
Andreas Wagner ist bei der SpVgg Hankofen-Hailing längst mehr als nur ein Stürmer – er gilt als Institution. Mit einer Körpergröße von 1,89 Metern bringt der 30-Jährige die physische Präsenz eines klassischen Neuners mit, besticht aber gleichzeitig durch seine beidfüßige Abschlussstärke, die ihn für die Verteidiger der Regionalliga Bayern extrem schwer berechenbar macht.
Wagners Werdegang liest sich dabei wie das Drehbuch für jeden Amateurfußballer, der vom großen Sprung träumt: Seine Sporen verdiente er sich u.a. einst beim TSV Pilsting, wo er in der Kreisklasse und Kreisliga mit Torquoten jenseits der Vorstellungskraft auf sich aufmerksam machte – teils mit mehr als 30 Treffern pro Saison.
Dieser unbändige Torinstinkt blieb freilich auch den Verantwortlichen im Gäuboden nicht verborgen. Und seit seinem Wechsel nach Hankofen im Sommer 2020 hat Wagner eindrucksvoll bewiesen, dass er sein Visier auch zwei bis drei Etagen höher problemlos scharfstellen kann.
In den vergangenen Jahren war er maßgeblich an den Erfolgen der „Dorfbuam“ beteiligt. Ob beim Regionalliga-Aufstieg oder dem direkten Wiederaufstieg nach der Meisterschaft in der Bayernliga Nord 2023/24, zu der er 17 Saisontore beisteuerte – der Schnauzbartträger liefert verlässlich ab.
Doch die Ära des Vollblutstürmers in der Regionalliga neigt sich nun dem Ende zu: Der 30-Jährige wird sich zur neuen Saison hin einer neue Herausforderung stellen: als Spielertrainer beim Kreisklassisten TSV Mamming, wo er berufsbedingt weniger zeitintensive Aufgaben übernehmen will. Die "Dorfbuam" verlieren damit einen Knipser, der gezeigt hat, dass man auch ohne NLZ-Ausbildung und mit reinem Torriecher im bayerischen Oberhaus immer wieder mal zum Schreckgespenst der Abwehrreihen mutieren kann...
Andreas: Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf? Was läuft gut, was weniger gut?
Leider kann ich nicht wirklich zufrieden sein. Wir schaffen es einfach nicht, uns konstant für den Aufwand, den wir betreiben, zu belohnen. Ich bin zu einhundert Prozent von unserer Qualität überzeugt - aber wir müssen es offensiv und defensiv schaffen, ans Limit zu kommen. Dann werden wir auch erfolgreich sein!
Wenn du im Strafraum stehst und der Ball kommt – wie viel davon ist antizipierter Plan und wie viel purer Stürmer-Instinkt?
95 Prozent ist Intuition und Stürmer-Instinkt. Jedoch gibt es natürlich auch einige Situationen, die du immer wieder trainierst. Nur: Sei's Timing beim Einlaufen, Abschlussqualität usw. - ohne das alles würde die Intuition auch nichts bringen.
Kann man das Toreschießen eigentlich lernen? Oder ist man am Ende einfach mit diesem einen Gen geboren, das andere nicht haben?
Schwierig. Es gibt sicherlich einige Spieler, die sich das Toreschießen erlernt haben. Dennoch bin ich der Meinung, dass es ein gewisses Gen im Körper gibt, der einige Stürmer von anderen unterscheidet...
Welcher Abwehrspieler oder welcher Torwart in der Regionalliga Bayern hat dir bisher das Leben am schwersten gemacht - und warum?
Die Qualität in dieser Liga ist enorm hoch. Klar gibt es Gegenspieler und Keeper, die mir mehr taugen als andere. Der beste Verteidiger, gegen den ich bis dato angetreten bin, war aber ganz klar Thomas Meißner. In der vergangenen Saison durfte ich in Schweinfurt gegen ihn kicken. Er wusste bereits bevor ich den Ball hatte, was ich damit vorhabe. Da bin ich wirklich an meine Grenzen gestoßen.
Max Grün aus Aschaffenburg war sicherlich einer der besten Keeper, gegen die ich spielen durfte. Schade, dass er nicht mehr in der Liga ist, für die er eine Bereicherung war.

Hast du ein spezielles „Torgarantie-Ritual“?
Nein, ich geh in jedes Spiel mit dem Ziel rein, ein Tor zu schießen und der Mannschaft dadurch zu helfen, die Partie zu gewinnen. Da habe ich keine Rituale.
Was macht das Toreschießen in der Regionalliga Bayern im Vergleich zu anderen Ligen so speziell?
Für uns Fußballer eines kleinen Vereins bedeutet jedes Tor harte Arbeit. Die Körperlichkeit ist im Vergleich zur Bayernliga unglaublich - das sind zwei Welten! Zudem werden viel weniger Fehler gemacht, weshalb man auch weniger Chancen hat, Tore zu erzielen. Da geht es darum, eiskalt zu sein - und auch mal aus zwei bis drei Halbchancen eine Bude zu erzielen.
Welches Tor deiner bisherigen Karriere würdest du dir am liebsten jeden Abend vor dem Einschlafen noch einmal ansehen?
Ich habe in der Aufstiegssaison in der Bayernliga Nord mal ein Tor gegen den TSV Kornburg gemacht, als ich den Ball mit der Brust angenommen und mit dem Kopf verwertet habe. Das sah nicht spektakulär aus, war aber technisch betrachtet der bislang anspruchsvollste Treffer - und daher eines meiner schönsten Tore. Die Bude gegen Erlbach im Relegationshinspiel schau ich mir aber auch gerne noch an...
Wenn du dir ein Tor aussuchen dürftest, das du diese Saison noch schießt: Wäre es der technisch perfekte Fallrückzieher oder der dreckige Abstauber in der 94. Minute zum Derbysieg?
Klarer Fall: Dreckiger Abstauber zum Derbysieg!

Wer in deiner Mannschaft serviert dir die Bälle so perfekt auf dem Silbertablett, dass du dich nach dem Tor eigentlich nur beim Vorlagengeber bedanken müsstest?
Tobi Lermer und ich legen uns sehr gerne gegenseitig die Tore auf. Wir kennen uns schon auswendig - und wissen genau, wer welchen Laufweg macht. Ich werde es schon sehr vermissen, mit ihm zu spielen (Andreas Wagner wechselt in der nächsten Saison als Spielertrainer zum TSV Mamming - Anm. d. Red.)!
Von welchem Weltklasse-Stürmer hast du dir in deiner Jugend (oder heute noch) eigentlich die meisten Tricks abgeschaut?
Ich achte auf viele Details bei den unterschiedlichsten Stürmertypen. Harry Kane ist ein Vorbild. Nicht wegen seiner vielen Tore, sondern wegen der Arbeit, die er für die Mannschaft macht. Das finde ich beeindruckend. Deniz Undav hat eine geniale Abschlussqualität, bei der ich mir auch sehr gerne immer mal wieder was abgucke.
Hast du dir für diese Saison eine bestimmte Torquote vorgenommen? Oder zählt am Ende wirklich nur der Tabellenplatz der Mannschaft?
Bisher habe ich in Hankofen immer zweistellig getroffen pro Saison - das nehme ich mir schon immer als Ziel. Wenn ich am Ende aber weniger Tore schieße und wir die Klasse halten, würde ich das sofort unterschreiben!

Abschließend: Wo steht deine Mannschaft am Ende dieser Regionalliga-Saison?
In der Abstiegsrelegation mit einem erfolgreichen Ausgang für uns und dem Klassenerhalt. Das wäre der perfekte Abschluss für mich und meiner unglaublich erfolgreichen Zeit in Hankofen.
Vielen Dank für deine Zeit und die Beantwortung unserer Fragen.