2024-05-24T11:28:31.627Z

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Geldnot wegen Corona-Krise: Wettingen steigt freiwillig ab

Zürcher Interregio-Gegner spielt nächste Saison in der regionalen 2. Liga

Knall beim FC Wettingen: Der Aargauer Klub zieht sich freiwillig aus der interregionalen 2. Liga zurück. Er macht dafür finanzielle Gründe geltend.

Es wirkt für Aussenstehende etwas surreal: Wettingen, der Tabellenzweite der Gruppe 5, zieht sich aus der 2. Liga interregional zurück. Die Mannschaft wurde darüber am Freitagabend in Kenntnis gesetzt.

"Es ist wichtig zu wissen, dass der freiwillige Abstieg kein Entscheid aus dem Bauch heraus war", sagt Wettingens Präsident Pierluigi Ghitti zum Entschluss in der "Aargauer Zeitung".

Zehntausende Franken fehlen

Als Hauptgrund nennt der Klubchef die Coronakrise. Das bereits abgesagte Schülerturnier hätte rund 20'000 Franken in die Klubkasse spülen sollen. Hinzu kommt der Auszug eines langjährigen Mieters aus dem Stadion Altenburg. Damit sollen Einnahmen von rund 30'000 Franken verloren gehen. Dem nicht genug steigen noch drei namhafte Sponsoren aus wirtschaftlichen Gründen aus.

"Wir wollen in Wettingen nicht in erster Linie dem Geld hinterher rennen, Geld ausgeben und teure Spieler verpflichten. Wir wollen Spass am Fussball haben", betont Ghitti. Man werde in der nächsten Saison Talente aus dem eigenen Nachwuchs an die erste Mannschaft heranführen. Das Streben nach sportlichem Erfolg sei zwar schön und gut, stehe in naher Zukunft aber nicht im Vordergrund. "Für uns kommt die Ethik vor dem Geld. Was zählt, ist der Vereinsgedanke", sagt der Präsident.

Der Rückzug spielt womöglich sogar Luigi Ponte, dem neuen Präsidenten des Aargauer Verbands, in die Karten. "Ich frage mich einfach, weshalb es so eine Zwischenliga braucht. Nach der 1. Liga müssen die Regionen kommen", sagte er unlängst und forderte sogar die Abschaffung.

Ganz anderer Meinung war jüngst unsere Expertenrunde im Videotalk.

"Wenn die Aargauer Geldprobleme haben, sollten sie halt aufhören, die Spieler zu bezahlen. Dann können sie sich auch die 2. Liga interregional leisten", sagte dazu stellvertretend Patrick Kaufmann, Leiter Aktive beim FC Seuzach.

Aargauer Klubs in schlechtem Licht

So oder so: Das ganze Szenario wirft ein schlechtes Licht auf den gehobenen Aargauer Regionalfussball respektive auf die Führungspitze. Eagles Aarau wurde ohne eigentliche Nachwuchsförderung, obwohl eine der wichtigsten Auflagen überhaupt, bis in die 2. Liga interregional durchgewunken. Ende Februar zog der Verein nun aber sein Team aufgrund der fehlenden Junioren aus der Meisterschaft zurück.

"Im Endeffekt haben wir leider keine Lösung gefunden. Unser Begehren nach einer Fristverlängerung war vergeblich. Und so ist uns irgendwann die Zeit davon gelaufen. Dass es nun zum Rückzug der ersten Mannschaft gekommen ist, ist für uns alle eine ganz bittere Pille", sagte Eagles-Funktionär Nol Toplanaj damals zur Situation in der "Schweiz am Wochenende".

Ähnliches gilt übrigens auch für den Gruppenkonkurrenten NK Pajde (der allerdings zum Nordwestschweizer Verband zählt), der offenbar auch nur eine krude Gruppierung mit Möhlin-Riburg/ACLI im Nachwuchsbereich hat.

Doch was passiert jetzt? Kehrt Eagles Aarau bei einem Abbruch der Saison womöglich in die 2. Liga interregional zurück, in dem der Verein irgendwie ein Juniorenteam rekrutiert? Oder wird Zweitliga-Leader Lenzburg zum Nutzniesser der Situation? Alles ist möglich.

Aufrufe: 024.4.2020, 20:36 Uhr
Redaktion regional-fussball.chAutor