Eintrachtler Basti Kreidler setzt Kirns Keeper Timo Furtwängler unter Druck.
Eintrachtler Basti Kreidler setzt Kirns Keeper Timo Furtwängler unter Druck. – Foto: Mario Luge

Eintracht-Sieg im »Wildwest«-Derby

Deniz Darcan und Basti Kreidler treffen zum 2:0 in Kirn / Samstag zum nächsten Lokalduell nach Simmertal

KIRN / BAD KREUZNACH. Die SG Eintracht bleibt in der Spur. Mit dem jüngsten 2:0 (2:0)-Erfolg bei der SG VfR Kirn/SC Kirn-Sulzbach feierte der Bad Kreuznacher Fußball-Landesligist seinen dritten Pflichtspiel-Erfolg in Serie. Damit schob sich der Verbandsliga-Absteiger auf den dritten Platz der Tabelle und ist bereit für das vierte Derby in Serie: am Samstag um 16.30 Uhr beim Landesliga-Neuling VfL Simmertal.

Das war pure Intensität: Die Bad Kreuznacher Mannschaft holte sich beim wichtigen Derby-Sieg „Auf Loh“ einen weiteren Stempel fürs Aufgabenbuch ab, wie es Thorsten Effgen bebilderte. Der Coach kann seinen Hauptberuf als Realschullehrer einfach nicht leugnen. Eine weitere Hauptberufung ist daneben die des Fußballlehrers. Und in dieser Eigenschaft war der 47-Jährige „Auf Loh“ gefordert – und zwar mehr, als ihm lieb war. „Was soll ich machen, wenn sich die Partie so entwickelt wie hier in der zweiten Halbzeit?“, fragt der Eintracht-Trainer, der deutlich mehr als sonst kommentieren und kritisieren musste. Im Westen des Kreises hatte sich nämlich ein äußerst wilder Schusswechsel entwickelt. Wildwest-Fußball in der Lederstadt.

Im Liegen versucht Levi Mukamba den Ball noch zu kontrollieren.
Im Liegen versucht Levi Mukamba den Ball noch zu kontrollieren. – Foto: Mario Luge

Oder eben Fußball Marke Michael Dusek. Der Kirner Trainer feuerte seine Mannschaft bis zum Schluss nach vorne, jagte die Spieler in die Zweikämpfe, haderte mit den Schiedsrichtern. „Das hat was von Betze“, fand Effgen, der seinem Pendant nach Abpfiff dennoch zu einer starken kämpferischen Leistung gratulierte. „Hier in Kirn gewinnen nicht viele“, konstatierte Effgen an alter Wirkungsstätte.

Nur gut für die Bad Kreuznacher, dass sie in der ersten Halbzeit mit einer spielerisch guten Vorstellung mit Höhepunkten im Umschaltverhalten verdient die Grundlage für ihren Auswärtserfolg gelegt hatten. Die Eintracht war gedanklich viel frischer, was sich besonders beim Treffer zum 1:0 zeigte. Da bekam die VfR-Abwehr bei vier Abschlüssen in Folge den Ball nicht ordentlich geklärt, ehe Deniz Darcan im fünften Anlauf von der Strafraumkante ins Netz traf. „Ich war selbst etwas überrascht, dass ich noch einmal an den Ball gekommen bin“, gab der Kapitän hiernach zu. Während die Kirner offensiv vor der Pause so gut wie gar nicht stattfanden, erhöhte Basti Kreidler in der 38. Minute nach einem perfekten Konter auf 2:0. Zwischen den beiden Toren lagen ein Pfosten-Kopfball von Cenk Ceylan (30.) und ein etwas versemmelter Abschluss aus zehn Metern von Jan Wingenter (36.).

Eintracht-Kapitän Deniz Darcan im Laufduell mit VfR-Defensivmann Julian Röhrig.
Eintracht-Kapitän Deniz Darcan im Laufduell mit VfR-Defensivmann Julian Röhrig. – Foto: Mario Luge

Motivator Michael Dusek „hat etwas von Betze“

Die einen verteilen Blutwurst in der Pause, andere schicken Motivator Michael Dusek in die Kabine. Das wirkte auch bei den Kirnern, die nach dem Wechsel nochmals eine Schippe Emotion draufpackten. „Das war teilweise an der Grenze des Erlaubten und hat meiner Mannschaft alles abverlangt“, beschrieb Thorsten Effgen die torlose, aber jederzeit spannende zwei Halbzeit. Und wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, hätte Jannik Peitz in der 78. Minute nicht nur den Pfosten getroffen. Der Alleinunterhalter im VfR-Angriff hatte schon nach einer Stunde mit einem schönen Schuss in SGE-Keeper Mark Becker seinen Meister gefunden und war fünf Minuten später wieder nur knapp gescheitert.

„Wir haben es versäumt, mit dem dritten Treffer den Deckel drauf zu machen“, fand Effgen trotz des Sieges einen Ansatz zur Kritik. Es geht schließlich immer noch ein bisschen besser. Diesen dritten Treffer hätte der wieder viel rackernde Levi Mukamba auf dem Fuß gehabt, wäre er nicht auf dem Solo zum Tor von Timo Furtwängler per Foul gebremst worden. Kirns Keeper sah zurecht die Rote Karte, der dritte Gäste-Treffer blieb im Konjunktiv.

Nach Foulspiel muss Eintrachtler Jan Wingenter behandelt werden.
Nach Foulspiel muss Eintrachtler Jan Wingenter behandelt werden. – Foto: Mario Luge

Das ein oder andere verbale Duell nach Abpfiff war bezeichnend für den Wildwest-Schusswechsel in Kirn. Ebenso wie die dicke Wade von Jan Wingenter, der Mitte der zweiten Halbzeit abgeräumt worden war und den Abpfiff von Außen erlebte. Auch Torschütze Darcan und Co-Kapitän Sebastian Baumann, der wieder in der Startformation gestanden hatte, gingen vorsichtshalber vorzeitig vom Feld.

Rot gegen Kirns Keeper: Timo Furtwängler kann es nicht fassen.	Foto: Mario Luge
Rot gegen Kirns Keeper: Timo Furtwängler kann es nicht fassen. Foto: Mario Luge

Thorsten Effgen wird für das nächste Lokalduell am Samstag in Simmertal möglicherweise rotieren müssen. „Ich hätte schon zum Spiel nach Kirn gerne Spieler aus der zweiten Mannschaft mitgenommen. Aber viele sind Schüler und mussten Termine von der Schule wahrnehmen.“ Lehrer Effgen schmunzelt verschmitzt. Fluch und Segen einer jungen Mannschaft.



VfR Kirn – SG Eintracht 0:2 (0:2)

VfR 07 Kirn: Furtwängler – Pidy, F- Hahn, Lanz, Rusch, Röhrig, Schick, Fuchs, Komarow (80. Jelacic), Pascher (69. Kannengießer), Peitz (86. Glöckner).

SG Eintracht Kreuznach: Becker – Köllmer, Wollmer (53. Mörbel), Ceylan, Flühr, Baumann (67. Strunk), Wingenter (64. Celebi), Darcan (88. Tusina), Wein, Kreidler (78. Gelenbevi), Mukamba.

Tore: 0:1 (26.) Darcan, 0:2 (38.) Kreidler.

Bes. Vork.: Rote Karte gegen Furtwängler (85., Notbremse).

Schiedsrichter: Timon Sitzenstuhl (Landau).

Zuschauer: 250.

Aufrufe: 021.9.2022, 23:30 Uhr
Mario LugeAutor