Vielleicht nicht immer schön, zuletzt aber wieder erfolgreich: Die Raistinger bejubeln einen der beiden Treffer beim 2:0 gegen Deisenhofen. Damit endete eine Serie von vier sieglosen Partien.
Vielleicht nicht immer schön, zuletzt aber wieder erfolgreich: Die Raistinger bejubeln einen der beiden Treffer beim 2:0 gegen Deisenhofen. Damit endete eine Serie von vier sieglosen Partien. – Foto: halmel

Destruktive Raistinger? Bezirksligist wehrt sich gegen Vorwürfe der Konkurrenz

Franz-Elf in Haidhausen gefordert

Die Klagen der Konkurrenz sind ja nicht neu. Denklingen, Murnau, jüngst Deisenhofen. Sie alle lamentierten ob des Raistinger Fußballs in der Bezirksliga.

Raisting – Felix Scherer, Trainer in Deisenhofen, drückte es besonders drastisch aus: „Der Gegner versucht nichts anderes, als das Spiel zu zerstören.“ In Raisting waren die Kommentare der Gegner mal wieder Kabinengespräch diese Woche.

„Ist bei allen auf Unverständnis gestoßen“, sagt Trainer Johannes Franz. Gewiss wird aus dem SVR nicht mehr das Tiki-Taka-Team der Bezirksliga, aber ganz so verkommen ist die Spielkultur in Raisting dann doch nicht, wie’s die Konkurrenz teilweise sieht. „In der Theorie versuchen wir, alles spielerisch zu lösen. Aber nicht um jeden Preis“, sagt der Coach.

Ein Faktor, warum nach manchem Duell mit Raistinger Beteiligung mehr Matsch als sonst an den Trikots haften bleibt: der Rasenplatz, der im Frühjahr und Herbst nicht immer „daflackt wie ein Einser“, so formuliert es Hannes Franz. Große Teile der Liga können zu Jahreszeiten mit vermehrter Nässe problemlos auf Kunstrasen ausweichen, Raisting nicht. Auffällig: Alle Klubs, die in den vergangenen Monaten die Raistinger für ihre plumpe Spielweise mit langen Bällen anprangerten, verfügen selbst über Kunstrasenplätze auf ihren Anlagen. Bis zu einem gewissen Grad Risiko mache es Sinn, auch auf dem buckeligen Rasen mit Kurzpassspiel zu operieren. Doch sobald man sich mit Klein-Klein in gefährliche Bereiche manövriert, gilt dann schon die Ansage beim SVR: „Wenn’s brenzlig wird, gezielt lange Bälle.“ Was seine Mannschaft spiele, betont Hannes Franz, sei alles legitim: „Wir versuchen, das Beste herauszuholen.“

An diesem Sonntag erübrigt sich die Thematik ohnehin, respektive kann sich die Gegnerschaft selbst ein Bild vom Raistinger Stil machen. In Haidhausen (14.30 Uhr) wird – wie immer – auf Kunstrasen gekickt. Eigentlich hatte die SpVgg vor, mit dem neuen, schmucken Kader schnurstracks gen Landesliga zu marschieren. Doch die Lobeshymnen im Voraus haben offenbar für einen unerwünschten Effekt gesorgt: Die Haidhausener fahren mit einer imaginären Zielscheibe durch die Klasse. „Sie waren von vornherein der Gejagte. Da gibt jeder nochmals einige Prozent mehr“, sagt Franz.

Vorige Woche zeigten sie sich wieder verwundbar, entgingen in Neuried nur knapp einer Niederlage: Das 1:1 fiel erst in der 85. Minute. Dennoch warnt Franz: Bedingungsloser Einsatz sei noch keine Garantie für ein gutes Ergebnis. „Wenn die richtig Bock haben, kann es unangenehm werden. Die können einen Gegner auseinandernehmen.“ Gerade an Stürmer Gilbert Diep erinnern sich die Raistinger noch zu gut. Im Hinspiel, das 2:4 aus Raistinger Sicht endete, traf er dreimal, ließ in zwei Szenen auch Spielertrainer Franz schlecht aussehen. „Hellwach“ müssen seine Mannen sein, verlangt der Coach.

Zur Realität gehört auch, dass die SVR-Defensive von damals mit heute nicht zu vergleichen ist. Auch im Angriff hat Raisting Fortschritte gemacht, wie die zwei Tore von Stürmer Vinzenz Wolf vergangene Woche gegen Deisenhofen II zeigen. Im Dialog mit dem Stürmer hatte Franz ihn aus der Startelf beordert. Wolf war „ein bisserl überspielt“, habe zuletzt einige „unglückliche Spiele“ abgeliefert. In der Jokerrolle ging der fleißige 18-Jährige voll auf. „Postwendend die richtige Antwort“, lobt sein Coach. An der Körpersprache habe man’s direkt gemerkt. Die Erfolgserlebnisse hätten ihm „das eine oder andere Prozent mehr Selbstvertrauen gegeben“. Kann Raisting gut gebrauchen. Die jüngsten drei Partien gegen Haidhausen verlor der SVR allesamt. (Andreas Mayr)

Aufrufe: 011.11.2022, 21:06 Uhr
Andreas MayrAutor