Ratingen 04/19 greift in der Oberliga an.
Ratingen 04/19 greift in der Oberliga an. – Foto: Patrik Otte

Hasenpflug will mit 04/19 die Spitze angreifen

Der Ratinger Trainer formuliert ein Saisonziel, das ähnlich offensiv wie sein Spielstil ist. Im Angriff wurde am meisten aufgerüstet.

In der offiziellen Sprachregelung hatte das Ziel von Ratingen 04/19 für die am Sonntag beginnende neue Saison in der Oberliga so gelautet: „Wir wollen den Abstand zu den Top Drei verringern.“

TSV Meerbus.
3:5
Rating.04/19

Gemeint waren da Aufsteiger 1. FC Bocholt, Vizemeister VfB 03 Hilden und die SSVg Velbert, die letztlich das Aufstiegsrennen mit großem Abstand unter sich ausmachten. Anfang der Woche ist nun aber Martin Hasenpflug aus der offiziellen Sprachregelung ausgebrochen. Dem Magazin „Reviersport“ sagte der 04/19-Trainer: „Mein Ziel ist Platz eins in dieser Saison. Wir haben viele starke Spieler bekommen und konnten den Kern der Mannschaft aus dem letzten Jahr zusammenhalten. Der Kader ist in der Breite gut aufgestellt, und wenn alles gut läuft, ist die Meisterschaft ein realistisches Ziel.“ Das sorgte für reichlich Verwunderung über die Grenzen seines Vereins hinaus.

Nun ist ein offensiver Ansatz Teil des Wesens von Martin Hasenpflug, der lieber 5:4 als 1:0 gewinnt – die Angriffslust in der Aussage ist aber überraschend. Auf Nachfrage unserer Redaktion meint der Trainer: „Es kann sein, dass der eine oder andere davon überrascht war, weil man es von Ratingen nicht gewohnt ist, dass so ein Saisonziel formuliert wird. Aber diejenigen, die sich intensivermit uns beschäftigen, können das vielleicht eher nachvollziehen. Wir haben einen Großteil der Mannschaft behalten und gute Spieler dazubekommen.“ Und weiter: „Platz eins ist ja nicht das vom Verein ausgegebene Ziel, sondern mein persönliches. Ich weiß, dass das ambitioniert ist. Wir haben vielleicht nicht die Mannschaft mit den besten Einzelspielern, aber eine gute Truppe, wo wir über den Teamgeist viel wettmachen können. Wenn die Mannschaft weiter so gut dran zieht, werden wir in der Lage sein, eine größere Leistung als die der Einzelspieler abzurufen.“

Starker Rivale in Uerdingen

Natürlich weiß Hasenpflug, dass im Regionalliga-Absteiger KFC Uerdingen ein Schwergewicht dazu gekommen ist und die SSVg Velbert sicher wieder den Aufstieg anstrebt. Hinzu kommen noch Vizemeister Hilden und der Vorjahres-Vierte Sportfreunde Baumberg als Kandidaten für die oberen Plätze. „Der KFC und die SSVg sind vom Etat her sicher Favorit, aber nackte Zahlen sagen im Fußball nicht alles aus. Es geht darum, dass wir bessere Arbeit abliefern“, sagt Hasenpflug. Der 45-Jährige illustriert: „Einen Kader mit guten Einzelspielern zu haben, ist nicht schlecht, aber Hilden hatte letzte Saison auch nicht die zweitbeste Mannschaft der Liga, ist damit aber Zweiter geworden.“

Die offensive Denkweise des Coaches spiegelt sich auch in den Transfers: Sechs der neun Zugänge (siehe Info-Kasten) sind im Offensivbereich zu Hause. Königstransfer Samed Yesil stand einst beim FC Liverpool unter Vertrag und hat in der Vorbereitung acht Tore in drei Spielen geschossen. Einzelne Spieler will Hasenpflug eigentlich nicht herausheben, muss beim Ex-Profi aber zugeben: „Gegen Fischeln war Samed an allen sechs Toren beteiligt, und gegen den SV Solingen macht er einen Hattrick in sieben Minuten – das sind dann schon außergewöhnlicheSachen. Er ist aber auch immer der erste aus der Mannschaft, der die Anlage zu jedem Training und Spiel betritt, er hat keine Einheit verpasst und ist bei jeder Übung hoch konzentriert.“

Neue Elemente in der Offensive

In der Vorsaison waren zwei Mittelfeldspieler die besten Scorer bei Ratingen 04/19: Emre Demircan schoss neun Tore und bereitete sechs vor, Ali Can Ilbay traf zehnmal und gab fünf Assists. Bei den Stürmern kam nur Takuma Misumi, der inzwischen wieder zurück in Japan ist, mit neun Treffern und einem Assist auf eine zweistellige Scorer-Bilanz. „Wir wollen offensiv spielen, aber in der Offensive hat es in der letzten Saison etwas gehapert. Deswegen haben wir in diesem Bereich ein bisschen nachgelegt“, erklärt Hasenpflug.

Neben Yesil ist da Tom Hirsch in der Vorbereitung aufgefallen, der den MSV Düsseldorf in der Vorsaison fast alleine zum Aufstieg geschossen hatte. Der 26-Jährige hat sich nicht nur wegen seiner drei Tore in den Testspielen, sondern vor allem durch seine robuste und laufintensive Art auf der linken Außenbahn festgespielt – die Position, die Ilbay sonst häufig besetzte. Um seinen besten Torschützen der vergangenen Spielzeit dennoch auf dem Platz haben zu können, hat Hasenpflug den 30-jährigen Vize-Kapitän nun zum linken Außenverteidiger gemacht. „Das ist schon eine Luxus-Variante, dass wir es uns erlauben können, so einen Spieler eine Position tiefer zu stellen“, findet der Trainer und ergänzt: „Wir haben Qualität hinzu gewonnen und haben dann noch einen so starken, schnellen Spieler wie Ali Can, der dahinter noch Druck machen kann.“

Verstärkungen in der Defensive

Auch in der Abwehr gibt es wohl einen Tausch: In Mike Koenders hat Hasenpflug nun einen Linksfuß in der Innenverteidigung, der ihm mehr Möglichkeiten in der Spieleröffnung bietet, als das zwei Rechtsfüße könnten. Das ging vor allem zulastenvon Phil Spillmann, gerade zum zweiten Stellvertreter von Kapitän Erkan Ari gewählt, der mit sechs Treffern in der Vorsaison torgefährlichster Abwehrmann bei 04/19 war. „Für jeden Spieler ist der Konkurrenzkampf größer geworden, auf allen Positionen“, entgegnet Hasenpflug und ergänzt über Spillmann: „Er ist gefährlich bei Standards und hat einen guten Spielaufbau. Er hat aber fast die Hälfte der Vorbereitung urlaubsbedingt verpasst und deswegen Trainingsrückstand. Nun macht er nach jedem Training freiwillig Intervalle – da bin ich zuversichtlich, dass er den Rückstand aufholt.“

Überhaupt betont der Trainer immer wieder, dass er angesichts von 40 Partien in der Saison jeden Spieler brauchen werde. „Es wird eine intensive Saison mit vielen Spieltagen und vielen Englischen Wochen. Ich denke aber, dass sie spannender und interessanter als die letzte wird, weil ich nicht sehe, dass zwei, drei Mannschaften davonziehen, sondern dass es ausgeglichener zugehen wird“, sagt Hasenpflug. Auch nicht der KFC? „Nein, das sehe ich auch nicht. Uerdingen hat super Spieler, aber auch einen komplett neuen Kader, der erst einmal zusammenwachsen muss. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der KFC am Ende 20 Punkte Vorsprung hat.“

Hasenpflugs eigener Kader muss sich indes auch noch weiter finden. „Wir haben viele Abläufe schon gut einstudiert, aber ich sehe uns erst bei 70 bis 80 Prozent. Das Ziel muss sein, dass wir ab dem zehnten Spieltag auf unserem Top-Niveau sind. Wenn die halbe Mannschaft neu ist, geht das nicht in fünf Wochen“, sagt der Coach.

Zum Auftakt geht es am Sonntag (15 Uhr) zum TSV Meerbusch. „Die Mannschaft ist nicht zu vergleichen mit der aus dem letzten Jahr“, urteilt Hasenpflug. „Meerbusch hat mit Kevin Kreuzberg, den ich gut kenne, weil wir beide uns als Trainer der U19 schon begegnet sind, einen neuen Trainer, der frischen Wind und Aufbruchstimmung beim TSV reingebracht und den Spielstil ein Stückweit verändert hat. Die Meerbuscher haben bis auf eines alle Vorbereitungsspiele gewonnen und werden in der Liga eine bessere Rolle spielen als letztes Jahr. Das wird direkt ein Prüfstein für uns, eine hohe Hürde“, sagt Hasenpflug. Bei einem derart ambitionierten Saisonziel wie dem seinen sollte die aber nicht zu hoch sein für 04/19, auch wenn die Stürmer Melvin Ridder (verletzt) und Moses Lamidi (Rückkehr aus dem Urlaub) zum Auftakt noch fehlen.

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Aufrufe: 05.8.2022, 22:05 Uhr
Georg AmendAutor