Wieder da: Sven Heinze (2. von links) feierte im Spiel gegen Frauenstein sein Comeback für den SV Erbenheim.
Wieder da: Sven Heinze (2. von links) feierte im Spiel gegen Frauenstein sein Comeback für den SV Erbenheim. – Foto: Hicham Boukraa

Sven Heinze: Comeback nach langer Leidenszeit

Goalgetter des SV Erbenheim war aufgrund eines Kreuzbandrisses fast ein Jahr außer Gefecht +++ OP-Odyssee wegen Corona

Wiesbaden. 4:1 gewonnen, Hausaufgaben erledigt, den Anschluss nach oben gewahrt. Sportlich gesehen lässt sich die Geschichte des Kreisoberliga-Spiels zwischen dem SV Erbenheim gegen den SV Frauenstein relativ knapp zusammenfassen. Doch die Partie hielt noch ein weiteres, emotionales Kapitel bereit: Denn Stürmer Sven Heinze feierte nach langer Verletzungspause sein Comeback.

Als die Partie mit 4:1 schon gelaufen war, wurde er in der Schlussphase eingewechselt. Und hätte um ein Haar noch getroffen, wenn SVF-Keeper Lukas Post den Ball nicht noch von der Linie gekratzt hätte. Doch auch ohne Tor war es für Heinze ein bewegender Tag: "Es war ein überragendes Gefühl wieder auf dem Platz zu stehen", sagt Heinze. Dass er ausgerechnet gegen Frauenstein wieder auf den Kunstrasen zurückkehrte, ist eine besondere Pointe. Denn fast genau auf den Tag genau vor einem Jahr hatte er sich im Spiel gegen den SVF das Kreuzband gerissen.

"Es war ein Pressschlag, ich habe den Gegner nicht kommen sehen und hatte keine Spannung im Körper", erinnert sich Heinze an jene verhängnisvolle Situation am 26. November 2021, als der 35-Jährige sich die bislang schwerste Verletzung seiner Karriere zugezogen hatte. Das Spiel hatte er sogar noch zu Ende gespielt. "Doch am nächsten Tag wurde das Knie dick", sagt Heinze.

OP dreimal verschoben

Für den danach eine monatelange Odyssee begann. Wegen Corona wurde seine Operation gleich drei mal verschoben. Erst vier Monate nach seiner Verletzung, Ende März, kam er unters Messer. Und konnte erst nach der OP mit seiner Reha beginnen. Heinze ist nicht mehr der Jüngste, er führte Gespräche mit anderen Fußballern, die auch schon mal einen Kreuzbandriss gehabt hatten. Sie sagten ihm, er würde andauernd Probleme bekommen. Zerrungen hier, Krämpfe dort. Doch ein vorzeitiges Karriereende war für Heinze keine Option. "Ich will selbst entscheiden, wann es vorbei ist", sagte er sich.

Rückschläge warfen ihn zurück

In der Reha hatte er das Glück, mit Lisa Herber eine Physiotherapeutin zu haben, die sich für seine Behandlung besonders viel Zeit nahm. In der Sommervorbereitung der Erbenheimer war Heinze mit Joggen und leichten Ballübungen dabei. Doch es ging nicht nur stetig bergauf. Zerrungen in Wade und Oberschenkel warfen ihn zwischenzeitlich zurück, auch zeitlich konnte der Schichtarbeiter nicht jedes Training mitmachen. Das ging nicht spurlos an ihm vorbei: "Ich hatte gedacht, ich komme schneller zurück".

Vermutlich  ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Sven Heinze wieder einen Treffer bejubeln kann.  In der Vorsaison gelangen ihm bis zu seiner Verletzung 33 Tore aus 15 Spielen, damit war er auf dem besten Weg, die KOL-Torjägerkanone zu erobern.
Vermutlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Sven Heinze wieder einen Treffer bejubeln kann. In der Vorsaison gelangen ihm bis zu seiner Verletzung 33 Tore aus 15 Spielen, damit war er auf dem besten Weg, die KOL-Torjägerkanone zu erobern. – Foto: RSCP Photo

Dankbar ist er jedoch für die Unterstützung aus Team und Vorstand des SVE. "Das ist wie eine Familie hier". Seit Oktober ist Heinze schließlich voll im Mannschaftstraining dabei. Doch um wieder bei 100 Prozent zu sein, wird der Torjäger noch Zeit brauchen. Auch vom Kopf her. "Bis jetzt habe ich in Zweikämpfen immer zurückgezogen", schildert Heinze seine Eindrücke aus Spielen und Trainings.

Titel noch nicht abgeschrieben

Möglich, dass er in Erbenheims verbleibenden Spielen bis zur Winterpause noch den ein oder anderen Einsatz bekommt, um wieder ein Gefühl zu entwickeln. Richtig los gehen soll es dann ab 2023. Da hat Heinze nicht nur selbst, sondern mit seinem Team noch viel vor. Trotz sieben Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Germania haben die Erbenheimer den Meistertitel noch nicht abgeschrieben. "Vor allem die möglichen Relegationsspiele vor vielen Zuschauern würden mich sehr reizen", gibt Heinze zu. Denn es sind Matches wie diese, für die er in all den Monaten der Reha geschuftet hat. Sein Torriecher dürfte ihm auch während der Verletzung nicht abhandengekommen sein.

Aufrufe: 022.11.2022, 15:00 Uhr
Philipp DurilloAutor