Staffelübergabe: Christoph Kern übernimmt das Amt von Rainer Koch (r.).
Staffelübergabe: Christoph Kern übernimmt das Amt von Rainer Koch (r.). – Foto: DPA/Alexandra Beier/Bayerischer Fußball-Verband

„Vermisse nicht alles und jeden“: Koch dankt ab - Kern neuer BFV-Präsident

39-jähriger Schwabe neuer BFV-Präsident

Der lang anhaltende Applaus nach seiner Abschiedsrede mit einer deutlichen Spitze gegen seine Gegner im DFB tat Rainer Koch sichtlich gut.

Bad Gögging – Die 261 Delegierten erhoben sich am Samstag auf dem Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), von ihren Stühlen, um ihrem nach 18 Jahren scheidenden Präsidenten für sein Engagement zugunsten des Amateurfußballs zu danken.

Später wählten sie Schwabens Bezirkschef Christoph Kern zu Kochs Nachfolger. Der 39-Jährige setzte sich im Dreikampf erstaunlich deutlich gegen den BFV-Vizepräsidenten Robert Schraudner (58) und Landesliga-Betreuer Christian Bernkopf (44) durch. Damit wurde der von Kern propagierte „Generationenwechsel“ in Bayern vollzogen. Er dankte „für das Vertrauen in einer Zeit des Aufbruchs und Umbruchs“.

„Ich scheide ja nicht aus dem Leben, sondern aus dem Amt.“

Rainer Koch

Der langjährige Spitzenfunktionär Koch erklärte seinen Rückzug aus der ersten Reihe auch in Bayern hauptsächlich mit der „gegen mich geführten Kampagne“ auf DFB-Ebene. „Ja, ich wollte ursprünglich noch mal kandidieren“, sagte der 63-Jährige in seiner letzten Rede als Chef des größten Landesverbandes im Deutschen Fußball-Verband (DFB). Er hätte unter anderem die Europameisterschaft 2024 mit dem Spielort München als „große Werbeveranstaltung“ für den Fußball gerne noch „mitgestaltet“. Dieser Plan war aber im Frühjahr durchkreuzt worden.

Nach seiner krachend gescheiterten Wiederwahl als Vizepräsident auf dem DFB-Bundestag in Bonn sei für ihn „in der gleichen Sekunde“ klar gewesen, im Interesse des BFV handeln zu müssen. Er ziehe sich „sehr entspannt“ aus der ersten Reihe des Fußballs zurück, versicherte der Jurist: „Ich scheide ja nicht aus dem Leben, sondern aus dem Amt.“

BFV: Christoph Kern setzt sich überraschend deutlich durch

Eine verbale Spitze gegen seine Gegner im DFB formulierte der dreimalige Interimspräsident und im Verbandschaos der letzten Jahre zunehmend umstrittene Strippenzieher gleichwohl: „Ich vermisse nicht alles und jeden, mit dem ich in den vergangenen Jahren zu tun hatte.“

Er habe stets die Interessen des Amateurfußballs und Bayerns im Blick gehabt. „Ja, ich war und bin ein streitbarer Mensch. Bin ich deswegen umstritten?“, sagte Koch. 2023 werde er auch den lukrativen Posten im UEFA-Exekutivkomitee vorzeitig räumen. In dem Spitzengremium des europäischen Dachverbandes sei es ihm nie „um persönliche Pfründe“ gegangen, wie ihm Neider unterstellt hätten. „Am UEFA-Tisch sollte auch ein echter Vertreter des Amateurfußballs sitzen“, sagte Koch. Sein Nachfolger wird DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke (63), zugleich Geschäftsführer des Proficlubs Borussia Dortmund.

Kern hatte sich in Bad Gögging als Chance zum Wandel nach der Ära Koch positioniert. Das kam anscheinend bei den Delegierten an. Kern erzielte mit 137 von 257 gültigen Stimmen schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Für den enttäuschten Wahl-Verlierer Schraudner votierten 97 Delegierte, für den krassen Außenseiter Bernkopf 23. „Ich war schon überrascht, dass es so deutlich war. Es ist ein Rückenwind, den ich mitnehme“, sagte der Jurist und Familienvater. (dpa)

Aufrufe: 027.6.2022, 07:16 Uhr
Dpa Deutsche Presse-AgenturAutor