2024-03-01T12:31:23.136Z

Interview
Einstand geglückt! Da hat es sich Philipp Eckart verdient, abzuklatschen - genauso wie Torschütze Paul Obrusnik.
Einstand geglückt! Da hat es sich Philipp Eckart verdient, abzuklatschen - genauso wie Torschütze Paul Obrusnik. – Foto: HMB Media/ Julien Becker

Philipp Eckart: Sein Debüt sorgte für bayernweite Aufmerksamkeit

Das einzige Bayernliga-Spiel am vergangenen Wochenende war gleichzeitig sein Einstand als Trainer des Würzburger FV.

Diese Partie wird wohl Philipp Eckart nicht so schnell vergessen. Das Spiel gegen den ASV Cham war sein aufgrund witterungsbedingter Absagen zuvor verspätetes Debüt für den Würzburger FV. Es war gleichzeitig die erste Begegnung des 34-Jährigen als Cheftrainer überhaupt. Und: Es war das einzige Bayernliga-Spiel im ganzen Freistaat Bayern, das am vergangenen Winterchaos-Wochenende ausgetragen werden konnte. Genügend Themen also, um mit Philipp Eckart ein Interview zu führen...

Philipp, 4:1 gegen Topteam Cham gewonnen, der erst vierte Saisonsieg und somit gleich mal den direkten Abstiegsplatz verlassen - ist Dein Debüt als WFV-Trainer ausschließlich positiv zu bewerten? Oder gibt es auch negative Aspekte nach dem 1. Dezember-Samstag?
Für den Moment möchte ich ausschließlich die positiven Dinge mitnehmen. Klar war nicht alles zu 100 Prozent perfekt, wie beispielsweise die Unaufmerksamkeit beim Gegentreffer. Aber wie die Mannschaft über das gesamte Spiel hinweg gearbeitet hat, wie diszipliniert sie sich verhalten hat und welch gute Chancen wir uns auch herausgespielt hatten, stimmt mich extrem glücklich. Nun heißt es kurz genießen, ehe die Vorbereitung auf das letzte Spiel diesen Jahres ansteht. Ich freue mich bereits jetzt auf die Arbeitswoche mit den Jungs.

Würzburg ringt um die Bayernliga, soviel steht bereits jetzt fest. Wie akut würdest Du die Lage des "Patienten" WFV einstufen? Nur eine schwere Grippe, Notaufnahme oder bereits Intensivstation?
Die Situation ist natürlich ernst. Aber ich begreife diese Herausforderung vor allem als Chance.
Die Mannschaft ist jung, braucht Führung, aber ist auch bereit zu lernen und mit Herzblut dabei. Das stimmt mich äußerst positiv.

Woran liegt’s aus Deiner Sicht, dass der WFV unten fest steckt? Ist es die Qualität der Spieler? Ist es Einstellungssache? Bisher falsche Taktik? Oder gibt es keine einfache Erklärung?
Ich möchte und tue gut daran, nicht über das, was war, zu sprechen, sondern mich auf das, was sein wird, zu konzentrieren.



Was stimmt Dich positiv, dass der Traditionsverein auch kommende Spielzeit in der Bayernliga spielt?
Das Engagement und die Bereitschaft der Jungs und die Unterstützung des Teams um das Team herum. Hier packen alle an und jeder hat Lust, sich einzubringen. Der Zusammenhalt muss unser Faustpfand werden und dann bin ich überzeugt, dass sich die sehr junge Truppe mit etwas Zeit entwickeln kann und dementsprechend dann auch Ergebnisse eingefahren werden können.

Du warst zuletzt als Co-Trainer im Profibereich aktiv. Bei den Kickers, und in Aue. Du hattest etwas Abstand, also: Wie bewertest Du das Niveau der Bayernliga?
Ich durfte jetzt ein Spiel leiten. Das gibt mir ein Gefühl für die Liga, aber natürlich noch nicht mehr. Für mich war es gut, zu sehen, wie sich meine Jungs in Wettkampf verhalten. Aber von einem allgemeinen Gefühl oder gar einer Einschätzung des Niveaus der Liga sprechen zu können, brauche ich mehr Zeit. Aber sicherlich ist es kein Geheimnis, wenn man sagt, dass das Spiel natürlich weniger Tempo und mehr technische Fehler als ein Spiel auf Profiniveau hat

Von der 3. in die 5. Liga: Ist das nicht ein Rückschritt für Dich?
Nein. Ich habe eine Entscheidung für meine aktuelle familiäre Situation gefällt und nicht gegen den Fußball. Ich wollte einfach bei meinem kleinen Sohn und meiner Frau sein, obwohl ich mich in Aue beruflich extrem wohl gefühlt habe.

Welche Ambitionen hast Du nun als Cheftrainer? Auch ab zu den Profis?
Das ist alles ein Prozess. Nach einem Spiel von Ambitionen zu sprechen. ist total vermessen. Ich habe sehr gerne und vertrauensvoll als Co-Trainer gearbeitet und kann mir auch das künftig wieder vorstellen.

Das Spiel gegen Cham war nicht nur wegen Deines Debüts besonders. Es war im Winterchaos des 1. Adventswochenendes auch das einzige Bayernliga-Spiel, das im Freistaat angepfiffen wurde. Hast Du diese Außergewöhnlichkeit schon wahrgenommen?
Das habe ich natürlich mitbekommen und fand es selbst etwas kurios. Es geht ja auch um die An- und Abreise zu den Spielen und da sollte man aus meiner Sicht schon berücksichtigen, wie die Wetterlage auf der Strecke und nicht nur am eigentlichen Spielort ist.

– Foto: HMB Media/ Julien Becker


Wie war es um den Platz in Würzburg bestellt? Alles regelkonform und fair?
Der Platz war deutlich besser als gedacht und daher absolut bespielbar.

Ist Euch das Chaos der vergangenen Tage vielleicht sogar entgegen gekommen, sodass Topteam Cham erst überhaupt stemmbar wurde?
Das würde ich vehement verneinen. Wir konnten selbst die vergangene Woche nicht trainieren. Ich denke, die Chamer Mannschaft und deren Trainer kennen sich gut genug, um solch eine Woche eher verschmerzen zu können als wir. Aber wir wollten nicht jammern und aus den gegebenen Bedingungen das beste machen. Das ist uns - Gott sei Dank - aufgrund einer disziplinierten Leistung gelungen.

Nächste Woche wäre noch das Nachholspiel gegen Neumarkt angesetzt. Wird’s noch was?
Das kann ich - Stand heute - nicht sagen. Wir schauen, wie sich das Wetter entwickelt und sind dann sicherlich mit Gegner und Verband im Austausch.

Ist des angesichts des witterungsbedingten Durcheinander dieser Tage überhaupt noch sinnvoll, an Spiele an der frischen, eiskalten Luft zu denken?
Ich kann natürlich nicht in die Glaskugel schauen und weiß nicht, wie das Wetter die kommende Woche wird. Aber klar: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es ähnlich wie an diesem Wochenende sein wird. Man muss natürlich immer auch die erhöhte Verletzungsgefahr durch die Platzverhältnisse berücksichtigen.

Wärst Du Befürworter einer vorzeitigen Winterpause?
Generell bin ich der Meinung, dass man zumindest darüber nachdenken sollte. Tendenziell müsste man vermutlich eher mit der Saison beginnen, um die Zeit des guten Wetters besser zu nutzen.

Vielen Dank für das Interview - und alles Gute für die Zukunft.

Aufrufe: 04.12.2023, 14:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor