»Lieber Spieler als Sportdirektor«
Samstag 21.11.20 08:00 Uhr|Autor: Kilian Amrhein583
Früher Spieler, heute Sportdirektor: Schäfer ist nicht vom VfL Wolfsburg wegzudenken! Foto: VfL Wolfsburg

»Lieber Spieler als Sportdirektor«

Teil 2 des großen FuPa-Interviews mit VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer aus Aschaffenburg

Aschaffenburg/Wolfsburg. Dass er seinen Ex-Klubs in Zukunft viel zutraut, erklärte Marcel Schäfer in Teil 1 des großen Interviews mit FuPa-Reporter Kilian Amrhein. Aber wie sieht es mit seinem VfL Wolfsburg aus? Der Sportdirektor berichtet außerdem von Vereinstreue, der Bundesliga und seinem Arbeitsalltag…




FuPa: Herr Schäfer, in Ihrer gesamten Spielerkarriere waren Sie für nur fünf Teams aktiv. Warum war und ist Ihnen Vereinstreue so wichtig?
Marcel Schäfer (36):
Ich habe meinen Ex-Teams viel zu verdanken! Ich verbinde eine Menge mit diesen Klubs, den Fans, den Mitarbeitern – auch außerhalb des Platzes. Bei 1860 München bin ich beispielsweise quasi erwachsen geworden: Mit 15 bin ich gekommen und man hat viel Vertrauen in mich gesetzt. Deswegen halte ich gerne den Kontakt und schaue ab und an vorbei. In diesem Jahr kam ich endlich mal dazu, meinem ältesten Sohn zu zeigen, wo ich früher in München gespielt habe. Wurde aber auch mal Zeit – er ist ja schon elf Jahre alt. (lacht).

Kommt Ihnen als Sportdirektor die Vereinstreue in der Bundesliga zu kurz?
Man darf das nicht werten. Spieler setzen sich Ziele: Erst wollen sie in die Bundesliga, dann vielleicht in die Nationalmannschaft. Ich habe mich auch in München wohlgefühlt, aber als der Anruf von Felix Magath kam, wollte ich trotzdem den Schritt in die Bundesliga gehen – das war mein Traum! Man kann sich mit einem Klub identifizieren und trotzdem wechseln. Wir von Vereinsseite versuchen die Spieler zu verstehen und die beste Lösung für alle zu suchen – auch wenn mancher Fan das nicht immer nachvollziehen kann.

Können Sie sich selbst vorstellen, den VfL Wolfsburg noch zu verlassen?
Es ist noch zu früh in meiner Karriere, um so etwas auszuschließen. (schmunzelt). Zudem gehören auch immer zwei Seiten dazu. Aktuell fühle ich mich hier aber sehr wohl. Wenn mir jemand vor 30 Jahren erzählt hätte, dass ich Bundesliga-Profi werde und anschließend beim gleichen Verein als Sportdirektor arbeite – ich hätte sofort unterschrieben!

257 Bundesliga-Spiele hat Schäfer für den VfL absolviert.

257 Bundesliga-Spiele hat Schäfer für den VfL absolviert. Foto: VfL Wolfsburg

Spieler oder Sportdirektor: Was ist schöner?
Spieler!

Die Antwort kam aber schnell…
Da gibt es für mich keine zwei Meinungen: Spieler war der absolute Traumberuf, ich habe es geliebt, jeden Tag auf dem Platz zu stehen und sich gemeinsam mit einer Mannschaft weiterzuentwickeln. Das ist für mich der schönste Job, das war schon als 5-Jähriger mein Traum. Deswegen war beim aktiven Karriereende schon Wehmut mit dabei. Aber auch die Arbeit als Sportdirektor ist ein Privileg, ich bin so ja noch nah am Geschehen dran.

Wie sieht der Arbeitsalltag als Sportdirektor aus?
Ich habe schon oft eine 7-Tage-Woche, denn vieles spielt sich natürlich auch am Wochenende ab. Unter der Woche bringe ich morgens erst die Kinder zur Schule, danach geht es ab 8 Uhr ins Büro. Ich führe viele Gespräche, bin das Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Mannschaft. Dazu kommen viele Themen wie zum Beispiel die Kaderplanung. Es ist ein sehr interessanter und intensiver Job. In der Regel schaffe ich es aber meistens trotzdem, zum Abendessen mit der Familie zuhause zu sein. (schmunzelt).

Haben Sie sich schon immer für die Abläufe hinter den Kulissen interessiert?
Das kann man so sagen, Ja. Ich hatte einen Kreuzbandriss mit 17, also in einer entscheidenden Entwicklungsphase. Die Ärzte rieten mir, mich auf die Schule zu fokussieren. Der Profi-Traum schien damals fast vorüber. So habe ich gelernt, dass Weiterbildung immer gut ist. Da ich die Mischung aus Wirtschaft und Sport spannend finde, habe ich neben meiner Karriere dann auch ein Sport-Management-Studium absolviert.

Ganz oben angekommen: Marcel Schäfer mit der Meisterschale 2009

Ganz oben angekommen: Marcel Schäfer mit der Meisterschale 2009 Foto: VfL Wolfsburg

Als Spieler wurden Sie vor elf Jahren Deutscher Meister. Werden Sie das als VfL-Sportdirektor bald wiederholen?
Das glaube ich nicht, aber das hätte ich auch 2009 nicht geglaubt. (lacht). Aus meiner Sicht ist der FC Bayern auf Jahre hin überlegen. Das ist kaum zu erreichen und für uns nicht realistisch. Als ich als Sportdirektor angefangen habe, waren wir zuvor zweimal in der Relegation. Es war unser Ziel, das Team zu stabilisieren und mit jungen, hungrigen Spielern weiterzuentwickeln. Ich denke, zuletzt ist uns das ordentlich gelungen.

Dabei wünschen wir Ihnen auch in Zukunft viel Erfolg, Herr Schäfer!

Verlinkte Inhalte

Interessante Artikel

Redaktion - vor
Bayernliga Süd
Hankofens Jakob Vogl (links) springt bis zum Sommer bei seinem Heimatverein als Trainer ein, ehe er es nach dem zweiten Kreuzbandriss noch einmal in der Bayernliga probieren will.
Wenn ein verletzter Bayernliga-Spieler als Kreisliga-Trainer aushilft

TSV-FC Arnstorf: Christian Nußhart hört auf +++ Der verletzte Hankofen-Spieler Jakob Vogl springt bei seinem Heimatverein als Trainer ein +++

Diese Konstellation gibt's auch nicht alle Tage. Jakob Vogl, Bayernliga-Spieler bei der Spvgg Hankofen-Hail ...

Thomas Seidl - vor
Landesliga Bayern Mitte
Der Riedlhütter Landesligakader im Sommer 1999
Mehrmaliger Jahn-Schreck und haarscharf verpasste DFB-Pokal-Teilnahme

Der SV Riedlhütte sorgte in den 90er Jahren für Furore, musste sich aber dann wegen der Einführung des Vertragsamateurs über Nacht von der höherklassigen Bühne verabschieden

Der SSV Jahn Regensburg ist auf dem besten Weg, sich zu einem etablier ...

Christian Kurth - vor
Regionalliga Bayern
Wo wird 2020 noch gespielt?

Unsere Deutschlandkarte zeigt euch den aktuellen Trend

21 Landesverbände müssen die durchaus schwierige Entscheidung treffen, ob sie vorzeitig die Winterpause einläuten sollen. Im November ist der Spielbetrieb unterhalb der Regionalligen ohnehin ausge ...

Münchner Merkur / Jörg Bullinger - vor
3. Liga
Mehmet Ekici war vor seinem Durchbruch als Jugendspieler in der 3. Liga für den FC Bayern am Ball. 
Ausgebildet beim FC Bayern: Türkgücü München jagt Ex-Nationalspieler

Nächster Hochkaräter für die  3. Liga?

Türkgücü München bereitet den nächsten Transferhammer vor. Der Drittliga-Aufsteiger steht offenbar kurz vor der Verpflichtung eines türkischen Ex-Nationalspielers.

Helmut Weigerstorfer - vor
Landesliga Bayern Südost
1976 wurde Edi Kirschner (Mitte) u.a. von Trainer Dettmar Cramer (rechts) als Neuzugang beim FC Bayern München vorgestellt.
Eduard Kirschner - der stürmende Libero aus dem Rottal

Niederbayerische Exportschlager: Eduard "Edi" Kirschner - Teil 1 +++ Geboren in Tettenweis legte der 67-Jährige eine eindrucksvolle Spieler- und Trainerkarriere hin

Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Gerd Müller - die Namen der legendären Bayer ...

Mathias Willmerdinger - vor
3. Liga
Andreas Pummer nimmt in der jüngeren Vergangenheit von Türkgücü München eine ganz besondere Rolle ein.
4 Aufstiege in Folge: »Ich wurde für verrückt erklärt«

Türkgücüs Co-Trainer Andreas Pummer nimmt eine ganz besondere Position beim aufstrebenden Drittligisten ein

Ohne ihn wäre wohl Türkgücü München nicht in der 3. Liga: Als Co-Trainer steht Andreas Pummer zwar zumeist im Hintergrund, doch der 38-Jähr ...

FuPa/FIFA - vor
Regionalliga Bayern
VAR light im Anmarsch: Bekommt der Amateurfußball den Video-Beweis?

Der Fußball-Weltverband FIFA will das Video-Schiedsrichter-Konzept weltweit einführen.

Schwerpunkt einer Arbeitsgruppen-Sitzung dazu war nach Angaben des Verbandes die Entwicklung eines "VAR light". Dieses Konzept soll "erschwinglichere VAR-Systeme ...

Arne Steinberg und Wigbert Löer - vor
Regionalliga Bayern
Große Umfrage: Wie viel verdienen Amateurfußballer?

Sie sind Amateure, das heißt: Liebhaber. Doch im deutschen Fußball fließt auch ab der vierten Liga abwärts regelmäßig Geld +++ Mitmachen bei anonymer Umfrage

Wie viel ist es Vereinen zwischen Kreis- und Regionalliga wert, dass Spielerinnen und S ...

Münchner Merkur / Christoph Seidl - vor
Regionalliga Bayern
Streetworker Max Rabe warnt: „Manche Kinder haben seit Corona zehn Kilo zugenommen.“
Lockdown im Fußball: „Wir verlieren eine Generation an die Playstation“

Was bedeutet der zweite Lockdown für den Fußball?

Die Bolzplätze und Sportanlagen sind dicht. Der Bayerische Fußball Verband fordert von der Politik, dass zumindest die Kinder spielen dürfen. Doch die Regierung hat keine Reaktion gezeigt. Die Angst ...

Mathias Willmerdinger - vor
Regionalliga Bayern
Ein reichlich kurioses erstes Jahr hat Tobias Strobl als Cheftrainer des 1. FC Schweinfurt 05 hinter sich.
»Ein Armutszeugnis«

Regionalliga-Rückblick (3): Stimmung, Aussicht und Personalien in Schweinfurt

Ein nie dagewesenes Jahr neigt sich in der Regionalliga Bayern vorzeitig dem Ende zu. Grund genug, um sich bei den Vereinen mal umzuhören. Wie haben sie das verrückte 2020 ...

Tabelle
1. Aschaffenb. 2524 50
2. Nürnberg II 2529 49
3. SpV Bayreuth 2525 49
4. Schweinfurt 2319 44
5. Aubstadt (Auf) 252 39
6. Eichstätt 2614 37
7. Gr. Fürth II 26-2 36
8. Buchbach 253 35
9. FC Augsburg II 259 34
10. SV Wacker 251 33
11. Schalding 24-11 32
12. Illertissen 25-14 31
13. TSV Rain (Auf) 25-15 30
14. Heimstetten 25-10 26
15. 1860 Rosenh. 25-31 21
16. FC Memmingen 22-12 20
17. VfR Garching 20-31 13
18. Türkgücü Mün o.W. (Auf) 00 0
Die vier Erstplatzierten spielen eine Aufstiegs-Playoffrunde um die Relegationsteilnahme, die dann gegen den Meister der Regionalliga Nord ausgetragen wird.

Tordifferenz zählt bei Punktgleichheit.
ausführliche Tabelle anzeigen

FuPa Hilfebereich