»Von der Viktoria über 1860 zu Wolfsburg? Das geht auch heute noch!«
Mittwoch 18.11.20 08:00 Uhr|Autor: Kilian Amrhein1.408
Seit 2018 ist Marcel Schäfer als Sportdirektor beim VfL Wolfsburg tätig. Foto: VfL Wolfsburg

»Von der Viktoria über 1860 zu Wolfsburg? Das geht auch heute noch!«

Teil 1 des großen FuPa-Interviews mit VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer aus Aschaffenburg

Aschaffenburg/Wolfsburg. Als Marcel Schäfer im D-Junioren-Alter vom kleinen SV Eintracht Straßbessenbach zu Viktoria Aschaffenburg wechselte, ahnte er noch nicht, dass er 13 Jahre später Deutscher Meister werden würde. Geträumt hatte er aber schon immer davon – und über Stationen bei 1860 München und dem VfL Wolfsburg wurde der Traum 2009 Realität. Heute ist der 36-Jährige als Sportdirektor beim Bundesligisten tätig: Warum er sich in Niedersachsen so wohl fühlt, wieso er der Viktoria wohl Glück bringt und wo er die Löwen in Zukunft sieht, erklärt er im ersten von zwei Teilen des großen Interviews mit FuPa-Reporter Kilian Amrhein…




FuPa: Herr Schäfer, Sie wohnen – abgesehen von einer Unterbrechung – seit 13 Jahren in Wolfsburg. Wie viel ist vom Aschaffenburger Dialekt noch übrig?
Marcel Schäfer (36)
: Nicht mehr ganz so viel! (lacht). Ich bin sogar schon vor 21 Jahren von zuhause ausgezogen. Wenn ich aber nach Aschaffenburg komme, dann falle ich bei meiner Familie schnell wieder in den Dialekt zurück. Und das ist schön so: Ich ziehe die Niedersachsen ja gerne damit auf, dass sie nur hochdeutsch sprechen! (schmunzelt).“

In Bayern kennt man Wolfsburg wohl nur als Autostadt. Warum ist es für Sie dort so lebenswert?
Es ist familiär und wir fühlen uns wohl, Wolfsburg ist zu unserem Zuhause geworden! Die Stadt ist recht klein, die Wege kurz, die Lebensqualität hoch. Klar, dass Wolfsburg von VW geprägt ist, aber hier wird viel investiert und es gibt viel Grün in der Stadt. Neben dem Konzern spielt auch der Fußball eine große Rolle: Im Schnitt 27.000 Zuschauer im Stadion bei nur 120.000 Einwohnern zeigen das. Besonders für meine drei Kinder ist Wolfsburg einfach Heimat, sie kamen hier zur Welt. Die Stadt zu verlassen kam deswegen nie in Frage – auch, wenn ich nicht mehr beim VfL tätig wäre. 

Vermissen Sie aber nicht manchmal auch Bayern und seine Natur?
Man kann die beiden Bundesländer nicht miteinander vergleichen. Von München aus ist man natürlich schnell in den Bergen. Aber auch Niedersachsen hat seine Reize. Ich komme auch nach so vielen Jahren immer gerne mit meiner Familie nach Bayern zurück. Vier- bis sechsmal im Jahr schaffe ich das, das nächste Mal wahrscheinlich zu Weihnachten.

Wolfsburg und die Volkswagen Arena sind für Schäfer zu einer Heimat geworden!

Wolfsburg und die Volkswagen Arena sind für Schäfer zu einer Heimat geworden! Foto: VfL Wolfsburg

In Bayern haben Sie für drei Teams gespielt: Eintracht Straßbessenbach, Viktoria Aschaffenburg und 1860 München. Wie viel Kontakt haben Sie zu den Ex-Klubs noch?
Sehr viel! In Straßbessenbach wohnen Sandkastenfreunde von mir. Wir treffen uns regelmäßig zu Weihnachten, dieses Jahr wird das aufgrund von Corona wohl leider ausfallen. Die Viktoria verfolge ich so gut es geht. Mit Trainer Jochen Seitz bin ich öfters im Austausch, mit Simon Schmidt gut befreundet. Wir sind aus einem Jahrgang und damals gemeinsam mit Daniel Baier zu 1860 München gewechselt. Ich schaue auch mal ein Löwen-Spiel, wenn es geht. Live war ich beim Toto-Pokal-Halbfinale 2019 zwischen Viktoria und 1860 in Aschaffenburg dabei. Da war ich wohl ein Glücksbringer für den SVA! (lacht).

Was trauen Sie Ihren Ex-Vereinen in näherer Zukunft zu?
Die Viktoria hat sich sportlich hervorragend entwickelt! Die Infrastruktur im Verein ist toll, es sind super Bedingungen. Trotzdem ist der Schritt in die 3. Liga ein großer. Hier müsste ganz Aschaffenburg zusammenrücken. Nur wenn alle Beteiligten und die Stadt an einem Strang ziehen, kann das klappen. Aber prinzipiell glaube ich da schon dran.

Und wie sieht es mit dem TSV 1860 München aus?
Ich sage immer, dass die Löwen ein schlafender Riese sind. Als ich dort gespielt habe, waren wir eine große Nummer in der 2. Bundesliga. Nach vielen Turbulenzen und dem Abstieg in die Regionalliga, hoffe ich, dass weiter Ruhe einkehrt. Das Fan-Aufkommen sucht seinesgleichen und es ist dem Verein nur zu gönnen, wieder in höhere Gefilde zu kommen. Aktuell läuft es in der 3. Liga ja ziemlich gut.

Über den SVA und 1860 München sind Sie damals nach Wolfsburg gewechselt. Wäre so ein Werdegang aus Sicht des Sportdirektors Marcel Schäfer heute noch möglich?
Klar! Das wäre doch eine gesunde Entwicklung für einen Spieler. Aschaffenburg hat über die Jahre immer wieder gute Akteure hervorgebracht. Und 1860 ist – trotz 3. Liga – weiter eine Top-Ausbildungsstätte: Aus den ganzen Ex-Löwen könnte man auch aktuell noch immer ein starkes Bundesliga-Team aufstellen. Jüngstes Beispiel: Felix Uduokhai. 2017 kam er von München nach Wolfsburg, heute ist er Nationalspieler.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, warum Vereinstreue für Marcel Schäfer besonders wichtig ist und wie sein Alltag als Sportdirektor aussieht.


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Tabelle
1. Aschaffenb. 2524 50
2. Nürnberg II 2529 49
3. SpV Bayreuth 2525 49
4. Schweinfurt 2319 44
5. Aubstadt (Auf) 252 39
6. Eichstätt 2614 37
7. Gr. Fürth II 26-2 36
8. Buchbach 253 35
9. FC Augsburg II 259 34
10. SV Wacker 251 33
11. Schalding 24-11 32
12. Illertissen 25-14 31
13. TSV Rain (Auf) 25-15 30
14. Heimstetten 25-10 26
15. 1860 Rosenh. 25-31 21
16. FC Memmingen 22-12 20
17. VfR Garching 20-31 13
18. Türkgücü Mün o.W. (Auf) 00 0
Die vier Erstplatzierten spielen eine Aufstiegs-Playoffrunde um die Relegationsteilnahme, die dann gegen den Meister der Regionalliga Nord ausgetragen wird.

Tordifferenz zählt bei Punktgleichheit.
ausführliche Tabelle anzeigen

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