
Wiesbaden. Am 16. Oktober 2021 betreute Thorsten Becht zuletzt ein Fußballspiel in der Region als verantwortlicher Trainer. Stand beim 1:2 seiner Spvgg. Eltville gegen die SG Kinzenbach in der Verbandsliga an der Seitenlinie. Ehe sich die Wege des Rheingauer Vereins und ihm trennten. Dem Fußball ist Becht dennoch weiterhin in verschiedenen Facetten verbunden.
Der ehemalige Profi von Darmstadt 98 und Kickers Offenbach arbeitet seit 18 Jahren beim Deutschen Fußball-Bund, kümmert sich beim Verband unter anderem konzeptionell um die Talentförderung und das Stützpunktwesen in Deutschland.
In manchen Momenten "juckt es" wieder
Bei seiner Arbeit beim DFB ist Becht auch immer mal wieder bei den Trainings der Junioren-Nationalteams dabei. "In solchen Momenten juckt es natürlich schon mal wieder, auch selbst wieder als Trainer anzufangen", sagt Becht. Er betont aber auch: "Nach vielen Jahren genieße ich nun die freie Zeit mit der Familie." Im Job habe er viel zu tun, vor Kurzem ist er nochmal Vater geworden. Auch ein Grund, wieso Bechts Sportplatzbesuche als Zuschauer wie beim 2:1-Derbysieg von Ex-Klub Eltville gegen Walluf vor der Winterpause oder bei der 1:5-Pleite seines Heimatvereins FV Delkenheim bei der SG Germania eher rar gesät sind.
Neuer Verein sollte "keine Luftschlösser bauen"
Aber unter welchen Voraussetzungen würde Becht, aufgrund seiner Vita und Expertise sicherlich bei einigen Vereinen der Region ein interessanter Kandidat, wieder im Amateurfußball einsteigen? "Der Verein sollte gut geführt sein, mit einem soliden Management, das keine Luftschlösser baut. Und aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit sollte der Verein auch eine gute Jugendarbeit anstreben." Ambitionierte Ziele sollte sich der Verein auch stecken können. "In der Kreisoberliga zu trainieren mit dem Ziel, die Klasse zu halten, ist nicht mein Anspruch." Wiesbaden und die benachbarten Kreise Rheingau- und Main-Taunus seien für Becht prinzipiell erreichbar, für einen Verein, bei dem alles passt, würde er auch weitere Anfahrtszeiten in Kauf nehmen.
Benders Wirken genau im Blick
Zu seinen ehemaligen Vereinen pflegt Becht nach eigener Aussage ein gutes Verhältnis. Zum TuS Nordenstadt, den er 2017 mit zahlreichen Eigengewächsen als KOL-Meister in die Gruppenliga führte, sei der Abstand "ein bisschen größer" geworden. Etwas genauer schaut Becht mittlerweile beim Wirken seines ehemaligen Schützlings Pascal Bender hin, den er bei allen drei Stationen unter seinen Fittichen hatte. Bender ist seit Sommer 2021 Spielertrainer in Delkenheim, Becht war bereits vorher über Benders Pläne im Bilde. "Er hatte mich eingeweiht, und ich habe ihm beigepflichtet, das zu machen. Pascal ist ein Menschenfänger mit einem Riesen-Netzwerk. Mir imponiert besonders, dass er den Aufschwung mit vielen Delkenheimern hinbekommen hat", traut Becht ihm gar den Durchmarsch in die Gruppenliga zu. "Germania wird sich das nicht mehr nehmen lassen, aber ich hoffe, sie steigen über die Relegation auf. Wobei die Kreisoberliga dieses Jahr richtig gut ist", findet Becht.
Eltviller Mannschaft "lebte von den Charakteren"
Der Einzug in die Relegation wäre für die Spvgg. Eltville in der bislang eher verkorksten aktuellen Spielzeit ein Erfolg. Allerdings im Kampf gegen den Abstieg. Becht führte die Spielvereinigung 2019 an der Seitenlinie in die Verbandsliga und spielte in den beiden darauffolgenden Corona-Saisons oben mit. In der vergangenen Saison war für ihn nach 13 Punkten aus zehn Spielen Ende Oktober 2021 Schluss. Seit Bechts Weggang ist beim Rheingauer Club sowohl auf der Trainerposition als auch beim kickenden Personal wenig Kontinuität eingekehrt, derzeit ist Eltville Letzter und steuert auf den Abstieg in die Gruppenliga zu.
"Es ist äußerst schade, was passiert ist. Wir hatten damals eine intakte Mannschaft, die von den Charakteren gelebt hat", sagt Becht. Von seinen damaligen Schützlingen ist kaum noch jemand im Verein. Die Entwicklung der Eltviller und den hiesigen Fußball wird Becht weiter im Blick behalten. Und möglicherweise eines Tages auch wieder an der Seitenlinie stehen.
Zur Serie: In dieser Reihe porträtieren wir in unregelmäßigen Abständen bekannte Trainer aus der Region, die aktuell nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Ihr habt Vorschläge für einen Protagonisten, der Teil der Serie werden soll? Dann mailt uns an fupa@vrm.de!
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