2024-05-28T12:27:18.299Z

Ligabericht
Manfred Gröber wurde am Freitagabend auf dem Platz von einem Zuschauer attackiert.
Manfred Gröber wurde am Freitagabend auf dem Platz von einem Zuschauer attackiert. – Foto: Charly Becherer

Zuschauer attackiert Gröber: Aiglsbach - Schierling hat ein Nachspiel

Die beiden Vereine äußern sich zu den Vorkommnissen am Freitagabend

Ein unrühmlichs Ende hat am vergangenen Freitagabend die Bezirksliga-Partie zwischen dem TV Aiglsbach gegen den TV Schierling genommen. 260 Zuschauer sahen in der Sommerau eine spannende Partie, am Schluss mit fadem Beigeschmack: In der Nachspielzeit eskalierte die Situation. Die Emotionen kochten hoch, eine Rudelbildung war die Folge. Trauriger Höhepunkt: Ein Zuschauer sprang in den Innenraum und beförderte Aiglsbachs Torjäger Manfred Gröber wüst zu Boden. Wir haben bei beiden Teams nachgefragt, wie es dazu kommen konnte:


Der Sonderbericht von Schiedsrichter Maximilian Prechtl lässt kaum Zweifel offen. Darin heißt es, der beschuldigte Zuschauer habe das Spielfeld in "äußerst aggressiver Art und Weise" betreten, "lief direkt auf Herrn Manfred Gröber zu" und brachte durch Körpereinsatz und Zuhilfenahme der Hände den Spieler zu Fall.

Der Übeltäter wurde im Anschluss sofort vom Aiglsbacher Ordnungsdienst von der Sportanlage eskortiert. "Ein absolutes Unding. Das geht nicht, sowas darf einfach nicht passieren. Emotionen ja, aber wir haben alle irgendwo auch eine Vorbildfunktion für die Jugend", sagt Aiglsbachs Sportlicher Leiter Josef Bergermeier mit ein paar Tagen Abstand. Wie hat er die Eskalation erlebt? "Ich bin auf unserer Auswechselbank gesessen und konnte alles genau sehen. Der Ball rollte ins Aus, wir hätten Einwurf gehabt und wollten das Spiel schnell machen. Die Schierlinger Bank hat den Ball aber nicht herausgerückt und so bewusst und auf unfaire Art und Weise das Spiel verzögert. Unser Spieler Daniel Bentsch ist dann zur Schierlinger Bank hingerannt und wollte den Ball rausholen. Daraufhin entstand dann die Rudelbildung."

Was dann passierte, hat aber auf Fußballplätzen nichts zu suchen: "Plötzlich kam ein Zuschauer auf den Platz, ging Mane (Gröber, Anm.d.Red) an und schubste ihn um. Zum Glück ist es glimpflich ausgegangen und Mane ist nichts passiert", erzählt Bergermeier. Für ihn ist indes klar: "Der Auslöser des Ganzen war die Sache mit dem Einwurf. Eine komplett unnötige Aktion der Schierlinger."

Seit Anfang des Jahres ist es Vorschrift, dass auch der Gastverein einen Ordnungsdienst stellen muss. Schiedsrichter Maximilian Prechtl merkt in seinem Sonderbericht an, dass kein Schierlinger mit Warnweste für ihn als LdO (Leiter des Ordnungsdiensts) erkennbar gewesen sei. Das bestätigt auch Bergermeier in seinen Schilderungen: "Ich habe keinen gesehen. Zumindest hat in der Situation kein Schierlinger Ordnungsdienst eingegriffen."


Der Übeltäter ein Fan der Gäste? "Diese Person ist beim TV Schierling nicht bekannt."


Unfaires Verhalten der Gäste bei einem Einwurf soll nach Darstellung der Aiglsbacher der Auslöser für die unschönen Szenen gewesen sein. Das wiederum sehen die Schierlinger ein wenig anders. Abteilungsleiter Holger Bursian meint: "Nach unserer Ansicht war der Auslöser, dass der Aiglsbacher Spieler bei besagter Aktion rund um den Einwurf unseren Trainer geschubst hat, der daraufhin über die Rasenkante gestolpert und auf die Auswechselbank gefallen ist. Deshalb ist es zu einer Rudelbildung gekommen. Aus unserer Sicht war also der Auslöser die Aktion des Aiglsbacher Spielers."

Den Vorwurf, ein Ordnungsdienst der Schierlinger wäre nicht vor Ort gewesen, will Bursian nicht auf dem TVS sitzen lassen: "Derjenige, der das eigentlich bei uns macht, war kurzfristig verhindert. Wir haben für Ersatz gesorgt, und der war sehr wohl vor Ort und hat nach einer Warnweste gefragt. Das werden die Aiglsbacher sicher bestätigen können. Der Fehler war, dass er sich vorm Anpfiff nicht wie üblich direkt beim Schiedsrichter vorgestellt hat, das ist blöd gelaufen. Ich möchte aber auch klar feststellen: Unser Ordnungsdienst hatte die ganze Zeit die Warnweste an und hat mitgeholfen, die Situation am Ende wieder aufzulösen und zu beruhigen."

Bliebe zu guter Letzt noch die Frage, was sich der Zuschauer bei seiner Aktion gedacht hat? Und: War es überhaupt ein Zuschauer aus Schierling? Daran hat Bursian so seine Zweifel: "Selbstverständlich verabscheue ich Gewalt jederzeit zutiefst, und selbstverständlich ist es ein No Go, dass Zuschauer an den Spielfeldrand laufen, was natürlich stets zu unterbinden ist. Der Schiedsrichter nennt den Übeltäter in seinem Sonderbericht ja beim Namen. Ich kann nur so viel sagen: Diese Person ist beim TV Schierling nicht bekannt."

Die ganze Sache ist nun ein Fall fürs Sportgericht, das über etwaige Sanktionen entscheiden muss.

Aufrufe: 018.4.2024, 11:30 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor