen, konnte sich allerdings in den ersten 45 Minuten nicht wirklich entscheidend in Szene setzen. Auch im zweiten Abschnitt machten es die Fuggerstädter richtig gut und erst in der Schlussphase kam der Leader stärker auf. In der 81. Spielminute hatten die 4.500 Zuschauer den Torschrei auf den Lippen, doch nach einer butterweichen Flanke visierte Christoph Ehlich aus kurzer Distanz nur den Pfosten an. Seine beeindruckende Endspurt-Qualität stellte der Tabellenführer dann kurz vor Spielende einmal mehr unter Beweis: Ein langer Abschlag von Rene Vollath ging auf Matthias Pietsch durch, der den Fauxpas der FCA-Defensive zum 1:0-Siegtreffer (87.) nutzte.



Der FC Pipinsried zeigte gegen den hohen Favoriten von Beginn an keinen Respekt und stellte die Unterfranken mit einer forschen Spielweise von Beginn an vor Probleme. Folgerichtig glückte dem Underdog nach einer völlig miglückten Kickers-Abwehraktion das 1:0, das Marvin Jike mit einer Direktabnahme aus fünf Metern gelang (22.). Erst nach einer halben Stunde kamen die Gäste besser in die Partie hatten aber Glück, dass Jike unmittelbar vor dem Pausentee am prächtig reagierenden Torhüter Marc Richter scheiterte. Erneut war es Jike, der einen Hochkaräter vergab, als er den Ball aus sechs Metern neben den Pfosten setzte (55.). Die Kickers erhöhten dann immer mehr den Druck, vergaben jedoch zunächst gute Einschussmöglichkeiten. Ahanna Francis Agbowo brachte das Kunststück fertig, das Leder aus kurzer Distanz über den Kasten zu knallen. Wesentlich besser machte es Dardan Karimani, der einen Abpraller aus 14 Metern zum 1:1-Ausgleich (72.) verwandelte. Wieder war es Jike, der nur zwei Minuten später einen Hochkaräter für den FCP liegen ließ. Auf der Gegenseite hatte Benyas Solomon Junge-Abiol den Lucky Punch auf dem Fuß, brachte den Ball aber nicht am stark reagierenden FCP-Schlussmann Felix Thiel (89.) vorbei. In der fünften Minute der Nachspielzeit kam es, wie es kommen musste: Aus dem Gewühl heraus erzielte Marius Wegmann nach einer unübersichtlichen Situation noch das allesentscheidende Tor. Pipinsried stand also trotz einer tollen Leistung am Ende mit leeren Händen da.
Aufrufe: 019.11.2022, 16:20 Uhr
Thomas SeidlAutor

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