2024-06-14T14:12:32.331Z

Interview
Dominic Rühl konnte es eigenen Angaben zufolge fast nicht fassen, was er da in Bamberg gesehen hat.
Dominic Rühl konnte es eigenen Angaben zufolge fast nicht fassen, was er da in Bamberg gesehen hat. – Foto: Michael Buchholz

Eichstätts Dominic Rühl: »Wünsche mir, dass der BFV ein Zeichen setzt«

Nach der vieldiskutierten Nullnummer in Bamberg: Dominic Rühl, Trainer des VfB Eichstätt, im Interview.

Der Super-GAU ist eingetroffen. In einem Spiel auf überschaubarem Niveau haben sich in der Relegation zur Regionalliga Bamberg und Buchbach ohne Tore und ohne einen Sieger getrennt, sodass der VfB Eichstätt (vorerst) in der Bayernliga bleiben muss. Und das, obwohl der Fünftliga-Vizemeister in der Saisonverlängerung keine Partie verloren hat. Trainer Dominic Rühl war am Dienstagabend im Fuchs-Park-Stadion dabei - und blickt im FuPa-Interview auf diese 90 Minuten sowie die gesamte Relegation zurück...

Der Tag danach: Dominic, wie fühlst Du Dich heute?
Puh, aktuell überwiegt die Enttäuschung, da mir meine Mannschaft wahnsinnig leid tut. Wir waren gegen Bamberg mindestens eine Halbzeit und in Buchbach 70 Minuten jeweils die klar bessere Mannschaft. Du verlierst kein Spiel, bist aber dann trotzdem der Verlierer. Und besonders schmerzhaft aufgrund der Art und Weise.

Du warst am Dienstagabend live in Bamberg im Stadion mit dabei. Wie hast Du das Spiel mit dem Ergebnis, das keiner wollte, aber irgendwie klar war, gesehen?
Naja, Bamberg hat wenigstens die ersten 30 Minuten offensiv noch ein wenig probiert. Die 2. Halbzeit war einfach nur bitter anzusehen. Die Aussagen, dass beide auf Sieg spielen wollten, wurde jedoch für alle gut sichtbar widersprochen. Aber letzten Endes war es so zu erwarten und mich haben im Vorfeld schon etliche angesprochen, dass sie das auch so kommen sehen.

War das ein Nichtangriffspakt, eine "Schande" wie bei der WM 1982?
Hierzu gibt es von mir keinen Kommentar. Es haben viele das Spiel gesehen und mich haben unfassbar viele Nachrichten erreicht, die entsetzt sind. Auch spricht die Resonanz der Bamberger Fans genügend Bände, nachdem mehr als deutlich gebuht und gepfiffen wurde und mir diejenigen, die mich erkannt haben, ihr Mitgefühl ausgesprochen haben. Denen war das alles mehr als zuwider.

Wie sind die Reaktionen in der Mannschaft und dem Drumherum auf diese Partie ausgefallen?
Die Mannschaft ist natürlich angesäuert. Sowas entspricht nicht den Werten, die wir als VfB Eichstätt vertreten.

Fühlt man sich als VfB Eichstätt verarscht?
Ich glaube, diese Frage kann jeder für sich selbst beantworten.

War das Ganze nicht schlicht und einfach nur menschlich? Oder siehst Du einen Vorsatz?
Meiner Meinung nach sollten gewisse Werte wie Fairness und respektvoller Umgang höher zu werten sein als ein Erfolg auf diese Art.

Ist der Modus "Jeder gegen Jeden" Schuld?
Es ist eher diese Elfmeter-Regelung Triebfeder dieses Spieles gewesen. Dass man eine Lösung braucht, okay. Aber dass man die vorherrschenden Regelungen wie Tordifferenz, Toranzahl etc. komplett entfremdet und ein Elfmeterschießen, welches sonst nur bei K.O.-Spielen zum tragen kommt, hernimmt, ist nur schwer nachzuvollziehen.

Aber ihr habt doch auch dafür gestimmt, oder?
Natürlich, wir hatten 36 Saisonspiele in den Beinen. Die Jungs müssen sich auch erholen. Wenn wir vier Spiele bestreiten hätten müssen, wäre die Pause wieder kürzer gewesen und wir wollten es zum Schutze der Spieler reduziert halten.

Wirst Du nun Fan der Würzburger Kickers sein? Oder nimmst Du diese Spiele einfach nur so mit? Gewinnt der Regionalliga-Meister seine Aufstiegsspiele gegen Hannover 96 II, steigt Ihr doch noch auf...
Ich weiß es noch nicht. Ich würde mir bei sowas einfach auch eine Reaktion vom BFV wünschen, nach so einem Spiel zu sagen: "Sowas widerspricht seitens des Verbandes allen Werten und Normen, für die wir stehen. Wir schreiben Fairness groß, vor allem wenn es um unser Prunkstück Regionalliga geht und lassen deshalb Eichstätt unabhängig von Würzburg hoch." Damit könnte man meiner Meinung nach auch ein Zeichen setzen, dass Fairness über allem steht. Aber wenn es Gerechtigkeit im Sport gibt, sollte es Würzburg schaffen.

Vielen Dank für das Interview - und alles Gute.

Aufrufe: 029.5.2024, 08:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor