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Jedes Jahr stöhnen sie, Sportdirektoren und Sekretäre von vielen Fußballvereinen, über die Anzahl an wechselwilligen Spielerinnen und Spielern und den damit verbundenen Aufwand. Zum Beleg: alleine auf FuPa wurden in den letzten sieben Tagen rund 150 Transfers eingetragen. Natürlich ergeben viele Wechsel sowohl für Spieler als auch Vereine Sinn, nicht dass wir uns da falsch verstehen. Doch ab und an wird man den Eindruck nicht los, dass Transfers der Transfers wegen und nicht aufgrund einer sportlichen Entwicklung getätigt werden. Der Transfermarkt wird so zu einem Selbstzweck, den wir, die Medien, natürlich auch gerne dankend annehmen.
Liest man in jenen Medien dieser Tage über Firmen, die vermehrt auf Tür-zu-Tür-Vertrieb (Colportage) setzen, so wird man im Fussball ebenfalls den Eindruck nicht los, dass manche Spielervermittler oder auch Möchtegern-Spielervermittler auf ähnliche Weise vorgehen – und sich manche Sportvorstände blenden oder sogar über den Tisch ziehen lassen. Wenn kleine Amateur-Clubs (!) aus Luxemburg mit solchen Agenten anbandeln um das Niveau zu heben, wenn Vereinsverantwortliche der Meinung sind, dass es normal sei, dass die Arbeit mit Agenturen immer wichtiger werden würde und manche Abnehmer dann irgendwann Spitznamen wie „Schrotthändler“ erhalten, dann wirft dies Fragen nach der gesunden Entwicklung auf, die vermutlich zu Lasten des eigenen Vereinsnachwuchses gehen könnte.
Auch hier gilt: nicht alle Spielervermittler dürfen über einen Kamm geschoren werden. Agenten, die junge, einheimische Talente begleiten und voranbringen und sie im Idealfall via BGL Ligue in ausländischen Proficlubs unterbringen können, erfüllen durchaus einen wichtigen Zweck. Aber abgehalfterte Ex-Profis in der BGL Ligue als besser wie der vereinseigene Nachwuchs zu verkaufen, riskiert die Qualität der luxemburgischen Fußballligen ebenso zu schwächen wie aufgeblähte Ligen mit sechzehn Teams. Im Oberhaus herrscht z.B. eine Mehrklassengesellschaft, die eine Stagnation oder gar eine Rückentwicklung der Leistungsfähigkeit nach sich zieht. Ein Blick auf die aktuellen Ergebnisse in den verschiedenen europäischen Wettbewerben lässt keinen anderen Schluss zu - getreu dem Spruch, Stillstand ist Rückschritt.
Spätestens wenn dann noch Machtspielchen und Geld ins Spiel kommen wird klar, dass auf vielen Führungsebenen der Sport nicht mehr an erster Stelle steht. Am Donnerstag berichtete „Le Quotidien“ so z.B. von einem geheimen Schreiben des Ligaverbandes LFL an den Fußballverband FLF. Die Tageszeitung bringt eine Nicht-Verabschiedung der Budgets und damit einen möglichen Fall des Verwaltungsrats sowie einige Zeilen davor des Vorsitzenden Paul Philipp ins Spiel. Pikant in diesem Zusammenhang sind gleich mehrere Punkte. Erst Anfang Juli wurde bekannt, dass alle sechzehn Vereine der Ehrenpromotion in den Ligaverband aufgenommen wurden.
Die Erstligisten lockten sie zum Jahresanfang mit erhöhten Solidaritätszahlungen. Mit den jetzt 32 Mitgliedsvereinen verfügt die LFL aufgrund des Wahlsystems innerhalb der FLF laut FuPa-Berechnungen über 50,34 Prozent der Stimmen – „Le Quotidien“ schrieb seinerseits ebenfalls von etwas mehr als der Hälfte der Stimmen ohne konkrete Zahlen zu nennen. Die restlichen 73 Vereine kämen auf 49,66 Prozent. Dies war wohl durchaus Kalkül, von langer Hand geplant, wie aus dem eingangs diesen Abschnitts eingefügten Link hervorgeht. Doch die theoretische Mehrheit ist minimal und niemand sagt, dass alle LFL-Vereine mit ihrem Ligaverband stimmen würden. Doch auch nicht jeder sagt, dass die anderen 73 Clubs sich einig seien.
Dass der luxemburgische Fußball verschiedene Reformen, z.B. bei seiner Satzung, in der Kommunikation oder der Geschäftsführung, durchlaufen muss, ist nicht wirklich ein Geheimnis. Doch anstatt zusammenzuarbeiten und gemeinsam nach möglichen Lösungen zu suchen, die dem Sport dienen - und um diesen muss es vorrangig gehen - würden der Meinung des Autors dieser Zeilen nach die Folgen eines über einen fast schon perfiden Weg losgetretenen Machtkampfs dem Fußball als solchen, als Volkssport, riskieren zu schaden. Dass vier Clubs aus dem erwähnten Ligaverband die UEFA-Lizenz nicht in erster Instanz erhielten und drei das Zulassungsverfahren nicht beendeten, spricht nicht unbedingt für die LFL, welche einen solchen Machtkampf scheinbar anfachen möchte. Auch die drei Vereine, die in den letzten dreizehn Monaten einer temporären Transfersperre seitens des Weltverbandes FIFA unterlagen, sind übrigens Mitglied der LFL.
Wenn es weitere Reformen braucht, dann strukturell-sportliche, die das Niveau einer BGL Ligue als auch der anderen Spielklassen wieder nachweislich erhöhen. Uns schweben da eher Begrenzungen von Kadergrößen vor (wer braucht in Luxemburg ein Aufgebot von vierzig Spielern?), verkleinerte Ligen mit mehr Spielen auf einem Niveau und wieder eine erhöhte Integration lokaler Talente. Natürlich gibt es Vereine, die dies selbst bereits umsetzen. Doch solange das Gros sein Heil in Kirchturmpolitik sucht, solange Geld, Egos und Macht wichtiger als der Sport selbst sind, solange riskiert der luxemburgische Fußball sich nur noch unzureichend weiterzuentwickeln.
Anmerkung: dieser Kommentar ist die persönliche Sicht der Dinge des Autors dieser Zeilen und stellt keinesfalls die Meinung anderer Redakteure von FuPa, FuPa Luxemburg oder Teilhaber der Betreibergesellschaft dar.