Wormatia Worms steht nach acht Spieltagen mit sieben Punkten auf Platz 14 der Tabelle in der Regionalliga Südwest.
Wormatia Worms steht nach acht Spieltagen mit sieben Punkten auf Platz 14 der Tabelle in der Regionalliga Südwest. – Foto: Björn Franz (Archiv)

Regionalliga: Worms angekommen? Ja, aber...

Regionalligist Wormatia Worms überzeugt in den ersten Saisonwochen +++ Verspielt aber auch wichtige Punkte.

WORMS. Die Zwischenbilanz fällt durchwachsen aus. Acht Spiele, sieben Punkte. Darunter mehrere, die nicht unbedingt eingeplant waren. Zuletzt wurden jedoch auch Zähler gegen Mannschaften liegengelassen, die vor der Saison als direkte Konkurrenten beim Unterfangen Klassenerhalt dazu gezählt wurden. Am Sonntag setzte es eine herbe, weil auch verdiente 0:3-Niederlage bei Mitaufsteiger Eintracht Trier. Vier Tage davor verspielte die Wormatia um Kapitän Sandro Loechelt gegen den Bahlinger SC einen Punkt vor heimischem Publikum (1:2). Wo also steht die Mannschaft um Neu-Trainer Max Mehring nach knapp einem Viertel der Saison. Eine erste Zwischenbilanz.

Gute Spiele, zu wenig Punkte

Worms’ Sportvorstand Ibrahim Kurt sagte vor Saisonstart, diese Frage könne man erst nach ein paar Partien beantworten. Wenige Wochen später stellte Kurt seinem neu verpflichtenden Coach dann ein positives Zwischenfazit aus. „Max macht das gut, ist sehr akribisch.” Aber: Es hätten mehr Punkte sein können und wohl auch müssen, findet Kurt.

Spielerisch begegneten die Wormser ihren Kontrahenten bislang durchgehend auf Augenhöhe. Auch gegen Spitzenteams setzte Mehring auf Kombinationen statt langen Bällen. Nur im Auftaktspiel gegen Offenbach (1:0) wählte der 34-Jährige einen destruktiveren Ansatz. Doch auch dieser Plan ging auf. Vor dem Aufeinandertreffen mit der Mainzer Bundesligareserve adelte 05-Trainer Jan Siewert die Wormatia als spielstärksten Aufsteiger und sollte nach recht behalten. Nach einem Offensivfeuerwerk und einer Leistungssteigerung in Durchgang zwei gewannen die Wormser 3:2.

Niederlage gegen Mitaufsteiger Trier

Apropos Aufsteiger: Im Moselstadion bei Eintracht Trier ließen die Wormaten „Basics” wie Leidenschaft, Einsatzwille und Gegenwehr vermissen und gingen 0:3 baden. Auch das ist die Wormatia in den Anfangswochen. Norbert Hess, der Sportliche Leiter der Wormatia, sagt: „Wenn wir nicht an unserem Limit spielen, reicht es für uns in dieser Liga nicht.”

Dennoch ist die Wormatia, so viel lässt sich nach acht Spielen bilanzieren, in der Regionalliga angekommen. Mehring hat nicht umsonst gemerkt: „Die Gegner respektieren uns schon sehr und analysieren uns deswegen genau.”

Einige Rotationen in der Mannschaft

Der Umbruch fiel groß aus. Und es lässt sich schon die Frage stellen, warum die Mannschaft einmal auf links gekrempelt wurde. Denn: Dominant waren die Wormser durch die vergangene Oberligasaison gepflügt. Torwart Ricco Cymer verließ mehrfach „ungeprüft” den Rasen, weil die Gegner gegen die Wormatia kein Land sahen. Klar war: Die starken Leistungen der Spieler blieben nicht ungesehen. Leistungsträger wie Noel Eichinger und Simon Joachims nahmen attraktive Angebote an und mussten ersetzt werden. Vize-Kapitän Lennart Grimmer schlug eine Regionalliga-Offerte aus und verlängerte an der Alzeyer Straße. Stammspieler Adrian Kireski passte nicht in die Überlegungen des neuen Trainers. Beim in seinen Leistungen schwankenden Gibriel Darkaoui waren sich die Wormser Verantwortlichen einig, dass Bezahlung und sportlicher Wert sich nicht die Waage hielten. Auch er wurde abgegeben. Ansonsten verließen nur Ergänzungsspieler den Verein.

Von Anfang an suchten die Wormaten regionalligaerfahrene Verstärkungen. Immer mit dem Dilemma, im Vergleich zu den Konkurrenten mit einem Mini-Etat hantieren zu müssen. Zum Vergleich: Mitaufsteiger Fulda-Barockstadt plant mit einem Etat von 1,5 Millionen Euro weit mehr als das Doppelte dessen ein, was die Wormatia für ihr Regionalliga-Budget zur Verfügung hat.

Neuzugänge müssen ins Spiel integriert werden

Die VfR-Verantwortlichen machen aus dieser Tatsache gar kein Geheimnis. Sie ist auch der Grund, weshalb die Wormser kurz vor Transferschluss und auch noch darüber hinaus, mehrere Spieler in die Nibelungenstadt lotsten. Spieler, die bei anderen, potenteren Vereinen nicht mehr untergekommen sind, sich verzockt hatten oder einfach einen Neu-Start wollten. Als Beispiel dienen die erfahrenen Melvyn Lorenzen, Lucas Torres oder Anil Gözütok. Die Beharrlichkeit und die Geduld der Wormser Verantwortlichen hat sich in diesen Verhandlungen ausgezahlt.

Die späten Verpflichtungen hatten jedoch zur Folge, dass sich die Mannschaft nicht einspielen konnte. Spieler, die als Stützen eingeplant sind, müssen sich nun ohne Vorbereitung in das Spielsystem Mehrings einfügen. Mehring sagt: „Es war schon unruhig mit den vielen Neuen. Immer waren Probespieler dabei. Es ist jetzt wichtig, dass unser Kader endlich steht.”

Hat sich der Kader also schon gefunden? Nein, aus oben genannten Gründen ist das verständlicherweise noch nicht der Fall. Da jedoch mit Schlüsselspielern wie Ricco Cymer, Lennart Grimmer, Jean-Yves Mvoto (zuletzt verletzt), Tevin Ihrig, Sandro Loechelt und Jannik Marx auch noch die Achse aus dem Aufstiegsjahr auf dem Rasen steht, besteht die Hoffnung, dass die Integration der neuen Spieler schnell vonstattengeht.

Mannschaft präsentiert sich gut

Nach einem ruhigen, weil wenig geprüften Jahr in der Regionalliga, steht Wormatia-Torhüter Cymer nun wesentlich häufiger im Rampenlicht. Bislang agiert der 27-Jährige teils mit großartigen Paraden und ist ein starker Rückhalt. Im Training und in den Spielen ist er lautstarker Dirigent in der Hintermannschaft.

Die Abwehr blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Außen verteidigen Grimmer (rechts) und Henrique Damaceno, in der Mitte war bis zu Mvotos Verletzung das eingespielte Duo Ihrig/Mvoto gesetzt. Die Routine der erfahrenen Kette machte sich zum Saisonstart bemerkbar. An die Wand gespielt wurde die Wormatia von keinem Gegner. Auch Ramzi Ferjani benötigte keinerlei Anpassungszeit und verteidigte bis zu seinem Platzverweis in Trier souverän. Was auffällt: Im Rücken der offensivfreudigen Grimmer und Damaceno, finden die Wormser Gegner immer wieder Räume und kreieren Chancen.

Im Mittelfeld und im Angriff ist die Mannschaft von Mehring inzwischen fast schon überbesetzt. Mehrere zentrale Mittelfeldspieler und Offensivakteure, die, wie Mehring häufig sagt, „offensiv alles spielen können”, konkurrieren um sechs Plätze. Da Sandro Loechelt, Jannik Marx und Jannik Sommer bislang den Status „absolut gesetzt” haben, schwinden die Einsatzchancen der anderen. Anzunehmen ist, dass auch Spieler wie Lorenzen und Gözütok kurzfristig mehr Spielanteile erhalten werden. Für Mehring bedeutet das, dass er Woche für Woche Spieler enttäuschen muss, die es am Wochenende wohl nicht mal in den Spieltagskader schaffen werden.

Cleverness fördern

Vor der Saison sagte Mehring: „Die Jungs können Oberliga.“ Mit den vielen Neuen gilt das umso mehr. Trotzdem ist ein Großteil der Mannschaft noch unerfahren und jung. Gegen Regionalliga-Spieler bestehen zu können, müssen sie erst noch konstant unter Beweise stellen. Bei Astoria Walldorf (0:1) und gegen den Bahlinger (1:2) verloren die Wormser nicht weil sie schlechter als der Gegner waren, sondern weil die Kontrahenten abgezockter als der VfR auftraten.

Dazu passt auch die Tatsache, dass sich die Wormatia regelmäßig späte Gegentore einfängt. In jeder der vergangenen fünf Partien kassierte das Mehring-Team nach der 80. Minute einen Gegentreffer. Fazit: Bekommen die Wormer ihre „Defensivpanik“ in den Schlussminuten in den Griff, haben sie im Zentrum konstanter Zugriff auf das Spielgeschehen und nutzen die Offensivspieler effizienter ihre vorhandenen Torchancen im Abschluss, dann ist die Wormatia in allen Mannschaftsteilen regionalligatauglich.

Hier kommt ihr zur aktuellen Tabelle der Regionalliga Südwest

Aufrufe: 021.9.2022, 11:00 Uhr
Stefan MannshausenAutor