2024-05-24T11:28:31.627Z

Interview
Helmut Wirth ist in seiner Trainer-Laufbahn viel herum gekommen.
Helmut Wirth ist in seiner Trainer-Laufbahn viel herum gekommen. – Foto: Dirk Meier

Helmut Wirth: Der Coach, der schon in vier Bezirken unterwegs war

Trainer, die man kennt (16): Der Adlkofener betreute bereits so namhaften Vereine wie den TSV Buchbach, die SpVgg Landshut und den FC Pipinsried

Die Corona-Pandemie hat den Spielbetrieb im Amateurfußball aus den Fugen gehoben. FuPa nutzt die spielfreie Zeit, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Nach der erfolgreichen Portrait-Serie über ehemalige Spielergrößen des niederbayerischen Fußballs nehmen wir nun bekannte Übungsleiter unter die Lupe. Im 16. Teil geht es um Helmut Wirth (64), der schon in vier Bezirken des Freistaats als Übungsleiter beschäftigt war und mittlerweile fast 1.000 (!) Pflichtspiele als Coach absolviert hat.

Schönste Saison Deiner Trainer-Laufbahn?
Die Bayernliga-Meistersaison 1985/1986 mit der SpVgg Landshut bleibt unvergessen. Als Co-Trainer durfte ich ein Teil einer überragende Truppe sein, die sich damals den Titel in der dritthöchsten Spielklasse sicherte. Unvergessen bleibt für mich auch die Zeit beim TSV Aindling, der mich im Winter 1998 in einer ganz schwierigen Situation verpflichtete. Mit einem phänomenalen Schlussspurt - wir konnten die letzten vier Spiele allesamt gewinnen - schafften wir den zwischenzeitlich nicht mehr für möglich gehaltenen Bayernliga-Klassenerhalt. Top war auch die Bayernliga-Saison 2009/2010 mit dem TSV Buchbach, bei dem Heimspiele Festtage waren. Wir hatten damals einen Zuschauerschnitt von knapp 1.100 Fans.


Welcher Spieler, hat Dich in deiner Zeit als Übungsleiter besonders beeindruckt?
Ich könnte an dieser Stelle problemelos eine Liste mit weit über 100 Namen erstellen. Herausragend waren in der Landshuter Bayernliga-Meistermannschaft Rudi Stenzel, Walter Hainer und Reinhard Treimer. Überragende Kicker waren natürlich Stefan Reisinger und Stefan Lex, die beide den Sprung in den Profibereich schafften. Beeindruckt haben mich auch Ex-Profis wie Ralf Klingmann und Marco Jordan, aber auch ein Thomas Rappl wird mir aufgrund seiner Top-Einstellung immer in guter Erinnerung bleiben.


Bei welchem Verein hattest Du deine schönste Zeit?
Ich durfte in den letzten 35 Jahren sehr viel erleben, hatte Stationen in der Oberpfalz, Schwaben sowie in Nieder- und Oberbayern. Jede Aufgabe hatte ihren Reiz und es überwiegen eindeutig die positiven Momente.


Mit welchem Abteilungsleiter/Manager hast Du besonders gerne zusammengearbeitet?
Mit Günther Grübl vom TSV Buchbach. Wir hatten zwar viele Diskussionen, die aber stets von Sachlichkeit und gegenseitigem Respekt geprägt waren. Mit ihm war es wirklich eine perfekte Zusammenarbeit.


Welcher Trainer hat Dich in Deiner aktiven Zeit besonders geprägt?
Den Einstieg ins Trainergeschäft hat mir Sigi Gmahl ermöglicht, dem ich zweifellos sehr viel zu verdanken haben. Einzigartig war natürlich auch die Zeit an der Seite von Karsten Wettberg, von der ich sehr profitiert habe.

Sein vorläufig letztes Engagement hatte der 64-Jährige beim VfB Straubing.
Sein vorläufig letztes Engagement hatte der 64-Jährige beim VfB Straubing. – Foto: Alfred Brumbauer


Hast Du irgendetwas in deiner Laufbahn bereut?
Vor einigen Jahren hatte ich eine reizvolle Anfrage von einem Regionalliga-Verein aus Österreich vorliegen. Im Nachhinein ärgert es mich, dass ich diesen Schritt nicht gewagt habe, denn das wäre bestimmt eine sehr interessante Erfahrung gewesen.


Gibt es ein Spiel, das Du nie vergessen wirst?
Nie vergessen werde ich in der Landshuter Bayernliga-Meistersaison des Heimspiel gegen den FC Augsburg, in dessen Kader damals unter anderem der spätere Weltmeister Karl-Heinz Riedle sowie Armin Veh und Alfons Higl standen. In einer packenden Partie konnten wir mit 3:2 die Oberhand behalten. Gänsehaut pur war in dieser Spielzet dann das letzte Saisonspiel gegen Bamberg. Vor 5.000 Zuschauern konnten wir mit einem 7:0-Kantersieg den Titelgewinn perfekt machen.


Früher war im Fußball alles besser - wie denkst Du über diese heutzutage gerne aufgestellte Behauptung?
Man muss das realistisch betrachten. Der Amateurfußball hatte früher einen höheren Stellenwert. Vor 30, 35 Jahren war die Bayernliga beispielsweise eine Eliteliga, in der so namhafte Vereine wie der TSV 1860 München, die Bayern-Amateure, die SpVgg Unterhaching und der FC Augsburg vertreten waren. Das Interesse war damals riesengroß. Der Fußball hat sich aber grundsätzlich gut entwickelt, das Spiel ist wesentlich schneller und dynamischer geworden.

Welche Art der Mannschaftsführung favorisiert Du?
Meine Devise war immer: "Was man mit Spaß macht, macht man besser." Zudem habe ich immer versucht, meine Spieler respektvoll zu behandeln. Wenn man das so praktiziert, wird einem Trainer der notwendige Respekt entgegengebracht.


Wie kann Dich ein Spieler auf die Palme bringen können?
Wenn ein Spieler nicht die notwendige Motivation zeigte, die im Fußball das A und O ist.


Gibt es im Profibereich einen Trainer, den Du richtig gut findest?
Ich bin seit ewiger Zeit Fan des FC Liverpool, bei dem zudem seit ein paar Jahren mein Lieblingstrainer Jürgen Klopp tätig ist. Ich durfte "Kloppo" schon persönlich kennenlernen und bin von ihm sehr angetan. Er ist ein echter Menschenfänger, dem es vorzüglich gelingt, seine Mannschaften und das ganze Umfeld zu begeistern.


Größte Enttäuschung Deiner Karriere?
Das war im April 2016 die Entlassung beim TSV Bad Abbach. Ich habe den Verein dreieinhalb Jahre zuvor in einer kritischen Situation übernommen und souverän zum Klassenerhalt geführt. In den beiden Folge-Spielzeiten mischten wir dann sogar im vorderen Tabellenbereich mit. Dass ich dich dann in meiner letzten Saison sechs Spieltage vor Schluss, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt acht Punkte Vorsprung zur Relegationszone hatte, gefeuert wurde, hat mich schwer getroffen. Ich hatte zur Mannschaft ein sehr gutes Verhältnis und es hat mir richtig weh getan, dass ich mich nach der langen Zeit nicht mal standesgemäß verabschieden konnte.


Was hältst du von dem Trend, dass immer mehr Vereine auf sehr junge Spielertrainer setzen?
Das ist ein Entwicklung, die in den letzten Jahren immer mehr zu beobachten ist. Für viele höherklassige Spieler ist es zweifellos eine reizvolle Sache, denn im Endeffekt werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der Aufwand wird weniger und das Geld mehr. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass Erfahrung auf der Trainerposition extrem wichtig ist.


Zur Person:
Die Vita von Helmut Wirth ist ellenlang: Als junger Übungsleiter war der sympathische Übungsleiter zunächst Nachwuchscoach bei der SpVgg Landshut und später Co-Trainer der damaligen Bayernliga-Mannschaft. Seine erste Cheftrainerstation hatte Wirth in Oberbayern beim FC Emmering, den er von 1988 bis 1992 betreute. Nach einem kurzen Gastspiel beim Landesligisten TSV Ampfing war der Niederbayer eineinhalb Jahre Chefanweiser beim VfR Garching in der Bezirksoberliga. Nach weiteren Stationen beim FC Traunstein und Himolla Taufkirchen folgte ein erfolgreiches Halbjahr beim TSV Aindling, den Wirth sensationell noch zum Bayernliga-Verbleib führte. Nach zwei Spielzeiten beim Freier TuS Regensburg kehrte der 64-Jährige zurück in die Heimat und coachte zunächst die U19 der SpVgg Landshut und dann die "Erste" der Schwarz-Weißen. Nach einem Intermezzo beim TSV Landshut-Auloh betreute Wirth nochmals die "Spiele", die in der Bayernliga mit einer ganz jungen Truppe aber auf verlorenem Posten stand.

Nach einem missratenen Kurzzeit-Engagement beim FC Dingolfing coachte Wirth den FC Traunstein und war dann in der Saison 2009/2010 Chefcoach beim seinerzeitigen Bayernligisten TSV Buchbach. Nach einer Aushilfstätigkeit beim FC Pipinsried folgte eine dreieinhalbjährige Tätigkeit beim TSV Bad Abbach. Nach einer erfolgreichen Feuerwehrmann-Mission beim TSV Langquaid nahm Helmut Wirth eine gesundheitsbedingte Auszeit und kehrte erst im Spätsommer 2019 auf die Fußballbühne zurück. Beim VfB Straubing wurde er allerdings nicht glücklich und warf bereits nach knapp drei Monaten wieder das Handtuch.

Aufrufe: 018.6.2020, 12:00 Uhr
Thomas SeidlAutor