Aufstieg: Die U19 der SG Orlen hat als Gruppenligameister den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft und damit für nachrückende Spieler eine attraktive Spielebene geschaffen.	Foto: SGO
Aufstieg: Die U19 der SG Orlen hat als Gruppenligameister den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft und damit für nachrückende Spieler eine attraktive Spielebene geschaffen. Foto: SGO

SG Orlen: "Alles steht und fällt mit der Qualität der Jugendtrainer"

Warum sich die Nachwuchsarbeit bei der SG Orlen zum Erfolgsmodell entwickelt hat +++ Jugendleiter Kai Mucke kann auf fast 40 Trainer und Betreuer bauen +++ U 19 in Verbandsliga aufgestiegen

Taunusstein. Am Zugmantel ist über Jahre hinweg viel Zug drin in der Jugendarbeit. 16 Nachwuchsteams mit über 300 Kindern und Jugendlichen, deren Begeisterung für den Fußball von knapp 40 Trainern und Betreuern geschürt wird, vereint Kreisoberligist SG Orlen auf dem neuen, mit Korkgranulat verfüllten Kunstrasen. Dieser eine Platz muss reichen, denn das Areal am Zugmantel im Bereich des früheren römischen Grenzwalls Limes gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Der Bau eines weiteren Spielfelds, erläutert Jugendleiter Kai Mucke, sei nicht erlaubt, man halte stattdessen in der Region Ausschau nach Ausweichplätzen.

Ungeachtet der Kapazitätsprobleme hat die SGO in der Nachwuchsförderung ein Erfolgsmodell geschaffen. „Es ist schwierig, den Mix aus Breiten- und Leistungssport zu kombinieren“, bekennt Mucke. Doch dieser Spagat scheint zu gelingen. Ein Beleg: Die in dieser Saison von Yannick Klische, Robin Menger und Ralf Pawlik trainierte U 19 hat den Aufstieg in die Verbandsliga perfekt gemacht. Mit dem Effekt, dass Talente des älteren A-Jugendjahrgangs, so sie dem Verein verbunden bleiben, für Blutauffrischung in den Aktiventeams sorgen. Ferner ist für die aufrückenden Youngster der B-1-Jugend, für die an diesem Samstag die Entscheidung um den Verbleib in der Verbandsliga Süd ansteht, im A-Jugendbereich eine attraktive Spielebene gewährleistet. Nicht umsonst kommen auch junge Spieler aus Limburg, Heidenrod und Wiesbaden zur SG Orlen.

In der künftigen U 19 der SGO werden Yannick Klische, Wadim Arenkov (kehrt aus Königstein zurück) und der bisherige B-1-Trainer Volker Schiller ein Dreigestirn bilden. „Wir schauen, dass für jede Mannschaft mindestens zwei Trainer zur Verfügung stehen. Oder drei, damit wir in Verbindung mit beruflichen Verpflichtungen der Trainer breit aufgestellt sind. Voraussetzung ist aber, dass die Chemie stimmt und es zwischenmenschlich passt. Generell steht und fällt im Verein alles mit der Qualität der Trainer“, schildert Kai Mucke einen wichtigen Eckpunkt im Gesamtkonstrukt.

Jugendförderverein wichtige Säule: Das wiederum ruht auch auf dem Fundament des 2011 gegründeten Jugendfördervereins „SG Orlen 2020 e.V.“, in dem ein Pool an Sponsoren, darunter die Edeka-Märkte Uwe Georg, für die spezifische Unterstützung der Nachwuchsabteilung sorgt. Angesichts der hohen Aufwendungen für Spielkleidung und Trainingsequipment seien die Gelder und Spenden der Gönner elementar wichtig, weiß Kai Mucke um die Bedeutung des von Oliver Körner geführten Fördervereins.

Ganz breit aufgestellt sind die Orlener in den jüngsten Altersstufen zwischen G- und D-Junioren. Darunter, so Mucke, auch viele Jungs aus dem benachbarten Wehen. Was wiederum damit zusammenhänge, dass der SV Wehen Wiesbaden in seinem Nachwuchsleistungszentrum erst bei der Altersstufe U11 beginne. Dazu kommt bei den Jüngsten: Schon vor Jahren habe man sich an der Variante „Funino“ orientiert, die den Kleinsten bei den Spielen auf kleine Tore viel Ballbesitz und damit die Gelegenheit bietet, die Technik schneller zu verfeinern.

„Eltern sehen uns mehr als Dienstleister“: Kai Mucke weiß aber auch um veränderte Gegebenheiten im Jugendfußball: „Die Eltern sehen uns mehr als Dienstleiter. Außerdem ist die Bindung zum Verein nicht mehr so gegeben wie in früheren Zeiten. Mehr noch im städtischen Bereich wie etwa in Wiesbaden als bei uns auf dem Land.“ Trotz allem floriert die Jugendarbeit bei der SGO, die in dieser Runde vier Kreispokalsiege feierte, mit den E-Junioren im Regionalpokalfinale gegen Biebrich 02 steht und mit der von Alexander Stieg (früher SF Siegen und Eintracht Trier) sowie Frank Hellwig und Christian Hassel trainierten D 1 vor dem letzten Spieltag Gruppenligazweiter ist. Daneben wurde der junge Jahrgang mit der D 2 Meister der Kreisliga.

Gleichzeitig sorgt der Juni als einzige Wechselperiode im Jugendfußball – im Aktivenbereich gibt es auch eine Winterperiode – für viel Bewegung hinter den Kulissen. Wo es doch auch um die in der Satzung festgelegten Aufwandsentschädigungen im Fall eines Vereinswechsels geht. „Ich versuche, einen guten Kontakt zu den Vereinen der Region zu pflegen“, streicht Kai Mucke heraus. Natürlich würden Spieler von der SG Orlen in den älteren Jahrgangsstufen zum SV Wehen Wiesbaden wechseln. Oder zur Frankfurter Eintracht, wohin es aktuell Orlens D-Jugendkeeper Noah Clement zieht. Er wird nicht der einzige Orlener Torwart bei der Eintracht sein. Luke Gauer (begann beim TuS Hahn, gelangte über Orlen zum SVWW) spielt in der Frankfurter U 17, Michel Ingrand und Marlon Franzen, dessen Vater Lais Franzen sich bei der SGO als Jugendcoach einbringt, sind im U 14-Bereich bei der Eintracht dabei.

Vertrauen in junge Trainer: Zurück zur SGO: Mit Paul Koch, Spieler des Kreisoberligisten TuS Breithardt, haben die Orlener im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahrs noch einen wertvollen Helfer in ihren Reihen. „Er macht einen tollen Job, das hat sich gerade im Rahmen unseres Ostercamps gezeigt“, schildert Kai Mucke (56), der seit einigen Jahren kein Team mehr trainiert, um sich auf administrative Aufgaben zu fokussieren. Aber auch aus Überzeugung: „Die jungen Trainer sprechen die Sprache der Spieler und sie sind in taktischen Fragen weiter. Sie genießen unser Vertrauen.“ Wobei sich die Orlener glücklich schätzen dürfen, dass sich auch Spieler der Männerteams als Jugendtrainer engagieren.



Aufrufe: 022.6.2022, 15:00 Uhr
Stephan NeumannAutor