Boris Feldmann beendet nach 30 Jahren seine aktive Karriere als Spieler
Boris Feldmann beendet nach 30 Jahren seine aktive Karriere als Spieler – Foto: Timo Babic

„Mein großer Wunsch ist es, mit der TSG aufzusteigen“

Der 35-Jährige Schwabenheimer beendet am Ende dieser Saison seine aktive Karriere +++ Darts-Fan und leidenschaftlicher Fastnachter spielte in drei Bundesländern +++ A-Klassen-Aufstieg mit der TSG Schwabenheim wäre der krönende Abschluss

MAINZ/SCHWABENHEIM. Boris Feldmann ist kein Mann für halbe Sachen. Wer ihn kennt, weiß, dass er auf und neben dem Platz mit vollem Herzblut und 100% Einsatz zu Werke geht. Die Entscheidung, nach 30 Jahren als aktiver Fußballer die Schuhe nun an den Nagel zu hängen, hat der gebürtige Mainzer mit absoluter Entschlossenheit getroffen. Doch bis es soweit ist, möchte er noch den Traum vom Aufstieg mit seinem Heimatverein, der TSG Schwabenheim, verwirklichen. Über seine sportlichen Erfahrungen und Erfolge in drei Bundesländern, Weggefährten während der langen Karriere, die Leidenschaft für die Fastnacht und den Darts sowie die Ziele als sportlicher Leiter der TSG hat er mit uns gesprochen.

Jugendzeit in Schwabenheim und Ingelheim

Von der F- bis einschließlich zum zweiten Jahr B-Jugend lernte der in Bubenheim und Schwabenheim aufgewachsene Feldmann bei der TSG das Fußballspielen. „Ich habe größtenteils mit den 85ern zusammengespielt“, wodurch er während seiner Jugendzeit auch schon teilweise bei den Älteren mitwirken durfte. „Mein Talent war überschaubar, aber durch meine Trainingsleistung und das Engagement habe ich schon das Maximum herausgeholt“, zählt der 2,02m-Hüne seine positive Einstellung zum Sport neben der Ruhe am Ball, der Übersicht, dem Stellungsspiel und der Zweikampfführung zu seinen sportlichen Stärken, zu denen die Schnelligkeit und der Antritt eher nicht gehören. „Da musste das ein oder andere Mal das lange Bein aushelfen“, Feldmann selbstkritisch. Dennoch führten ihn seine Fähigkeiten zu den A-Junioren der Spvgg. Ingelheim, wo er zwei Spielzeiten absolvierte, den Aufstieg in die Bezirksliga mitnehmen durfte und mit seinem besten Mitspieler, wenn auch nur für ein paar Spiele, auf dem Platz stand.

Schon in jungen Jahren übernahm Feldmann als Kapitän Verantwortung
Schon in jungen Jahren übernahm Feldmann als Kapitän Verantwortung – Foto: Fotoarchiv Boris Feldmann

„Das war schon eine Waffe“

Als A-Jugendlicher durfte er ab und zu bei der zweiten Mannschaft der Spvgg. Ingelheim, die damals noch in der Bezirksliga spielte, aushelfen. So kam er in den Genuss, mit Aydin Ay aufzulaufen. „Nach einer Verletzung wurde er, um wieder reinzukommen, ein paar Spiele in der Zweiten eingesetzt. Das war schon sensationell, was der auf dem Platz gemacht hat. Mit welcher Geschwindigkeit und Technik. Das war schon eine Waffe“, schwärmt Feldmann vom damals in der Ingelheimer Oberliga-Truppe gesetzten Ay. Die Wege kreuzten sich aber nur kurz. Feldmann kehrte nach der U19 zur TSG Schwabenheim zurück, um dort in den Aktivenbereich zu starten. Ay verschlug es zu Eintracht Bad Kreuznach und anderen namhaften Vereinen im Südwesten.

Aufstieg mit VfB Solingen und in der Hobbyliga für Birkenweiher

Für jeweils zwei Spielzeiten zog es Feldmann, der schon seit Beginn seiner Ausbildung in verschiedenen Funktionen für einen großen Automobilkonzern tätig ist, beruflich ins nordrhein-westfälische Solingen und ins hessische Kassel. Zur Saison 2015/16 schloss er sich der zweiten Mannschaft des VfB Solingen an, die zum damaligen Zeitpunkt in der B-Klasse unterwegs war. Mit dem VfB gelang prompt der Aufstieg, doch Feldmann bekleidete dort in der kommenden Spielzeit nicht das Spieleramt. „Aus der Not heraus, weil ein Trainer gegangen war, bin ich als Feuerwehrmann eingesprungen“, führt er als Beweggrund für das Intermezzo an der Seitenlinie an. Zeitgleich sah man ihn aber weiterhin auch auf dem Feld in der 1. Hobbyliga Solingen für Birkenweiher auflaufen. Dabei schätzte er die lockere Atmosphäre und Geselligkeit: „Das war ein sehr sympathischer und lustiger Haufen. Da konnte man auch mal zusammen ein paar Bierchen trinken.“ Im Solinger Raum seien die Hobbyligen relativ stark ausgeprägt. „Da ist wirklich einmal die Woche Spieltag. Wir hatten immer montags gespielt“, beschreibt er die dort bestehende Regelmäßigkeit, was nicht mit einer Bunten Liga vergleichbar sei, sondern schon auf B- bis A-Klassen-Niveau stattfand und ein festgelegter Spielplan vorhanden war. Da es sich allerdings um keinen offiziellen Spielbetrieb handelte, konnte Feldmann sein Spielrecht in dieser Spielzeit wieder nach Schwabenheim legen und gelegentlich am Wochenende dort aushelfen.

Boris Feldmanns Trikotsammlung aus seiner Zeit in Solingen und Kassel
Boris Feldmanns Trikotsammlung aus seiner Zeit in Solingen und Kassel – Foto: Fotoarchiv Boris Feldmann

Erfolgreich mit VfL Kassel, Klassenerhalt mit TSG Schwabenheim

Zur Saison 2017/18 ging es dann zum VfL Kassel II, wo ihm ebenfalls das Kunststück gelang, von der B- in die A-Liga aufzusteigen. In der folgenden Spielzeit kickte er bis zum Winter primär für den VfL, während es ihn ab dem Frühjahr wieder, obwohl er noch bis April in Kassel wohnte, am Wochenende aus gutem Grund nach Schwabenheim zog. „Der Klassenerhalt mit Schwabenheim musste her. Es war eine absolute Notlage und für mich schwierig, aus der Ferne zuzusehen“, wollte Feldmann unbedingt dabei helfen, den Worst-Case, den Abstieg in die C-Klasse, zu vermeiden. Was auch gelang.

„Die Kreisliga-Gesetze herrschen überall vor, egal wo man ist“

Egal in welcher Region Deutschlands Feldmann auch die Fußballschuhe schnürte, beobachtete er immer dieselben Charaktere innerhalb einer Mannschaft. „Es gibt diejenigen, die immer da sind und alles machen. Es gibt welche, die höher spielen könnten, wenn sie eine bessere Einstellung oder keine Verletzung gehabt hätten. Und manche, die nur kommen und gehen und schon geduscht sind, bevor man überhaupt den Platz verlassen hat“, gibt er alltägliche Eindrücke wieder, die er im Amateurfußball immer wieder wahrgenommen hat. Er ist sehr dankbar für diese Erlebnisse, die ihm vor allem in Solingen und Kassel, wo er zunächst niemanden kannte, enorm weitergeholfen haben. „Durch die Jungs und den Fußball habe ich dort direkt Anschluss gefunden und hatte einen geregelten Ablauf mit den zwei Trainingseinheiten unter der Woche und dem Spiel am Sonntag“, schätzt er den positiven Einfluss seiner damaligen Mannschaftskameraden, mit denen er auch am Wochenende privat unterwegs gewesen sei und zu denen bis heute ein guter Draht besteht.

Leidenschaftlicher Fastnachter und Darts-Fan

Feldmann hat sich nicht nur auf den Fußballplätzen Rheinhessens einen Namen gemacht, sondern mittlerweile auch in der Mainzer Fastnacht. Seit 2006 ist er als Büttenredner aktiv. Klein angefangen in Schwabenheim, dann von anderen Orten aus der Umgebung angefragt und nun seit vier Jahren belustigt er auch die Leute in der Mainzer Fastnacht. „Es ist toll, vor dem Publikum zu stehen und die Leute zum Lachen zu bringen. Es macht mega Spaß“, sagt er über seine große Leidenschaft. Eine weitere Passion, der er regelmäßig nachgeht, ist das Darts. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie habe er selbst regelmäßig gespielt und sich das entsprechende Equipment besorgt. Bei der TSG Schwabenheim habe er mittlerweile eine eigene Abteilung ins Leben gerufen. „Wir spielen einmal die Woche in der Halle mit einer kunterbunt gemischten Truppe aus 16- bis 65-jährigen Männern und Frauen bestehend aus blutigem Anfänger und denjenigen, die schon regelmäßiger spielen“, spiegelt Feldmann die Vielfalt der Sportart wider.

Während der fünften Jahreszeit begeistert Feldmann das Publikum mit seinen Reden
Während der fünften Jahreszeit begeistert Feldmann das Publikum mit seinen Reden – Foto: Fotoarchiv Boris Feldmann

Immer wieder zurück in die Heimat

Insgesamt kehrte Feldmann dreimal zur TSG Schwabenheim zurück. Das erste Mal nach seiner A-Junioren-Zeit bei der Spvgg. Ingelheim, um zwei Jahre in den Aktivenbereich reinzuschnuppern. Anschließend ging es für drei Spielzeiten zum Bezirksligisten Spvgg. Dietersheim, wo er mit Sven Göppert, einem langjährigen Kontrahenten aus Jugendzeiten, für ein Jahr zusammenspielte. „Ein super Fußballer und Athlet“, lobt er den ehemaligen Jugendspieler des SV Bingerbrück. „Das war die längste Rivalität. Ich kenne ihn seit der F-Jugend und wir haben uns seitdem auf dem Feld immer bekriegt“, beschreibt Feldmann die hitzigen Duelle mit Göppert, mit dem er sich aber abseits des Platzes super verstanden habe. Nach Dietersheim folgte die zweite Rückkehr zur TSG für zwei Spielzeiten, ehe er für drei Jahre das Trikot des A-Ligisten TSV Wackernheim überzog. Dann kam es zum berufsbedingten Wechsel nach Solingen und Kassel. Im Januar 2019 dann die dritte Heimkehr zur TSG. „Mir war klar, dass ich die letzte Zeit meiner aktiven Laufbahn bei meinem Heimatverein verbringen möchte“, über das nahende Ende als Spieler. Für den begeisterten Anhänger des FC Liverpool und des 1. FC Kaiserslautern gab es in dieser Hinsicht keine zwei Meinungen. „Ganz oder gar nicht. Nur noch einmal zu trainieren und dann noch ab und zu zweite Mannschaft zu spielen, das ist kein Modell für mich“, bezieht Feldmann klare Stellung, „ich möchte bis zum letzten Spiel weitergeholfen haben und nicht von außen darauf hingewiesen werden, dass es an der Zeit ist.“

„Alles nochmal mitnehmen“

Bis es an der Zeit ist, möchte Feldmann „nochmal alles mitnehmen“. Damit bezieht er sich auf den Spaß, die Sprüche, positive Provokationen und den Trashtalk mit den Mannschaftskollegen und den Gegnern auf und abseits des Spielfeldes. Doch vollkommen wird er sicherlich nicht darauf verzichten müssen, denn er bleibt der TSG Schwabenheim weiter erhalten. Der Funktion des sportlichen Leiters, in der er während der aktuellen Saison bereits tätig war, möchte er fortan seine volle Aufmerksamkeit widmen. Dabei hat er auch schon einige Pläne geschmiedet. Er wolle das Team, den „coolen Haufen“, zusammenhalten, die zweite Mannschaft stabilisieren, den aktuell starken B-Jugend-Jahrgang im Verein halten und in den Aktivenbereich integrieren und mit dem aktuellen Trainerteam um Albert Hoppe in den nächsten Jahren weiter zusammenarbeiten. „Nicht auf Biegen und Brechen“ muss der Aufstieg in die A-Klasse jetzt erfolgen, sondern ist erstmal mittelfristig ausgegeben, um den Verein auch für Neuzugänge attraktiv zu machen. Doch die Chance auf den Aufstieg bietet sich jetzt schon und warum sollte man diese nicht nutzen. „Mein großer Wunsch und Traum ist es, mit der TSG zum Schluss aufzusteigen“, würde ein Triumph in den Relegationsspielen Feldmann doch den würdigen und krönenden Abschluss bereiten, den er sich nach 30 Jahren voller Herzblut und bedingungslosem Einsatz verdient hat.

Boris Feldmann veranstaltet zudem noch ein Benefiz- und Abschiedsspiel, zu dem alle Fußballbegeisterten herzlich eingeladen sind.

– Foto: Boris Feldmann

Aufrufe: 011.6.2022, 06:00 Uhr
Thomas MirkesAutor