2024-05-29T12:18:09.228Z

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Schiedsrichter brauchen Erfahrung, um bei der Leitung eines Fußball-Spiels die richtige Mischung aus Respektperson und Sportkamerad auf den Platz zu bringen. 	Foto: Robert Michael/dpa
Schiedsrichter brauchen Erfahrung, um bei der Leitung eines Fußball-Spiels die richtige Mischung aus Respektperson und Sportkamerad auf den Platz zu bringen. Foto: Robert Michael/dpa

Schiedsrichter: Selbstbewusst oder arrogant?

Bei der Verbandsliga-Tagung in Hohenecken wird lebhaft übers Auftreten von Schiedsrichtern debattiert

Mainz. Es ist ein Urteil, das im Amateurfußball immer wieder mal über Schiedsrichter gefällt wird: „Sie sind arrogant“, heißt es von Trainern, Spielern, Funktionären oder Zuschauern - manchmal auch von allen zusammen. Vorausgegangen waren Entscheidungen, die Unmut hervorriefen. Oder auch irritierendes Auftreten der Referees, die permanent auf dem Grat zwischen sportkameradschaftlichem Umgang und spielleitender Autorität unterwegs sind. Und der ist sehr, sehr schmal.

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Jahn Zeiskam brachte das Thema bei der Sitzung der Verbandsligisten in Hohenecken zur Sprache. Und löste damit eine interessante Debatte unter den Delegierten der 16 Klubs sowie Funktionären des Südwestdeutschen Fußballverbands (SWFV) aus. Im Kern mit zwei wichtigen Botschaften: Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich vereinzelt Unparteiische inkorrekt verhalten. Dies aber pauschal, womöglich Wochen nach dem Vorfall anzuprangern, sei nicht zielführend. Vielmehr, so appellierte beispielsweise Staffelleiter Klaus Karl (Weingarten) an die Vereinsvertreter, solle er unverzüglich nach dem Spiel schriftlich an den Schiedsrichterausschuss übermittelt werden. Ein Weg, der Zuschauern, denen mitunter auch das unnahbare, schroffe Auftreten von Referees auf dem Feld unangenehm auffällt, freilich nicht offensteht.

Keine Fronten aufbauen

Der allgemeine Tenor in der Versammlung lautete allerdings, dass man „keine Fronten zwischen den Fußballern, Funktionären und Spielern sowie den Schiedsrichtern“ aufbauen sollte. „Wir brauchen mehr Miteinander“, fasste die Karl die lebhafte Debatte zusammen.

Jahn Zeiskam erwähnte einige Erlebnissen, um die - aus ihrer Sicht - Ohnmacht der Vereine gegenüber Schiedsrichter- und Verbandsentscheidungen zu illustrieren. Obwohl die Konkurrenz, immerhin 15 Klubs, von dem gleichen Phänomen betroffen sein müsste, gab es wenig Unterstützung. Stattdessen richtete sich Kritik an die Vorderpfälzer, deren Umgang mit Schiedsrichterentscheidungen bedenklich sei. Viele Pfiffe gegen die eigene Mannschaft würden von der Bank theatralisch in Zweifel gezogen. „Und so, wie man in den Wald reinruft, so schallt es heraus“, kommentierte ein Vereinsvertreter.

Die eigene Haltung hinterfragen

Überhaupt schien die Gelegenheit günstig, eine Lanze für die Schiedsrichter zu brechen. Ohne unangemessenes Verhalten zu rechtfertigen, verwies Adam auf die Atmosphäre, mit der Referees auf manchen Fußball-Plätzen konfrontiert sind: „Was teilweise während den Spielen von Zuschauern in Richtung der Schiedsrichter gerufen wird, ist unter der Gürtellinie. Wirkt da doch auch mal mäßigend auf euer Publikum ein“, appellierte der Funktionär.

Kritik an den Verband weiterleiten

Zudem warb er für Verständnis für die zumeist jungen Unparteiischen. „Sie haben den gleichen Druck wie die Spieler“, bemerkte Adam. Oft stünden sie unter Beobachtung: „Sie wollen gute Noten“, so der Weingartener. Von denen ist ihre weitere Karriere abhängig. Wie weit die Beobachter arrogant wirkendes Verhalten kritisieren oder gar sanktionieren, wurde in dieser Sitzung nicht beleuchtet.

Wohl aber machte Verbandsspielausschuss Lothar Renz gegenüber der Versammlung deutlich, dass unsportliche Auftritte seitens der Schiedsrichter nicht im Interesse des Verbands seien. Umso wichtiger, betonte der Gundheimer vor den Delegierten, sei es, Irritationen zeitnah und schriftlich gegenüber dem SWFV anzuzeigen. Gerade wenn sich Beschwerden über vereinzelte Referees häuften, könne der Schiedsrichterausschuss aktiv auf den oder die Betroffene einwirken. Und das werde auch getan, versicherte Renz.

Niemand im Vereinsheim des TuS Hohenecken erteilte den Schiedsrichtern uneingeschränkte Absolution. Wohl aber bewertete auch niemand Anekdoten wie diese: So habe ein Schiedsrichter in der persönlichen Ansprache die Spieler geduzt, aber für den Dialog mit ihm das „Sie“ eingefordert. Oder: Ein Schiedsrichter habe eine Fehlentscheidung getroffen, was der Assistent im spontanen Statement gegeüber einem Vereinsvertreter bestätigte. Korrigierend einwirken wollte dieser Assistent jedoch nicht. Auf einen entsprechenden Wunsch habe der Vereinsvertreter die Antwort bekommen: „Ja, das war falsch - aber er ist der Chef“.

Vorwürfe wie diese wollte (und konnte) im Nachhinein keiner einordnen. Dazu waren die Erzählungen auch zu nebulös, was Ort, Zeit und Beteiligte anbelangte. Sie eigneten sich nur noch dazu, die Vereinsvertreter für eine künftig rasche Anzeige gegenüber dem Verband zu sensibliisieren - oder konsequent zu schweigen.



Aufrufe: 01.2.2024, 16:57 Uhr
Claus RosenbergAutor