Ein kleines Spielfeld neben dem anderen: Beim Minifußball-Festival des SV Bad Tölz wuselten Dutzende Kinder über den Kunstrasenplatz.
Ein kleines Spielfeld neben dem anderen: Beim Minifußball-Festival des SV Bad Tölz wuselten Dutzende Kinder über den Kunstrasenplatz. – Foto: p. staar

DFB-Reform bei den Jüngsten: Mini-Fußball erntet Lob und Kritik

Logistischer Aufwand steigt

Ab der Saison 2024/25 wird der Jugend-Fußball in Deutschland reformiert. Fortan wird dort Mini-Fußball gespielt. Die Reformen stoßen auf Begeisterung und Skepsis.

Bad Tölz – Es ist eine Revolution im Jugend-Fußball: Ab der Saison 2024/25 spielen die jüngsten Nachwuchs-Kicker nur noch „Mini-Fußball“. Dies ist eine leicht abgewandelte und auf Kinder zugeschnittene Form des etablierten „Funino“. Wie bei Revolutionen üblich, schwanken die Reaktionen zwischen Begeisterung und Ablehnung – auch bei den Nachwuchstrainern im Landkreis.

DFB-Beschluss: Neue Spielform im Kinderfußball

Die Spielform „Funino“ ist schon seit den 1980er-Jahren bekannt. Als Erfinder gilt der ehemalige Hockey-Bundestrainer Horst Wein. Jahrzehntelang führte diese Spielform ein Schattendasein und kam allenfalls im Training hin und wieder zum Einsatz. Doch am 23. Januar dieses Jahres fasste der Bundesjugendtag des Deutschen Fußballbundes einstimmig den Beschluss, dass ab der Saison 2024/25 verbindlich neue Spielformen im Kinderfußball eingeführt werden.

Erste Funino-Turniere ersetzen Spieltage bereits heuer

Gespielt wird dann nur noch auf kleine Spielfelder mit vier kleinen Toren. Es gibt keine Torhüter mehr, keine Einwürfe, keine Eckbälle. Geschossen werden darf nur noch in bestimmten Bereichen des Spielfelds. Je nach Jahrgangsstufe wird mit Zwei-gegen-Zwei, Drei-gegen-Drei, Vier-gegen-Vier oder Fünf-gegen-Fünf gespielt. Fällt ein Tor, wird der Torschütze ausgewechselt. Gerät ein Team mit mehr als drei Toren in Rückstand, darf es einen zusätzlichen Spieler einwechseln. Auf diese Weise sollen Kantersiege verhindert werden.

„Das ist ein großes Thema“, sagt Yvonne Frischmuth, Minifußball-Beauftragte des Bayerischen Fußballverbands im Kreis Zugspitze. „Wie bei allem Neuen wird erst mal Hilfe geschrien.“ Der Verband wolle die Vereine 2024 nicht ins kalte Wasser werfen, daher seien heuer bei den F-Junioren schon mal zwei Spieltage durch Funino-Turniere ersetzt worden. In der Rückrunde seien erneut zwei solche Turniere geplant.

Kritik am neuen System: „Das kapieren die Kinder noch nicht“

Robert Kunzmann, Nachwuchstrainer beim SC Gaißach, hat mit seinen F-Junioren schon mal bei einem Funino-Turnier in Bad Tölz teilgenommen – und war mäßig begeistert: „Wir haben bei den F-Junioren einen eher schwachen Jahrgang, da sind viele mit vier Toren auf dem Spielfeld überfordert, das kapieren sie noch nicht.“ Das Spiel auf zwei Tore sei vom Verständnis her deutlich einfacher. Für ihn sei es daher „schwer vorstellbar“, dass ab 2024 in den unteren Jahrgängen nur noch Mini-Fußball gespielt werden soll. Und noch etwas spricht aus seiner Sicht gegen die Neuerung: „Die Kinder kommen in die D-Jugend, spielen plötzlich auf dem Großfeld, haben aber noch nie ein richtiges Tor und einen Torwart gesehen.“ Er könne sich nur vorstellen, dass – so wie heuer – einzelne Spieltage im Funino-Format absolviert werden.

Wilka, Jugendleiter vom SV Bad Tölz, ist von der Reform begeistert

Angetan von der neuen Spielform ist dagegen Mujo Toric: „Natürlich ist das eine gute Erfindung“, sagt der Nachwuchscoach des SC Rot-Weiß Bad Tölz. „Die Kinder müssen mehr nachdenken, wo sie hinlaufen und wie sie den Ball passen. Sie hauen den Ball nicht einfach nur auf zwei große Tore.“ Abgesehen davon werde viel gewechselt, und alle Kinder haben viele Ballkontakte.

Thomas Wilka, Jugendleiter beim SV Bad Tölz, gibt offen zu, dass in seinem Verein die Meinungen weit auseinandergehen: „Die einen sind begeistert, die anderen sagen: ,Was ist das für ein Scheiß‘?“ Auch er selbst habe zunächst zur abwartend-skeptischen Fraktion gehört: „Ich hab’ aber gesagt: Lasst uns das mal anschauen und richtig kennenlernen.“ Mittlerweile habe der SV sein erstes Minifußball-Festival ausgerichtet. „Und jetzt muss ich sagen: Ich bin begeistert.“

Mini-Fußball-Turniere: Großer logistischer Aufwand, aber mehr Geld für Vereine

Spiel auf vier Tore: Das Funino, auf dem der neu eingeführte Mini-Fußball basiert. Grafik: dpa
Spiel auf vier Tore: Das Funino, auf dem der neu eingeführte Mini-Fußball basiert. Grafik: dpa – Foto: dpa-infografik GmbH

Bei normalen Nachwuchsspielen sei es so, dass drei Kicker das Spiel machen, „und die anderen drei stehen nur rum und schauen zu“. Dies sei beim Mini-Fußball anders: „Alle roasen rum, alle haben Einsatzzeit, nicht nur die Superstars, sondern auch weniger talentierten.“

Der logistische Aufwand sei für die Vereine allerdings viel höher als bei normalen Spielen und gerade für Vereine mit vielen Nachwuchsmannschaften eine Herausforderung: „Man muss die Leute bei den Festivals verköstigen, braucht Kuchen. Ein Verein wie der TSV Grünwald mit fünf F-Junioren- und sechs E-Junioren-Mannschaften muss so was erst mal leisten können.“ Dafür würden die Turniere auch gutes Geld in die Kasse spielen. Auch wenn Mini-Fußball durchaus „Sinn und Zweck habe“, müsse es immer eine Mischung mit „normalem“ Fußball geben. Wilka: „Ob’s fußballerisch was bringt, muss man sich in einem halben Jahr ansehen.“

Aufrufe: 024.11.2022, 09:24 Uhr
Patrick StaarAutor