Nach dem Saisonabbruch folgt die Unsicherheit
Montag 29.06.20 10:00 Uhr|Autor: Benjamin Kraus / Neue Osnabrücker Zeitung3.194
Amateurfußball in der Region (hier Georgio Knop für Viktoria GMHütte gegen den TV Neuenkirchen im Jahr 2017) - die Rückkehr in den Spielbetrieb ist weiter offen. Foto: Jörn Martens

Nach dem Saisonabbruch folgt die Unsicherheit

Amateurfußball: Aufgeblähte Ligen in der Pandemie - nun liegt der Ball bei der Politik
Die Prüfung der Umstände, Alternativen und rechtlichen Folgen hatte dreieinhalb Monate gedauert. Nun brauchte der Außerordentliche Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) nicht einmal die Länge eines Fußballspiels, um den Abbruch der sowieso fast schon in Vergessenheit geratenen Amateurfußballsaison 2019/20 zu verfügen. Die Folgen werden schnell klar. Die Auswirkungen des Beschlusses werden die Kicker aber noch lange beschäftigen – wohl über das Fußballjahr 2020/21 hinaus.


Von 291 beim Verbandstag in virtueller Form abgegebenen Stimmen entfielen 265 – und damit 91,1 Prozent – auf den Antrag des NFV-Verbandsvorstands, die Saison abzubrechen, per Quotientenregel zu werten und nur Aufsteiger, aber keine Absteiger zuzulassen. Es war der kleinste gemeinsame Nenner und innerhalb der Abbruch-Optionen die wohl fairste Lösung, die in der Corona-Pandemie stecken gebliebene Saison zu werten: Eine Annullierung (mit fast 95 Prozent der Stimmen abgelehnt) hätte gute Leistungen nicht nur von Topteams für komplett nichtig erklärt. Und eine Wertung mit Absteigern hätte all jene Mannschaften bestraft, die in der nun abgesetzten Rückrunde sportlich die Dinge geraderücken hätten können. 

Der TuS Berge hatte diese Idee dennoch eingebracht. Sie wurde – wie auch die mögliche und vom NFV-Präsidium ursprünglich sogar favorisierte Saisonfortsetzung – auf dem Verbandstag gar nicht mehr behandelt. Schon zuvor war der Grundsatz-Beschluss pro Abbruch nur mit Aufsteigern gefallen. Dieser Beschluss hat aber Folgen: die teils massive Vergrößerung der Spielklassen. Und die trifft den TuS Berge, dessen Männer im Bezirksliga-Mittelfeld die Saison beenden, als kleiner Club in geografischer Randlage im Kreis noch härter als alle anderen.

So hätte die Bezirksliga der Männer in der neuen Saison mit 19 Teams an den Start gehen müssen anstatt mit 16 als Sollzahl – drei Auswärtsfahrten mehr für die Berger wie auch drei Heimspiel-Termine, potenziell abends oder im Winter bei nicht vorhandener Ausstattung mit Kunstrasen oder nur partiellem Flutlicht. Der freiwillige Rückzug des SC Türkgücü in die Kreisliga lindert das Problem nur ein wenig und nur in dieser Liga. Vor allem im sportlichen Mittelbau auf Bezirks- und Landesebene und in den höchsten Ligen des Kreises sind grundsätzlich alle Vereine davon betroffen – und das in Zeiten der nach wie vor nicht gebannten Corona-Pandemie: Sollte die Politik Wettbewerbs-Fußball in der Breite demnächst tatsächlich legalisieren, sind dennoch immer wieder Spielabsagen infolge regionaler Lockdowns wie aktuell in Gütersloh denkbar – mindestens.

So dürften zumindest die Spielausschüsse der Oberliga (20 Teams), wo der TuS Bersenbrück verbleibt, sowie der Landesliga (21 Teams), wo neben dem SC Melle und dem VfR Voxtrup künftig auch wieder der SV Bad Rothenfelde am Start ist, ähnliche Ideen prüfen, wie es die Verantwortlichen für die auf 22 Teams angewachsene Regionalliga Nord tun: Die Teilung der Liga in zwei Staffeln, deren Austragung eine Meister- und eine Abstiegsrunde folgt. Sicher ist: Die kommende Saison wird allen Amateurfußballern ein Höchstmaß an Flexibilität und Kompromissbereitschaft abverlangen. Und ein Kennzeichen sicher nicht tragen, das zuletzt das Hauptargument für den nun beschlossenen Saisonabbruch war: Planungssicherheit.

Sportlich rücken in die Bezirksliga nun der Osnabrücker SC (Meister Kreisliga Stadt), der SV Bad Laer (Meister Kreisliga Süd, nach Quotientenregel knapp vor dem TuS Hilter) und der TuS Eintracht Rulle auf: Der Club, seit 2011/ 12 stets zwischen Rang zwei und Rang fünf eingelaufen, streift sein Image des knappen Scheiterns als überlegener Meister der Kreisliga Nord mit 17 Siegen aus 18 Spielen eindrucksvoll ab. Bei den Frauen freut sich auch der OSC über den Aufstieg: in die Regionalliga, wo das Team neben der TSG Burg Gretesch künftig den zweiten regionalen Vertreter stellt.

„Ich bin wirklich guten Mutes, dass die Monate der Ungewissheit bald enden werden und wir Fußball nicht nur im Training, sondern auch wieder unter Wettkampfbedingungen spielen können“, sagte NFV-Präsident Günter Distelrath. In der Tat liegt jetzt der Ball erst mal bei der Politik.

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Der Saisonabbruch im Amateurfußball bei gleichzeitiger Wertung mit Aufsteigern und ohne Absteiger vergrößert für die kommende Saison viele Spielklassen – vor allem in der mittleren Ebene zwischen Vierter und Siebter Liga. Im Folgenden die Zusammensetzung der Staffeln in der Region von der Oberliga Niedersachsen bis zur Kreisliga. 

Oberliga, 20 Teams: VfL Oldenburg, Egestorf-Langreder, SC Spelle-Venhaus, SC Heeslingen , Eintr. Celle, TuS Bersenbrück, FT Braunschweig, MTV Gifhorn, Kickers Emden, Lupo Martini Wolfsburg, Arminia Hannover, FC Hagen/Uthlede, TB Uphusen, Eintracht Northeim, HSC Tündern, MTV Wolfenbüttel, BW Lohne (Auf), SVG Göttingen (Auf), Ramlingen-Ehlershs. (Auf), Rotenburger SV (Auf). 
Landesliga, 21 Teams: SC Melle, VfL Oythe, Holthausen/Biene, TV Dinklage, SV Bevern, Germania Leer, VfL Wildeshausen, BV Cloppenburg, BV Essen, FC Schüttorf, VfR Voxtrup, GW Firrel, GW Mühlen, BW Papenburg, SV Steinfeld, Union Lohne, Westrhauderfehn (Auf), Fr. Wilhelmshaven (Auf), Sparta Werlte (Auf), Hansa Friesoythe (Auf), SV Bad Rothenfelde (Auf). 
Bezirksliga, 18 Teams: BW Hollage, FC Kalkriese, SSC Dodesheide, TSV Wallenhorst, Viktoria Gesmold, BSV Holzhausen, SF Lechtingen, Quitt Ankum, SC Lüstringen, Viktoria GMHütte, TuS Berge, Concordia Belm-Powe, SC Glandorf, Quakenbrücker SC, SC Rieste, Osnabrücker SC (Auf), Eintracht Rulle (Auf), SV Bad Laer (Auf).  
Kreisliga Süd, 17 Teams: TuS Hilter, Hagener SV, TuS Borgloh, SV Wissingen, VfL Kloster Oesede, TV Wellingholzhausen, SuS Vehrte, SC Melle II, TuS Glane, Spvg. Niedermark, Sportfreunde Oesede, TSV Riemsloh, TV Neuenkirchen, SG Hankenberge-Wellendorf, TSG Dissen, Gaste-Hasbergen (Auf), SG Wimmer Lintorf (Auf). 
Kreisliga Nord, 17 Teams: BW Merzen, FCR Bramsche, TSV Venne, Eintracht Neuenkirchen, TV Bohmte, TuS Bersenbrück II, SG Voltlage, BW Hollage II, Spvg. Fürstenau, SV Alfhausen, SC Achmer, Hunteburger SV, SG Ostercappeln/Schwagstorf, TSV Wallenhorst II, SC Epe/Malgarten, SV Nortrup (Auf), TSV Ueffeln (Auf). 
Kreisliga Stadt, 17 Teams: SC Türkgücü*, SV Hellern, RW Sutthausen, SSC Dodesheide II, SV Rasensport, BW Schinkel, VfR Voxtrup II, Piesberger SV, TuS Haste, TuS Nahne, SV Kosova, Spielverein 16, SV Eintracht, TSG Burg Gretesch, VfB Schinkel, BS Eversburg (Auf), Osnabrücker SC II (Auf). 
*Der SC Türkgücü zieht sich freiwillig aus der Bezirksliga in die Kreisliga zurück.

Tabelle
1. VfV Hildesh. 2140 53
2. SV Atlas Del 2329 51
3. VfL Oldenb. (Ab) 2225 47
4. Egestorf-L. (Ab) 2228 46
5. Spelle-Ve. 2433 45
6. Heeslingen 2313 37
7. Eint. Celle (Auf) 212 29
8. Kick. Emden (Auf) 19-3 24
9. Bersenbrück 20-6 25
10. MTV Gifhorn 20-1 24
11. SV Arminia H 21-7 23
12. LM Wolfsburg (Ab) 22-6 23
13. FT Braunschw (Auf) 24-14 25
14. TB Uphusen 21-9 21
15. Hagen/Uthl. 22-34 22
16. Northeim 23-29 19
17. MTV Wolfenbü 20-28 16
18. HSC Tündern (Auf) 24-33 17
Wertung gemäß Quotientenregel: Erreichte Punkte dividiert durch absolvierte Spiele
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