Fanbeauftragter bei 1860 und Meinungsforscher im Grünwalder Stadion: Felix Hiller.
Fanbeauftragter bei 1860 und Meinungsforscher im Grünwalder Stadion: Felix Hiller. – Foto: Ulrich Wagner/Imago

TSV 1860 erklärt Stadionknigge – „Wir sagen ja nicht: So müsst ihr euch verhalten“

„Sechs Punkte für Sechzig“

„Sechs Punkte für Sechzig“: Der TSV 1860 München hat einen Verhaltenskodex präsentiert. Eine gesonderte Veranstaltung gab es dazu nicht, aber Gespräche mit Fans.

München – Viele Fans haben den Stadionknigge des TSV 1860 München mit Verwunderung aufgenommen. „Sechs Punkte für Sechzig“, warum präsentiert der Verein plötzlich einen Leitfaden, für die Besucher im Grünwalder Stadion? Und wie eng war der Dialog mit den Fans? Der TSV 1860 München und Felix Hiller klären auf.

Felix Hiller ist Fanbeauftragter beim TSV 1860 München, er begleitet jedes Spiel im Stadion und ist dadurch automatisch nah dran an den Anhängern. An Ultras und an normalen Fans. Aber auch mit den Anwohnern in Giesing setzt er sich auseinander.

Spiegelt der Verhaltenskodex tatsächlich die Meinung der Fans wider? „Selbstverständlich spiegeln die ‚Sechs Punkten für Sechzig‘ die Mehrheitsmeinung unserer Fans wider. Definitiv haben viele verschiedene Hinweise zum Stadionknigge geführt“, sagt Hiller: „Die Leute sprechen uns sehr oft an und fragen: Warum macht ihr da nichts, wieso entwickeln wir hier keine gemeinsame Haltung für einen friedlichen Stadionbesuch? Wir machen also auf die Themen aufmerksam, die uns und den Löwen-Fans aufgefallen sind. Und natürlich wurde auch mit den Ultras gesprochen. Genauso wie mit normalen, unorganisierten Fans, die sonst weniger Öffentlichkeit besitzen und dennoch einen nicht unerheblichen Anteil der Löwen-Fans ausmachen.“

Wieso wird ein Verhaltenskodex veröffentlicht, obwohl es bereits eine Stadionordnung gibt? „Die Punkte im Katalog des Vereins erklären sich doch fast alle mit gesundem Menschenverstand“, tadelte der Vorstand eines 1860-Fanklubs. Felix Hiller gibt zu bedenken: „Die Themen sind wiederkehrend. Obwohl wir oft darauf hinweisen, kommt es immer wieder vor. Normalerweise kommunizieren wir das in den Spieltagsinformationen. Vor dem Jahresauftakt wollten wir es einfach einmal explizit ansprechen und alle Fans explizit darauf, anstatt lediglich auf die Stadionordnung hinweisen.“

Werden die Fans bevormundet? „Nein, wir sagen ja nicht: So müsst ihr euch verhalten“, wendet Hiller ein, „wir wollen niemanden bevormunden. Es geht darum, dass alle Fans einen angenehmen Stadionbesuch erleben wollen, beispielsweise auch Kinder und Familien. Folglich sind wir in der Pflicht, manche Themen in die komplette Löwen-Familie zu tragen.“

Können die Fans ihre Meinung einbringen? „Ich nehme es immer sehr gerne mit und versuche eine Verbesserung herbeizuführen, wenn Kritik oder Wünsche geäußert werden“, verspricht Hiller.

Was erhofft sich 1860 vom Verhaltenskodex? Schon beim ersten Heimspiel gegen den FSV Zwickau zündeten die Löwen-Fans Pyrotechnik. Der Stadionknigge ist für den Verein daran aber auf keinen Fall gescheitert. „Wir wollen weiter sensibilisieren und aufklären“, sagt Hiller. „Zum Beispiel ist vielen nicht bewusst, wie gefährlich und kostspielig auch Becherwürfe sind. Ein Becher, den ein Fan auf den Platz wirft, wird vom DFB hart sanktioniert. Ein anderes Beispiel ist das ‚Wildbiesln‘: Die Anwohner stört das extrem. Wir sind aus Giesing und wollen ein gutes Verhältnis mit den Menschen vor Ort. Das ist unser Viertel und dementsprechend sollten wir uns auch verhalten.“ (moe)

Aufrufe: 025.1.2023, 14:48 Uhr
Moritz BletzingerAutor