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Pokalspielleiter redet neuen Westfalenpokal-Modus schön - Faktencheck

Der Westfalenpokal-Wettbewerb wurde zur laufenden Saison reformiert.

von red · 17.01.2024, 08:30 Uhr · 0 Leser
– Foto: FLVW

Erstmals nach zwölf Jahren nahm der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) in der 1. Runde wieder eine Vierteilung nach geographischen Gesichtspunkten vor. Allerdings zum allerersten Mal in der westfälischen Fußballgeschichte spielten die Gruppen Nord, West, Süd und Ost bis einschließlich Viertelfinale unter sich. Da zudem die besten Mannschaften ab Regionalliga aufwärts auf alle Gruppen gleichmäßig verteilt wurden, war es quasi eine "Setzliste light", die zu dem erwarteten Ergebnis geführt hat, dass die "Profivereine" im Halbfinale unter sich sein werden, wenn auch noch der SV Lippstadt 08 seiner klaren Favoritenrolle zuhause gegenüber Westfalenligist RSV Meinerzhagen gerecht wird. In der vergangenen Spielzeit hatte es ein reines Amateur-Viertelfinale gegeben.

Der neue Modus erntete von Seiten der Amateure nachvollziehbarerweise Kritik. Nun wurde Pokalspielleiter Klaus Overwien von einem freien Mitarbeiter des Lensing Media Verlags dazu befragt. Overwien tat die Meinung kund, dass der neue Modus aufgrund des erheblich gestiegenen Zuschauerzuspruchs positiv zu sehen sei. Mit 40.970 Zuschauer (in 59 Partien) ist jetzt schon ein deutliches Plus von 19.295 Zuschauern gegenüber der Vorsaison (in 63 Partien) zu verzeichnen.

Doch wie kommt dieser Zuwachs tatsächlich zustande? FuPa Westfalen hat einmal etwas genauer hingeschaut.

"Dorfvereine" durften gegen die "große Arminia" antreten

Kenner der Szene werden wissen: Erstmals seit der Saison 2014/15 ist wieder der DSC Arminia Bielefeld offiziell im Kreis der Amateure gelandet, wenn es um den Westfalenpokal geht. Als Drittligist besteht kein automatisches Teilnahmerecht mehr für den DFB-Pokal, so dass es die Chance gibt, sich hierüber zu qualifizieren.

Die Ostwestfalen gewannen vier Partien und stehen im Halbfinale. Fast 16.000 Zuschauer sahen die Begegnungen, u. a. gab es das Kracher-OWL-Duell gegen den SV Rödinghausen mit mehr als 5000 Zuschauern in der Bielefelder SchücoArena. Alles Partien, die es natürlich in der Vorsaison ohne den DSC gar nicht geben konnte. Zieht man diese Summe ab, sieht der angebliche "Zuschauerboom" schon gar nicht mehr so sehenswert aus.

Auch Drittligist SC Preußen Münster hat den Wettbewerb - womöglich auch aufgrund des großzügigen Modus - ernster genommen und steht in den Top 4. Im Gegensatz zur Vorsaison, als die Adlerträger damals als Regionalligist nach drei Partien ausschieden, trugen sie bisher vier Partien aus, was alleine ein Zuschauerplus von etwa 4.000 gebracht hat.

Amateurspiele hatten keinen Zuschauerzuwachs

Nimmt man also alleine die Partien der Amateure ohne Beteiligung der vorgenannten Zuschauermagneten hat es faktisch ein gleichbleibendes Niveau gegeben. Dies ist im Endeffekt die Wahrheit.

Auch Overwien räumt ein, dass es sicherlich glückliche Umstände beim Zustandekommen der Partien gab, dass die Zuschauergesamtzahl so stark gestiegen ist. Aus Sicht des Amateurfußballs muss man aber definitiv festhalten, dass es absurd klingt, wenn man mit den gestiegenen Zuschauerzahlen den neuen Modus als Erfolg verkaufen wollen würde.

Immerhin verspricht Overwien, dass der neue Modus auf den Prüfstand kommt und das Für und Wider diskutiert wird. Wenn dabei auch wieder die Amateurvereine im Vordergrund stehen, kann man tatsächlich Hoffnung auf Besserung haben.

Im Vorjahr hatten wir euch gefragt, was ihr von dem neuen Modus haltet und eine Umfrage gestartet. Das Ergebnis war insgesamt ziemlich eindeutig. Lediglich knapp 13 Prozent befürworteten diesen. Zwei Drittel voteten sogar dafür, künftig alle Mannschaften von Beginn an in Runde 1 in einen Lostopf zu werfen.

In einer zusätzlich Umfrage bezüglich der grundsätzlichen Thematik, wie der FLVW seine beiden DFB-Pokal-Plätze ausspielen soll, erhielt das "Niedersachsen-Modell" eine einfache Mehrheit, indem die "Profivereine ab Regionalliga aufwärts" komplett unter sich spielen und es entsprechend zwei Landespokal-Wettbewerbe gibt.

>>> zu den Umfrageergebnissen aus Juli 2023

Lange Fahrten wurden reduziert

Ein Argument für die regionale Vierteilung der 64 Mannschaften ist bis heute die Reduzierung der langen Fahrten. Es bleibt ein schwierig zu diskutierendes Thema, da festzuhalten ist, dass die 1. Runde immer an einem Wochenende ausgetragen wird und längere Fahrten sicherlich als zumutbar betrachtet werden könnten. Auch in weiteren Runden könnte es für Vereine und Fans interessanter und teilweise auch attraktiver sein, nicht ständig gegen Mannschaften aus der Umgebung spielen zu müssen. Nicht alle Lokalduelle sind hochinteressante zuschauerträchtige Derbys. Zumal der Wettbewerb Westfalenpokal heißt. Im Endeffekt gibt es auch bei einer regionalen Vierteilung "Härtefälle", wie dieses Mal OWL-Vertreter FC Kaunitz, der bei "schlechter" Auslosung bis ins tiefe Siegerland hätte fahren müssen, da er der Süd-Gruppe zugeordnet wurde.

Letztendlich stellt sich die Frage, warum die regionale Vierteilung tatsächlich bis einschließlich Viertelfinale aufrechterhalten werden musste und so den "Profimannschaften" ein leichterer Turnierbaum zugesichert wurde. Fragen, mit die sich der FLVW nach der Saison beschäftigen wird. Man darf auf die Pokal-Regularien für die Spielzeit 2024/25 gespannt sein.