2024-05-22T11:15:19.621Z

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Die Frauen von Adler Osterfeld haben ungewollt einen Präzedenzfall geschaffen.
Die Frauen von Adler Osterfeld haben ungewollt einen Präzedenzfall geschaffen. – Foto: Michael Werner

FVN löst Welle der Entrüstung im Frauenfußball aus

Mit einer Entscheidung hat der Fußball-Verband Niederrhein den Unmut zahlreicher Vereine auf sich gezogen.

Es rumort gewaltig im Frauenfußball am Niederrhein. Der Auslöser: Rot-Weiß Oberhausen hat zur neuen Saison eine Frauen-Abteilung gegründet und startet direkt in der Landesliga. Das sehen die Statuten so nicht vor, weswegen es zu zahlreichen Unmutsäußerungen aus den Vereinen kommt. RWO hat nämlich nicht nur einen zweifelhaften Startplatz zugesprochen bekommen, sondern auch einen Präzedenzfall geschaffen, der die Sportgerichte wohl noch beschäftigen wird.

Doch der Reihe nach. In der Frauen-Bezirksliga hat der SV Adler Osterfeld die Meisterschaft gewonnen. Gleichzeitig hat der Verein aber auch verkündet, zur Spielzeit 2023/24 keine Frauenmannschaft mehr zu stellen. Große Teile des Teams wechselten daraufhin zu Rot-Weiß Oberhausen, das eine neue Abteilung für den Frauenfußball gegründet hat. So weit, so gut. Kurios wurde es allerdings bei der Veröffentlichung der Gruppen-Einteilungen für die anstehende Saison. Da tauchte RWO in der Landesliga auf. Auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigte der Fußball-Verband Niederrhein (FVN), dass die Kleeblätter den Startplatz von Adler Osterfeld übernommen hätten. Und an diesem Punkt nahm der Unmut der Vereine seinen Lauf.

Bei einem Blick in die Spielordnung des Westdeutschen Fußballverbandes ergeben sich nämlich gleich mehrere Fragen, die zum jetzigen Zeitpunkt unbeantwortet sind. So heißt es in Paragraf 39, Absatz drei: "Neu in den Verband aufgenommene Vereine und wiederaufgenommene Vereine sollen in der Regel der untersten Klasse ihres Kreises zugeteilt werden. Die Entscheidung trifft das Präsidium des zuständigen Landesverbandes nach Anhörung des zuständigen Kreisvorstandes und des Verbandsfußballausschusses.“ Wichtig ist an dieser Stelle die Formulierung "in der Regel", die Spielraum für Interpretation lässt. Denn Fakt ist: Die Mannschaft von RWO ist neu und nimmt erstmalig am Spielbetrieb teil. In der Regel hätte das Team also in der untersten Spielklasse starten müssen.

FC Kray sieht sich benachteiligt

Der erste Protest ließ nicht lange auf sich warten. Der FC Kray, der die Saison auf dem zweiten Tabellenplatz hinter den Adlern abschloss, sah einen Verstoß gegen die Regularien und legte Protest ein. Die Argumentation ist dabei soweit schlüssig. Da Osterfeld auf einen Startplatz in der Landesliga verzichtet, wäre das Aufstiegsrecht an den zweitplatzierten aus Kray gegangen und nicht auf ominöse Weise nach Oberhausen.

"Das geht nicht. Das ist ja vorbei an allen Regularien, die es im FVN gibt. Das ist für mich ein einmaliger Vorgang in Deutschland, eine Ignoranz gegenüber dem Frauenfußball. Das würde im Herrenfußball niemals passieren", ärgert sich Marcus Siepmann, Trainer des FC Kray, in der WAZ. Und weiter: "Von der Regelung ist es so, dass der sportliche Aufsteiger Adler Osterfeld sein Aufstiegsrecht nicht wahrgenommen hat. Demzufolge rückt eigentlich der Zweite, in dem Fall wären wir das gewesen, automatisch nach. Es gab aber wohl im Vorfeld eine Absprache zwischen dem Präsidium des Fußballverbands Niederrhein (FVN) und dem Präsidium von Rot-Weiß Oberhausen. Da der Trainer von Adler Osterfeld mit einigen Spielerinnen den Verein verlassen hat und Richtung Rot-Weiß Oberhausen gewechselt ist, dass sie dann auch das Spiel- und Startrecht in der Liga bekommen."

Der Verbandsfußballausschuss hat sich nun der Argumentation der Krayer angeschlossen, der zuvor von einem erheblichen Verstoß gegen die Spielordnung des WDFV sprach. In der Konsequenz wurde dem FCK nachträglich ein Platz in der Landesliga zugesprochen. Ob RWO seinen behalten darf, ist derweil noch nicht abschließend geklärt. Weitere Vereine sind empört über die Entscheidung des Verbandes und die intransparente Kommunikation. So werde einem künftigen Missbrauch Tür und Tor geöffnet.

Verband weicht Nachfragen aus

Wenig zu sagen hat der FVN zu diesem Thema. Auf eine ausführliche Anfrage der WAZ gab es nur eine kurze Antwort, in der zahlreiche Fragen unbeantwortet blieben. So habe das FVN-Präsidium dem Antrag von RWO, in der Landesliga zu starten, auf Vorschlag des Verbandsfußballausschusses zugestimmt. Warum es aber zu dieser Entscheidung kam, die im Kern den eigenen Statuten widerspricht, bleibt offen. Wie es in der Causa weitergeht, ist derzeit völlig offen, zumal der Start der Saison mit jedem Tag näher rückt.

In Kray überwiegt derweil die Erleichterung. "Wir freuen uns und finden das gut, weil uns dieser Startplatz zusteht. Der Erste, Adler Osterfeld, hat von seinem Aufstiegsrecht nicht Gebrauch gemacht. Dementsprechend muss der Zweite gefragt werden – und das haben wir beantragt. Dem ist jetzt so zugestimmt worden. Man hofft immer, dass sich die Gerechtigkeit dann durchsetzt. In diesem Fall ist es so gewesen", sagt Siepmann.

Irritiert über den Einspruch ist hingegen Niklas Seeger. Der ist als Trainer mit Adler Osterfeld aufgestiegen und dann mit zahlreichen Spielerinnen an die Lindnerstraße gewechselt. "Wir sind ehrlich gesagt ein bisschen sprachlos. Seit März ist klar, dass wir als Rot-Weiß Oberhausen weiterspielen möchten. Das wussten auch unsere Gegner. Wir haben alles regelgerecht eingereicht, jetzt sollen den Mädchen Steine in den Weg gelegt werden", erläutert er. Ex-RWO-Präsident Hajo Sommers versteht die ganze Aufregung nicht. "Wo ist das Problem? Wir haben denen nichts weggenommen", erklärt er in Richtung Kray. Bis der Sachverhalt abschließend geklärt ist, dürften noch einige spannende Tage vergehen.

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Aufrufe: 027.7.2023, 12:00 Uhr
Marcel EichholzAutor